Jenseits vom Suriname-Fluss (2) – Fort Nieuw Amsterdam

Suriname, 10. März 2022

Nach dem Peperpot Nature Park sind wir zwar alle etwas erschöpft, aber wenn wir schon mal hier sind, besteht der Skipper darauf, auch noch das Fort Nieuw Amsterdam zu besuchen. Strategisch günstig am Zusammenfluss von Suriname River und Commewijne gelegen, ist es eines der ältesten erhaltenen niederländischen Gebäude in Suriname. Pläne gab es schon länger, doch sie wurden aus Kostengründen lange nicht realisiert. Den Ausschlag gab dann ein Überfall des Franzosen Jacques Cassard. Nach 13-jähriger Bauzeit wurde die Festung 1747 fertig gestellt. Da sie vor allem dem Schutz der Plantagen diente, mussten die Plantagenbesitzer sie mitfinanzieren und auch Sklaven zum Bau abstellen.

Im Jahr 1863 verliert das Fort seine militärische Bedeutung. Zeitgleich mit der Abschaffung der Sklaverei. Ein Nebeneffekt von letzterem ist, dass die Plantagenbesitzer das bis dahin bestehende Recht zur Bestrafung ihrer Arbeiter (=Sklaven) verlieren. Dafür ist nun die Kolonialregierung zuständig. Eine Gefängnis muss her und wird in einer der Baracken der Festung eingerichtet. Es hat von 1872 bis 1982 Bestand.

Elsterwassertyrann

Parallel dazu wird 1907 die Administration des Bezirks Commewijne in das Fort verlegt. Dort befindet es sich noch heute. Direkt dahinter führen Wege über die Befestigungsanlagen direkt am Fluss. Immer noch zeigen die Läufe glücklicher Weise nicht mehr funktionsfähiger Kanonen auf den Fluss und bezeugen ihre alte Funktion. Ein beliebter Ort zum Schlendern und Erholen… wohl auch als Mittagspause von der anstrengenden Behördenarbeit. ;-)

Im Jahr 1968 wird zusätzlich ein Freilichtmuseum eingerichtet. Damals noch direkt neben dem Gefängnis gelegen, ist letzteres heute Teil des Komplexes. Die Einzelzellen sind bedrücken klein. Die Gemeinschaftszellen informieren über die Herkunft und Geschichte der verschiedenen Ethnien Surinames.

Bemerkenswert ist die Kutschensammlung. Sie zeigt auch Begräbniskutschen, die die soziale Ungleichheit bis nach den Tod fortschreibt.

  • Arm = Naniwagi = einfache Kutsche ohne Glasfenster = keine Grabprozession
  • Reich = Anitriwagi = aufwendige Kutsche mit Glasfenstern = Grabprozession

Auch das alte Pulverhaus aus dem Jahr 1740 ist einen Blick wert. Seine Wände sind 60cm dick. Im Falle einer Explosion wird damit zwar das Dach weggeblasen, doch der Rest hält stand und schützt das Fort. Besonders schön ist, dass die alten Kanonen hier im Museum mal nicht aufwändig auf- und ausgestellt sind, sondern sich da befinden, wo sie meiner Meinung nach letztlich hingehören… im Dreck!

So neigt sich ein langer Ausflug dem Ende zu. Müde fahren wir den langen Weg über die Jules Wijdenboschbrug zurück nach Domburg. Der Weg zieht sich… wieder einmal. Der Weg lohnt sich… wieder einmal. Zurück auf unserer Samai. :-)

5 Kommentare zu „Jenseits vom Suriname-Fluss (2) – Fort Nieuw Amsterdam“

  1. Wie immer, sehr interessanter Beitrag mit tollen Bildern!!! Heute hätte ich noch mal eine Frage an Samuel und an Micha.
    Samuel: Du machst immer so herrliche Aufnahmen durch dein Fernglas (?). Benutzt du dazu eine Kamera oder dein Smartphone. Ich frage deshalb, ein Freund von mir hat auch solch ein Fernglas, bekommt aber keine ansprechenden Bilder zustande und deine sind immer so klar und scharf.
    Micha: Ist das korrekt, dass ihr vor der Küste von Suriname mit eurer Samai liegt? Ich habe so eine App. „MarineTraffic“, die mir zu mindestens mitteilt, dass ihr dort liegt. Wird diese Position immer zeitnah aktualisiert? Würde nämlich gerne euren Trip über den „großen Teich“ verfolgen. Wann ist es eigentlich soweit?
    Liebe Grüße und euch noch eine schöne Zeit,
    Roland

    1. Moin Roland,
      wie immer vielen lieben Dank für dein Feedback. Jetzt antwortet erstmal der Micha. Marinatraffic ist (wie auch Vesselfinder) bei uns Freizeitbooten leider nicht immer sehr aktuell. In der Tat sind wir schon seit einem Monat raus aus Suriname und weiter nach Französisch-Guyana. Gerade gestern sind wir von Kourou zu den Îles du Salut gefahren. Ende der Woche machen wir uns dann auf den Atlantik. Wenn Du unserer Position folgen willst, dann am Besten über Spotwalla. Da schicken wir selbst unsere Position hin, auf der Atlantiküberquerung wird das wohl so einmal am Tag sein. Du findest den Link unter „Reiseinformationen -> Position“… bzw. für 2022 hier. Und ja, auf Spotwalle sind wir angeblich noch in Saint-Laurent-du-Maroni… wird spätestens morgen aktualisiert. ;-)
      Liebe Grüße,
      Micha

    2. Hallo Royusch,
      als aller erstes: vielen Dank für das Lob.
      Um auf deine Frage zurück zu kommen:
      ich nutze mein Handy zum Fotografieren durch das Fernglas. Das liegt daran, dass man mit einer Kamera nicht nah genug an das Fernglas herankommt.
      Zum anderen, das Problem kenne ich genau wie dein Freund. Auf ein scharfes oder gutes Bild folgen bestimmt 10 oder mehr schlechte. Darum mache ich, wenn ich mein Handy am Fernglas habe, gleich ganz viele Bilder.
      Man kann aber versuchen das Handy still zu halten (oder einfach in das Gestell klemmen, was zumindest bei mir, in der Verpackung dabei war) und dann noch einmal mit das Fernglas nachschärfen.
      Das mache ich oft.
      Liebe Grüße,
      Samuel

      1. Vielen Dank Samuel für deine Erklärung 😊 und du kannst mich ruhig Roland nennen 😉
        Liebe Grüße,
        Roland

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