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Copa Libertadores

Einmal im Jahr wird die beste Vereinsmannschaft des Kontinents gesucht. Im Grunde ist es das südamerikanische Gegenstück zur europäischen Champions League… nur ungleich wichtiger! Am 23. November 2019 war es wieder einmal so weit. Im Gegensatz zum bisherigen Hin-/Rückspielmodus fand nach den letztjährigen Ereignissen beim Buenos Aires – internen Duell (mit Rückspiel in Madrid!) in diesem Jahr erstmals ein einziges Finalspiel in neutralem Stadion statt, das wiederum aufgrund der aktuellen Ereignisse in Chile recht kurzfristig von Santiago de Chile ins peruanische Lima verlegt wurde.

Die Finalisten der Copa Libertadores 2019:

  • River Plate Buenos Aires – der Titelverteidiger und Rekordsieger aus Argentinien
  • Flamengo Rio de Janeiro – der aktuell unangefochten Führende der Brasilianischen Liga

Und wir waren zufälliger Weiser gerade in Charitas gleich gegenüber von Rio! Schon beim Einkaufsbummel durch Niteroí fiel die schiere Menge rot-schwarzer Trikots auf. Von jung bis alt trugen Männlein, Weiblein und so manches Kindlein sie stolz zur Schau. Da konnte natürlich auch der Skipper nicht anders, als zumindest über eine angemessene Kopfbedeckung die Solidarität mit dem heimischen Liebling zu bezeugen.

Den ganzen Tag liefen Vorberichterstattungen mit Live-Schaltungen ins ganze Land, beispielsweise zum „Public Viewing“ (im englischen Original übrigens eine „Leichenschau!“) im berühmten Estádio do Maracanã. Immer wieder knallten Böller und Raketen… alles was von Silvester übrig war wurde heute in die Luft gejagt. Im Clube Naval Charitas liefen die Fernseher und natürlich versammelten sich davor alle noch verbliebenen Gäste und Personal zum gemeinsamen Fußballschauen… der Skipper mitten drin!

River Plate schoss recht früh in der ersten Halbzeit die Führung. Und auch wenn ihr Spiel nicht wirklich schön war, die besseren Chancen hatten die Argentinier und die Führung zur Halbzeit ging zum Leidwesen aller hier in Ordnung.

In der zweiten Halbzeit dann der Sturmlauf von Flamengo. Sie waren nun die eindeutig bessere Mannschaft, hatten endlich einen guten Spielaufbau, die besseren Chancen, bekamen den Ball aber nicht ins Tor. Nur noch wenige Minuten und passend zum im Hintergrund prasselnden Regeln verfinsterten sich die Gesichter unserer kleinen Truppe zunehmend.

Doch dann kam Gabriel Barbosa und schoss in der 89. Minute den Ausgleich für Flamengo! Was für ein Tor!! Was für ein Jubel in Brasilien!!! Die Argentinier dagegen schockiert. Wie dem auch sei, man stellte sich auf eine Verlängerung ein. Doch dann kam Gabriel Barbosa und schoss zwei Minuten später die Führung für Flamengo!!! Jetzt gab es kein Halten mehr. Vor Jubel hörte man nicht einmal mehr die Böller der Umgebung. Das südamerikanische Temperament zeigte sich auch noch auf dem Spielfeld – zwei glatt rote Karten wurden verteilt – und dann der Schlusspfiff. Aus, aus, aus… das Spiel ist aus! Und es war ein wirklich tolles Erlebnis, dieses Finale hier vor Ort miterlebt zu haben.

Natürlich erinnert dieses Spiel jeden auch nur halbwegs fußballbegeisterten Deutschen sofort an das Champions League Finale  im Jahr 1999. Damals war es Bayern München, deren 1:0 Führung zur 90. Minute von ManU in der Nachspielzeit gedreht wurde. Bei aller Freude für Flamengo also auch Beileid für River Plate. Ungeachtet des ebenso undankbaren wie trotzdem beachtlichen zweiten Platzes in diesem Jahr ist Fakt, dass bei der Suche nach der besten südamerikanischen Vereinsmannschaft dieses Jahrzehnts kaum ein Weg an den Argentiniern vorbei führt. Unter dem Strich also eine „Win-Win-Situation“.

Rio de Janeiro (1)

Wir waren leider erst gegen Mittag mit der Schnellfähre auf den Weg in die Stadt und mal wieder bestens vorbereitet (Lissabon lässt grüßen ;-)… wussten eigentlich nur, dass die Familie auf jeden Fall auf den Zuckerhut und zum Jesus hoch will. Tja, und abgesehen von einem Offline-Stadtplan auf „Maps.Me“ war es das dann eigentlich auch schon. Auch La Skippers Idee, vor Ort einen Plan oder Reiseführer zu kaufen, scheiterte mangels Touri-Office bzw. gut sortiertem Buchhandel.

Aber gut, der erste Weg führte ja ohnehin zum „Capitania dos Portos do Rio de Janeiro“. In Brasilien ist das der Pflichtbesuch zum Erwerb des „Despacho de entrada e saída de veleiros“… offiziell nur bei Wechsel in einen anderen Staat, faktisch in jedem Hafen hat man sich bei Ankunft anzumelden und bei Abfahrt unter Angabe des nächsten Hafens abzumelden. Praktisch ist es aber gar nicht so schlimm, wie es sich anhört. Es gibt keine Zeitvorgabe (oder -vorstellung) von der Reisedauer, so dass Ankerstopps problemlos machbar sind. In Cabedelo sind wir Dank der Post sogar erst eine Woche nach offizieller Abmeldung losgefahren. Das wird in Argentinien und Chile mit der Notwendigkeit, sich täglich zu melden sicher noch mal eine ganz andere Erfahrung werden.

Es Weihnachtet schon sehr im Starbucks…

Offiziell angemeldet ging es dann zu Fuß in eine passend erscheinende Richtung, nur um kurze Zeit später eine Pause bei Starbucks einzulegen. Hier gab es WiFi ohne Anmeldung. Das ist in Brasilien echt selten. Normalerweise wird auch bei öffentlichen Netzen immer eine Anmeldung verlangt, sei es über das von mir boykottierte Facebook oder sonst einen obskuren Dienstleister… und nicht selten muss auch noch die hier obligatorische Steuernummer angegeben werden. Da schaut man als Ausländer dumm aus der Wäsche. Doch im vorweihnachtlichen Kaffeeausschank konnten wir noch rasch einen Online-Reiseführer sowie den Plan der Metro laden… und später dann auch Uber bestellen.

Das erste Touristenziel des Tages war die „Catedral de São Sebastião“. Von außen in Form eines riesigen Kegelstumpfes doch eher gewöhnungsbedürftig (La Sipper und Crew meinten wörtlich: „Gott, ist die hässlich!“), weiß es bei oder gerade wegen aller Monumentalität innen zu beeindrucken. Der Innenraum ist 80m hoch und fasst angeblich bis zu 20.000 Gläubige. Ja, es wirkt düster, wegen der schönen Fenster und mit dem alleine schon 10m hohen Kreuz über dem Altar aber doch feierlich.

Das zweite Ziel des Tages war dann der 396m hohe „Pão de Açúcar“, von dem Maila ja schon berichtete. Gleich viermal sind wir mit der Drahtseilbahn gefahren, wurden schon auf der Zwischenstation von Weißbüscheläffchen begrüßt und konnten von ganz oben einen kurzen Blick auf die Umgebung und die berühmten Strände erhaschen bevor die Wolken uns dann doch noch eingefangen hatten. Immerhin sorgte das für eine sehr authentische Stimmung beim Spaziergang durch den Gipfelwald.

Und das war es dann eigentlich auch schon am ersten Tag in Rio. Noch ein fürstliches Abendmahl im Schottisch-Amerikanischen Diner der Kinder Wahl genommen (McDonalds) und zurück ging es mit der Fähre nach Charitas. Für den kurzen, am Mittag noch gelaufenen Weg zum Clube Naval nahmen wir ein Taxi… bei Nacht ist dieser Spaziergang nach allen uns vorliegenden Informationen (inkl. der Gestik des Taxifahrers) nicht sicher. Aber es sei auch nochmal betont, dass wir uns hier in Brasilien ansonsten zu keiner Zeit unwohl oder gar bedroht gefühlt hätten. Im Gegenteil sind wir bisher nur freundlichen, hilfsbereiten Menschen begegnet, die einem ein in Deutschland nur selten erlebtes Gefühl des Willkommens geben!

Sonne, Mond und Sterne… irgendwie anders!

Es gibt viele Dinge des Alltags, die wir ganz selbstverständlich hinnehmen. Die waren schon immer so und das ist auch gut so. Manche Sachen sind allerdings stark von unserem Standort auf der Welt abhängig. Das ist uns allen aus Schultagen bewusst und daher wird dieser Eintrag wohl auch nicht viel Erkenntnisgewinn bringen. Trotzdem sollen hier mal ein paar gewohnte Dinge angeführt werden, die uns, sei es in Äquatornähe oder auch erst jetzt auf der Südhalbkugel, neben so viel Anderem zeigen, dass wir uns nicht mehr in der gewohnten Umgebung befinden.

  • Wo genau ist eigentlich Norden? Der hilfsbereite Nordstern ist jedenfalls schon vor Wochen dauerhaft hinter dem Horizont verschwunden. Dafür geht jetzt langsam das „Kreuz des Südens“ auf.
  • Überhaupt die Sternbilder. Warum hat sich Orion bloß hingelegt? Und wer kennt die ach so passenden Sternbilder „Segel des Schiffes“, „Kiel des Schiffes“ und „Fliegender Fisch“?
  • Die schöne Eselsbrücke für den abnehmenden (kleines Schreibschrift-a) und zunehmenden (alt-deutsches Schreibschrift-z) Mond funktioniert auch nicht wirklich, wenn die Sichel liegt oder einen Schirm bildet.
  • Was ist mit der Dämmerung? Ok, je weiter wir nach Süden kommen, umso mehr kehrt sie zurück. In Äquatornähe dagegen ist es kaum 15 Minuten nach Sonnenuntergang stockfinster. Und auch morgens vergeht zwischen erstem Lichtschein und stürmisch aufstrebender Sonne nicht viel Zeit.
  • Im Osten geht die Sonne auf – im Norden nimmt sie ihren Lauf – im Westen will sie untergehen – im Süden ist sie nicht zu sehen…
  • Das sich auf der Südhalbkugel im Abfluss andersherum drehende Wasser stimmt zwar prinzipiell unter Laborbedingungen, ist in der Praxis dagegen ein Mythos. Zu viele andere Einflüsse bestimmen die Drehung. (…sehr schön auch nochmal erklärt im empfehlenswerten Podcast „Sag mal, du als Physiker.“)

Ach ja… und was ist eigentlich mit den Orangen passiert?! Gut zu wissen, dass sie nicht unreif, sondern „nur“ tropisch, also ohne nennenswerte Kälte gereift sind. Ja, dann bleiben Orangen grün. Und damit wir Europäer auch glauben, dass sie reif sind, werden solche Importe bei uns in der Regel chemisch „entgrünt“.

Nicht unreif, sondern in tropisch-warmen Nächten gereift und nicht – wie in Europa üblich – entgrünt!!

Barramento brasileiro!

Selbst der Reiseführer warnt davor, aber die volle Dröhnung bekommt man nur, wenn man den Trip selbst erlebt: Busfahren in Brasilien!

Es fängt mit den Haltestellen an… kleine blaue Schilder an einer Straßenlaterne (wer braucht Fahrpläne oder Informationen zu den hier verkehrenden Linien?!) markieren die Stellen, an denen es sich lohnt, einem heranrasenden Bus zuzuwinken. Ohne diese Geste schwindet die Chance mitgenommen zu werden deutlich. Mit fast schon quietschenden Reifen kommt das tonnenschwere Gefährt neben einem zu Stehen… die Türen sind da schon längst geöffnet. Man geht hinein, bezahlt und dann kommt das berühmt-berüchtigte brasilianische Drehkreuz. Dieses Ding ist hier offensichtlich ausgesprochen beliebt, immer wieder begegnet man ihm. Im Bus ist es der Enge geschuldet auch noch äußerst schmal geraten. Ich bin mir nicht sicher, ob der (Achtung: Vorurteil!) amerikanische Durchschnittsbürger hier durchpassen würde. Mit einer blauen Ikea-Tasche voller Einkäufe auf dem Rücken gerät es in jedem Fall zu einer Herausforderung.

Tpyische Bushaltestelle

Ist diese Hürde erst einmal überwunden, sollte man sich mit der Platzwahl auch nicht allzu viel Zeit lassen. Die Tür ist noch nicht geschlossen, da wird das Gaspedal schon wieder durchgedrückt und die Achterbahnfahrt geht weiter. Wege werden grundsätzlich direkt zurückgelegt, unabhängig davon ob da noch andere Fahrzeuge im Weg sind oder auch nicht. Kurven und Kreisverkehr sind kein Grund zu bremsen, sondern bieten die Möglichkeit, natürliche Grenzen der Flieh- und Schwerkraft auszutesten. Ein einziger heimischer Busfahrer mit diesem Fahrstil würde den Berliner Verkehrsbetrieben BVG (sic!) eine existenzgefährdende Klagewelle bescheren. In Brasilien gilt dagegen das Motto, dass wer sich nicht schnell genug setzen oder alternativ gut festhalten kann halt eine alternative Beförderungsmöglichkeit ins Auge fassen sollte.

Das Drehkreuz…

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen ist die Atmosphäre im Bus sehr entspannt. Der nette Mann auf der anderen Seite bietet seinen Platz den Kindern an, damit sie einen besseren Ausblick haben. Auch auf meinen Standardsatz „Desculpe, eu não falo português!“ (Entschuldigung, ich spreche kein Portugiesisch!) wird munter weiter drauf los geredet, nette Erklärungen und Informationen gegeben auf die mehr als ein freundlich-nickendes Lächeln des der Sprache Unkundigen auch nicht weiter hilft. Aber so ist das hier… und ehrlich gesagt finden wir alle das um Längen sympathischer als die schweigsame Anonymität Deutschlands. Andere Länder, andere Sitten… zu Gast in der Welt… so kann das gerne weiter gehen!

Maila auf dem Zuckerhut

Ich war auf dem Zuckerhut. Wir mussten Seilbahn fahren. Ich hatte richtig Angst wegen der Seilbahn weil man ja in der  Seilbahn fliegt. In der ersten Etappe habe ich richtig gezittert und wollte auch nicht ans Fenster. Ich wollte mich nur an der Stange festhalten und habe Franz fast erwürgt. Eigentlich habe ich Franz erwürgt. Als wir auf der Zwischenstation angekommen sind war ich erstmal erleichtert, weil es doch nicht so schlimm war.

Gleich geht es weiter mit der Gondel ganz nach oben…

Wir haben uns auf der Zwischenstation alles angeguckt. Daneben war nur wilder Dschungel und kleine Äffchen, die voll süß waren. Als gerade eine Seilbahn ankam sind wir losgegangen und ich wollte unbedingt am Fenster sein. Als wir oben auf dem Zuckerhut waren, hatten wir nicht die beste Aussicht, weil der Zuckerhut gerade in einer Wolke drin war und alles war neblig und feucht. Natürlich haben wir uns dort auch alles angeguckt, aber ich wollte am liebsten in den Dschungel. Dort war es noch feuchter und das war richtig wie ein wilder Dschungel. Dann haben wir ein Schild gesehen. Dort stand irgendetwas von giftigen Schlangen.

Natürlich wollte Mama sofort weiter gehen. Ich wollte auch lieber gehen. Papa und Samuel haben sich nochmal umgeguckt. Es war dort richtig cool. Dann mussten wir am Ende einen steilen Weg an einem Seil hochklettern. Das war auch cool!

Dann sind wir hochgegangen und sind nochmal rumgegangen und haben noch ein Äffchen gesehen.

Irgendwann, als wir genug geschaut hatten, haben wir wieder eine Seilbahn nach unten genommen. Diesmal haben wir darauf geachtet, dass ich ganz vorne am Fenster war. Ich habe die ganze Zeit runter geguckt und habe Vögel und ein Äffchen gesehen. Als wir wieder auf der Zwischenstation waren haben wir plötzlich einen Weg gesehen. Dort sind wir runter gelaufen. Erstmal sind wir eine Straße langgegangen und dann war so eine Tür, wo schon wieder sowas mit Giftschlagen war und dort stand auch ein Aufpasser. Dann sind wir wieder in den Dschungel gegangen, aber dann haben wir gemerkt, dass das der Fußmarsch runter zum Boden war. Das wollten wir nicht und deswegen sind wir wieder hochgegangen und sind wieder dorthin gegangen, wo die Geschäfte waren.

Franz und ich im Dschungel

Nach längerer Zeit bekamen wir Hunger und haben dann die Gondel nach unten genommen. Natürlich hinten am Fenster. Dann sind wir mit Uber zu McDonalds gefahren. Dort habe ich einen süßen kleinen Flamingo bekommen. Und dann sind wir zurück zur Fähre gelaufen und sind wieder zurück gefahren. Da haben wir uns an eine Taxistelle gestellt und auf ein Taxi gewartet weil wir nicht zurück zum Hafen laufen konnten, weil es auf dem Weg so kriminell war. Das war ein sehr aufregender und schöner Tag in Rio de Janeiro!

Maila