Zurück in Südamerika

Suriname, 27. Februar 2022

Die letzte Nacht unserer Überfahrt von Barbados nach Suriname fahren wir unter Vollzeug entspannt dem Ziel entgegen. Durch das Wasser sind wir für unsere Verhältnisse richtig schnell, doch der Strom bremst zuverlässig. Im Grunde ist das gar nicht mal so schlecht, da wir die Ansteuerungstonne gut 10sm vor dem Suriname-Fluss so in der Morgendämmerung, mithin zumindest den Vorboten des Tageslichtes erreichen.

Dazu muss man wissen, dass es hier recht flach ist. Die 20m Tiefenlinie verläuft gut 15sm, die 10m-Tiefenlinie auch noch gut 10sm vor der Küste. Folgerichtig sehen wir auch mehr als ein Baggerschiff bei der Arbeit. Eines trägt den eingängigen Namen „Elbe“.

Doch warum ist es hier so flach? Die verblüffende Antwort lautet: Amazonas. Obwohl die Mündung des wasserreichsten Flusses der Erde gut 450sm (also über 800km) weiter südlich liegt, treibt der Guyana-Strom die Sedimente weit die südamerikanische Küste hinauf. Das bremst die Vorfreude auf den weiteren Weg. Doch jetzt wollen wir ja erst einmal hier ankommen.

Der Weg bis zur Flussmündung zieht sich. Und bis zu der geplanten Mooring sind es noch einige Meilen weiter flussaufwärts. Dafür sind wir aber noch zu früh. Aktuell läuft das Wasser ab und die Gezeitenströmung beschleunigt die Flussströmung noch. Wir werfen den Anker und warten. Mit dieser Idee sind wir nicht einmal alleine. Zwei andere Segler sind schon da. Egal, es ist reichlich Platz. Jetzt erst einmal ein leckeres Frühstück.

Ein paar Stunden später ist es soweit. Die Vormittagsflut hat eingesetzt. Wir können los. Nur Minuten nach einem unserer Nachbarn holen wir den Anker auf uns machen uns auf den Weg in den Suriname River. Gutes Timing. Obwohl wir flussaufwärts fahren, schiebt der Strom mit. Ist manchmal schon komisch mit den Gezeiten.

Hinter uns der Ankerplatz…
… vor uns der Suriname River
Da ist es flach!

Es dauert nicht lange, bis wir die Hauptstadt von Suriname erreichen. Paramaribo (die Betonung liegt übrigens auf dem „ma“!) zieht an Steuerbord vorbei. Mitten in der Flussbiegung liegt das Wrack des deutschen Frachtschiffes Goslar. In der Nacht vom 5. September 1939 bat sie vor der Hauptstadt der niederländischen Kolonie um Asyl. Eine Zeit lang ging für die 15-köpfige Rumpfbesatzung alles gut. 49 Chinesen wurden dagegen nach einer Meuterei außer Landes gebracht. Und dann kommt der 10. Mai 1940. Das Deutsche Reich überfällt die Niederlande. Das kommt auch in Suriname nicht gut an. Vor Ihrer Festnahme versenkte die Besatzung ihr eigenes Schiff dort, wo es auch über 80 Jahre später noch zu sehen ist.

Die Eva fährt mit uns rein.
Paramaribo
Das Wrack der Goslar
Durch die Brücke

Nachdem wir die beeindruckende Brücke passiert haben, weicht die Bebauung. Ok, an der Hauptstadtseite stehen immer noch teils fast prunkvolle Häuser… oft neben ebenso beeindruckenden Bauruinen. Doch die Backbordseite ist von dem Grün des Regenwalds geprägt. Wunderschön. Nach den letzten, mehr oder weniger typisch karibischen Inseln ist das hier gerade irgendwie so, wie nach Hause zu kommen. Hier fühlen wir uns wohl.

Nach knapp 20 Seemeilen Flussfahrt kommt das Harbour Resort Domburg in Sicht. Seitdem das Ankern vor der Hauptstadt verboten ist, sind diese Moorings der nächstgelegene Liegeplatz. Einige Meilen weiter gibt es zwar noch die Waterland Marina. Doch eine schnelle Kosten-Nutzen-Abwägung macht uns die Entscheidung leicht. Die Mooring direkt vor dem Dinghy-Steg ist frei. Super. Das verspricht kurze Wege und gutes Internet an Bord. Die Crew ist eingespielt. Das Publikum im Restaurant bekommen kein Hafenkino geboten. Applaus bleibt trotzdem aus… ;-)

So… jetzt sind wir also wieder zurück auf dem Festland von Südamerika. Nicht mehr spanisch oder portugiesisch geprägt ist es zwar eine ganz besondere und nicht allzu viel besuchte Ecke des Kontinents. Trotzdem freuen wir uns zurück zu sein. Ein neues Land wartet jetzt vielleicht nicht direkt darauf, von der Crew der Samai entdeckt zu werden. Doch wir werden uns bemühen, es in den nächsten Wochen etwas besser kennenzulernen.

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