Sint-Petrus-en-Pauluskathedraal in Suriname

Suriname, 6. März 2022

Ähnlich wie Guyana zeichnet sich die Bevölkerung von Suriname durch eine große ethnische Vielfalt aus: knapp 40% afrikanische, knapp 30% indische, gut 10% javanische, gut 10% gemischte und knapp 10% sonstige (inkl. indigene) Herkunft. Das spiegelt sich auch in den vertretenen Religionen wider, wobei knapp 50% Christen für missionarische Erfolge während der Kolonialzeit sprechen. Dazu kommen knapp 25% Hindus, knapp 15% Muslime sowie Sonstige. Und im Gegensatz zu unerfreulich vielen anderen Teilen der Welt gibt es praktische keinerlei religiöse Differenzen. Die christlichen Ostern und Weihnachten sind ebenso von allen begangene Feiertage wie die hinduistischen Holi und Diwali sowie das Islamische Opferfest und das Fest des Fastenbrechens. Auch hier zeigen sich Ähnlichkeiten zwischen Suriname und Guyana.

Eine andere Gemeinsamkeit der zwei Nachbarländer ist das friedlichen Nebeneinander der verschiedenen Gotteshäuser. Und beide Hauptstädte haben eine beachtliche, Ende des 19. Jahrhunderts gebaute, jeweils über 40m hohe Holzkathedrale! Heute besuchen wir die römisch-katholische Sint-Petrus-en-Pauluskathedraal in Surinames Hauptstadt Paramaribo.

Schon von weitem sehen wir die zwei Türme über die benachbarten Dächer ragen. Das tun sie nun schon über 100 Jahre lang. Kurioserweise wird der heutige Bau direkt über die noch stehende Vorgängerkirche (ein ehemaliges Theater) am 30. Januar 1883 begonnen, am 10. Juli 1885 geweiht und 1887 abgeschlossen. Erst kurz vor Ingebrauchnahme entfernt man die alte, im Bau als Stützgerüst genutzte Vorgängerkirche.

Das 20. Jahrhundert meint es nicht so gut mit dem Holzbau. Nach einer Renovierung in den 70‘er Jahren muss die Kathedrale schon 1989 wieder geschlossen werden. Einer der Gründe sind Termiten. Erst nach 21 Jahren ist die Wiederherstellung abgeschlossen und die Kirche wird am 13./14. November 2010 wieder in Gebrauch genommen.

Wir haben Glück. Der sonntägliche Gottesdienst scheint zwar schon eine Weile lange beendet, trotzdem stehen die Türen noch offen. So bekommen wir eine seltene Chance, die römisch-katholische Kathedrale im neuromanischen Stil nicht nur von außen, sondern auch von innen zu besichtigen. Es lohnt sich.

Der dreischiffige Innenraum empfängt uns in warmen, stimmigen Holztönen. Was für ein Kontrast zu dem bekannten Eindruck so vieler Kirchen mit kalten Steinwänden oder überbordenden Prunk. Einfach nur schön.

An dieser Stelle wollen wir auch wieder einmal die 14. Stationen des Kreuzwegs dokumentieren. Selten sind die Darstellungen so liebe- und kunstvoll detailliert ausgestaltet.

Neben dem Altar bezeugt der gelb-rot gestreifte Padiglione (Basilikaschirm) den Status des Gotteshauses als Basilica Minor. Über der Eingangspforte zeugt das Wappen von Papst Franziskus von der 2014 vorgenommenen Erhebung zur Basilika.

Leider bleibt uns nicht viel Zeit zur Besichtigung. Schon nach wenigen Minuten wirft uns ein wenig redseliger Mann raus. Direkt hinter uns schließt er die Pforte ab. Schade. Aber das kann den Gesamteindruck nicht schmälern. Die Sint-Petrus-en-Pauluskathedraal ist ein Ruhepol inmitten des zumindest unter der Woche oft chaotischen Paramaribo und wirklich ein wunderschönes Gotteshaus.

Auch die St. George’s Cathedral in Guyana ist einen Besuch wert!

3 Kommentare zu „Sint-Petrus-en-Pauluskathedraal in Suriname“

    1. Ich mag besonders die Parallelen aber auch Unterschiede zwischen den zwei fast gleichgroßen Holzkirchen in Georgetown und Paramaribo. Gerade im gedanklichen Nebeneinander sind sie echt beeindruckend.
      liebe Grüße,
      Micha

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