Obaldia – Keine Reise wert!

3./4. August 2021

Der Revierführer beschreibt Obaldia nicht gerade blumig. Die Bucht ist weit offen und oft unruhig. Die Grenzstadt „a bit rough but friendly“. Die Polizei trägt AK-47. Dafür gibt es angeblich die besten Einkaufsmöglichkeiten in San Blas / Guna Yala. Soweit die Theorie.

Obaldia

Zugegebenermaßen bestätigt sich vieles davon. Manches wird sogar „übererfüllt“. Die Bucht ist tatsächlich weit offen, bei der aktuellen Wetterlage aber soweit erträglich. Die Regenzeit ist in dieser Hinsicht ohnehin ruhiger. Glück gehabt.

Anlandungsstelle

Schon vom Ankerplatz aus sehen wir teils gut bewaffneten Flecktarn am Steg. Sieht eher nach Militär aus. Als ich am Strand anlande, kommt auch gleich das bewaffnete Begrüßungskomitee. Die erste Frage gilt einem aktuellen Test. Guter Witz. Wir sind seit Puerto Lindo gut fünf Wochen mit dem Boot durch Guna Yala unterwegs. Dann müsse ich gleich mal zu „Salud“. Also theoretisch. Irgendwann verläuft sich das Thema einfach.

Der Besuch bleibt uns erspart

Ein Kollege von der Grenzpolizei kommt, prüft und fotografiert Pässe sowie unser Cruising Permit. Dann schickt er mich weiter zu Immigration und „Autoridad Marítima“. Ich interpretiere das als Erlaubnis zu uneingeschränktem Landgang.

Vom Militär zum Strand
Vom Strand Richtung Ort
Gleich bin ich im Zentrum…

Nachdem die Formalitäten bei der Immigration erledigt sind, präsentiert die „maritime Autorität“ leere Büros hinter geschlossenen Türen. Nun gut, dann gehe ich erst einmal einkaufen. Soll hier ja gut gehen. Also theoretisch. Ich finde einen kleinen, mäßig sortierten Laden. Cola für die Kinder. Ok! Bier? Nein! Da müsse ich die Straße runter und dann links zu einem größeren Haus. Ich schlendere durch den Ort und sauge die Atmosphäre von Dreck und Verfall in mich auf. Nicht freiwillig. Sie ist einfach allgegenwärtig.

Immigration und Copy-Shop
Blick von der benachbarten Autoridad Maritíma
Haupteinkaufsstraße
Leider wenig einladend…

Irgendwann finde ich einen kleinen Bäcker. Die Auslage sieht echt gut aus und lädt ein, das anstehende Brotbacken an Bord zu verschieben. Von hier werde ich zu einem am Rand des Sportplatzes sitzenden Mann geschickt. Er verkaufe Bier. Dort angekommen heißt es warten. Ein hinzukommender Freund trägt die gewagte Trikot-Mischung „oben Arsenal – unten Lazio“. Aber sein kleines Mädchen ist echt süß. Überhaupt ist das hier anscheinend ein abendlicher Treffpunkt vor allem der jüngeren Bewohner.

Allgemeiner Treffpunkt am zentralen Sportplatz

Es dauert noch ein bisschen, bis die bessere Hälfte des Mannes gelangweilt mit dem Schlüssel zu seiner Bar kommt. Erst versorgt sie die schon wartenden, starken Männer in der offenen Hütte nebenan. Dann bekomme ich meine eisgekühlte Gerstenkaltschale. Light-Bier. Mjam! ;-)

Eine zum Glück nur mäßig schaukelnde Nacht später setze ich wieder über. Die Formalitäten bei der Autoridad Marítima sind halbwegs schnell und günstig erledigt. Noch etwas Brot gekauft und zurück zur Samai. Doch vorher muss ich mich nochmal bei Militär und Grenzpolizei melden. Ich gebe die entsprechenden Papiere ab und warte. Und warte. Dann wird mir gesagt, dass man noch eine Bootsinspektion vornehmen werde. Im Grunde kommt das nicht überraschend. Wir hatten schon bei unserer Ankunft damit gerechnet. Was dann aber folgt ist keine Inspektion, sondern Sightseeing zweier neugieriger „Autoritäten“.

Militärsteg… für mich gilt „Betreten verboten!“

Es fängt schon damit an, dass wir sie mit unserem Dinghy hin und her chauffieren dürfen. An Bord angekommen, stellen sie pflichtbewusst reichlich sinnlose Fragen. Ja, das da unter dem Cockpit-Tisch ist tatsächlich ein Grill und die große Tüte hinter dem Steuerrad enthält unseren Müll der letzten Wochen. Zum Abschluss gibt der Militärposten auf unserem Vorschiff dem Grenzpolizisten sein Handy und posiert mit „Daumen hoch“ für ein Foto. Na das nenne ich mal eine ausgesprochen professionelle Inspektion!

Die Profi-Inspektoren lassen sich zurückfahren… nicht ohne Selfie!

Jetzt aber endlich weg. Wir wollen noch auf besseres Wetter warten. Doch nicht hier! Vor Obaldia hält uns nichts mehr. Auf einem schaukelnden Warteplatz in Sichtweite des Militärs müssen wir uns wirklich nicht präsentieren. So fahren wir also doch noch eine allerletzte, kurze Etappe in Panama in eine kleine, gut geschützte Bucht. Keine Ahnung, ob wir das offiziell dürfen. Ich bin leider so blöd, diesen Plan gegenüber Immigration und Grenzpolizei zu erwähnen. Erstere scheint wenig begeistert. Doch irgendwie kann (oder will?!) ich die nette Dame nicht verstehen. Der Grenzpolizist verweist mehrfach auf eine nahe Bucht in Kolumbien. Das sei aber nur eine Empfehlung. Ich nehme diese letzten Worte als Freibrief für unsere Planung… Anker auf!

Da hinten liegt unser letztes Ziel in Panama!

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