Cartagena (1) – Willkommen im Club Nautico

Kolumbien, 9. – 15. August 2021

Normalerweise haben wir ja kein Problem damit, unsere Samai selbst sicher zur Ruhe zu bringen. Sei es vor Anker (trivial), mit Landleinen (eingeübt) oder in den verschiedensten Hafenvariationen (mal so, mal so). Das ist im Grunde auch keiner besonderen Erwähnung wert. Hier in Cartagena stellt sich das jedoch etwas anders dar. Ein kurzer Spaziergang mit dem sehr netten Hafenmanager John zeigt mir unseren Liegeplatz der nächsten Tage (bzw. Wochen). Ich solle mit dem Bug zum Steg kommen. Das sei bei der vorherrschenden Windrichtung der immer mal wieder zu erwartenden „Hühnerflügeln“ (bzw. „-hintern“ mit ihren locker über 40kn Wind) sicherer.

Und am Heck? Bei den anderen Booten gehen da schlicht Leinen ins Wasser. Ja, das machen sie hier so. Ich solle zwei längere Leinen am Heck vorbereiten, um diese beim Anlegen dem auf uns wartenden Taucher zu geben. So soll es sein.

Die Leinen sind vorbereitet. Unsere zwei dicken Lieblingsfender Charly & Charleen schützen die in der Lücke windabgewandte Lee-Seite. Die zwei Boote, zwischen die wir uns legen, verzichten ihrerseits auf solche Abstandshalter. Wir holen den Anker hoch. Über UKW-Kanal 69 wird bestätigt, dass man auf uns warte. Los geht’s!

Letztlich ist das ganze Manöver zwar ungewohnt, aber entspannt. Wir fahren in die knapp bemessene Lücke und lehnen uns wie geplant an den windabgewandten Nachbarn. La Skipper und Samuel sichern die Flanken, haben dabei aber wenig zu tun. Maila wirft am Bug unsere kurzen Leinen über. Am Heck lächelt mir aus dem Wasser ein Gesicht mit Schnorchelmaske zu. Der Motor ist zwar schon im Leerlauf, doch jetzt mache ich ihn lieber mal ganz aus. Ich werfe ihm die erste lange Leine zu, mit der er im trüben Wasser verschwindet. Da unten knotet er sie irgendwo fest und wir holen sie dicht. Das gleiche Spiel mit der zweiten Leine. Dann müssen wir unser Ruder nur noch an der Leine des Nachbarbootes vorbeibringen. Fender ausrichten. Fertig. Kurzer Blick auf die Uhr. It’s five o’clock somewhere. Prost.

Ja bitte!
Nein danke!!!

Uns gegenüber werden sie als „Chicken Wings“ vorgestellt. In der wörtlichen Übersetzung geht es aber wohl eher um das weiter hinten gelegene Ende des Geflügels. Dieses lokale Wetterphänomen geht hier zu der nun nach kurzer Pause wieder verstärkt einsetzenden Regenzeit regelmäßig durch. Nach nur wenigen Tagen im Hafen wissen wir, was das bedeutet. Von (für uns) vorne links kommt eine dunkle Front, weht mit 6 oder mehr Beaufort durch, regnet sich ab und nicht viel später blinken Sonne und Wölkchen, als ob nie etwas gewesen wäre. Wir liegen hier zwar schaukelig, aber sicher. Zumindest deutlich entspannter, als dicht gedrängt vor Anker. Das beruhigt gerade auch im Hinblick auf unsere geplante kleine Rundreise.

Ansonsten erledigen wir in den ersten Tagen die wichtigsten Einkäufe. Nicht nur die ersehnte Abwechslung auf dem Speiseplan, auch sonst bekommen wir hier eigentlich alles von der im Laufe der letzten Wochen gewachsenen Liste. Der Skipper gönnt sich als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk sogar ein neues Handy (Vielen Dank nach Kladow!!!). Wohlgemerkt geht es hier um die „nicht-auf-das-Boot-bezogene“ Liste. Letztere könnte sich erneut als problematisch erweisen, da in diesem Zusammenhang immer wieder das Wort „Import“ fällt. Wir Segler sind in Europa (sowie natürlich auch in Nordamerika) echt verwöhnt. Mal schnell in einen gut sortierten Bootsausrüster geschlendert? Vergiss es… hier nicht!

Es kann losgehen…
Kaktus im Gemüsefach…
Dahingerafft?! ;-)

Nach einer Woche in Cartagena sind wir immer noch nicht komplett eingereist. Der temporäre Bootsimport ist schon durch, aber das wieder einmal fällige Cruising Permit fehlt noch. Nur gut, dass sich darum der Agent kümmert, bzw. kümmern muss. Wir nutzen die Zeit neben den Einkäufen für die Aktualisierung des Blogs, einer Beschäftigungstherapie für die Hafen-Wäscherei, Reinigung des Bootes, Aufräumen des Werkraums (aka „Weinkammer“ ;-) und natürlich auch Sightseeing. Doch davon ein anderes Mal mehr…

Welches Kabel gehört hier jetzt zusammen?!?
Da kommen wir später nochmal hin!