Blitzschlag (4a) – Erster Einbau mit Hindernissen

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Cartagena, 16./17. September 2021

Schon vor unserer Rundreise haben wir die gem. sachverständiger Meinung vom Blitz in Mitleidenschaft gezogene Elektronik neu bestellt. Lediglich für die Kurzwelle steht noch eine Info aus Deutschland aus. Der uns empfohlene US-Anbieter Defender Marine hat abgesehen von der blauen Victron-Box alles vorrätig. Bei den gegebenenfalls anfallenden Einfuhrformalitäten hat uns John vom Club Nautico seine Hilfe zugesagt. So gehen wir beruhigt auf Rundreise. Uns was soll ich sagen, nur zwei Tage nach unserer Rückkehr ist fast die komplette Bestellung an Bord. Lediglich die unhandliche UKW-Antenne hängt noch irgendwo fest.

Nun geht es also an den Einbau. Da bleiben mit nicht allzu viele Optionen, denn mal ehrlich… wo sollte ich hier in Kolumbien einen einschlägigen Experten finden? Doch selbst wenn, mache ich das lieber selbst. Ist wohl so ein Skipper-Ding. Inzwischen bin ich so weit, die Kabel und Stecker an Bord gerne persönlich zu kennen. Auch die Dokumentation ist dann sauber aktualisiert. Also an die Arbeit. Dabei werkel ich natürlich nicht von früh bis spät. Vormittags stehen meist andere Punkte auf der Liste (schlafen, Kaffee, Schule mit den Kindern, Blog, Einkaufen, Arztbesuch etc.)

Das sieht nach Arbeit aus!

1. Akt

Zunächst schaue ich mir mal genauer an, was sich so in den Paketen findet. Tatsächlich ist alles dabei. Tatsächlich sogar einige mutmaßlich nicht benötigte Sachen, aber oft ist es günstiger, ein Komplettset zu bestellen als nur einzelne Geräte. Falls also jemand eine externe AIS-Antenne für Selbstabholer braucht…

Am ersten Nachmittag fange ich mal entspannt an. Der neue 12‘‘-Plotter in der Naviecke passt und ist schnell angeschraubt. Erstes Einrichten, kurzer Test, die Diagnose zeigt NEMA Bus „on“. Fängt gut an. Es folgen Antennensplitter (teilt eine UKW-Antenne auf die zwei Nutzer Funkgerät und AIS) und AIS (dieses Automatische IdentifikationsSystem…). Ein Stecker hakt etwas, lässt sich aber doch noch überreden. Die Lämpchen leuchten und zeigen Empfang von Daten an. Auf dem Plotter sehe ich davon jedoch nichts. Hmmm… in Panamá City sahen wir auch ohne UKW-Antenne einige Signale. Deutet sich da ein Problem an?

Kein echtes Problem aber doch ungeplanter Mehraufwand zeigt sich bei näherer Begutachtung weiterer Geräte. Diverse Einbaumaße haben sich verändert, so dass sie alten Aussparungen nicht mehr passen. Betroffen sind das Funkgerät, die kleinen Triton-Anzeigen und die kleine Autopilotsteuerung. Wenigstens handelt es sich „nur“ um Vergrößerungen… im Holz der Naviecke sowie dem GFK im Cockpit. Aber nicht mehr heute.

2. Akt

Am Mittag ist es ruhig, so dass ich mich mit dem neuen Windmesser auf den Weg in die Mastspitze mache. Eigentlich sollte ich den einfach auf die alte Halterung klicken können. Zur Sicherheit nehme ich trotzdem die neue Halterung und einen Kreuzschlitzschraubenzieher mit. Oben angekommen folgt Ernüchterung. Ja, die alte Halterung scheint zu passen. Aber das Kabel?!? Aktuell geht ein Kabel aus dem Mast in die alte Halterung, aus der wiederum ein generischer Stecker kommt. Das neue Gerät hat einen Standard-NMEA-Stecker. Das passt nicht. Ich sehe zwei Optionen. Entweder habe ich Glück und da ist ein NMEA-Stecker oben in der Mastspitze versteckt. Dann muss ich das Kabel nur etwas rausziehen. Alternativ muss ich ein neues Kabel durch den Mast ziehen. Zum Glück findet sich so eines in der Lieferung! Egal, in jedem Fall muss ich am Mastfuß erst für gängige Kabel sorgen. Dann tausche ich wenigstens schon mal die Halterung. Ach nee, die alte hat Inbusschrauben…

Ok, machen wir heute also den großen „Löcher-in-GFK-Tag“. Die alten Geräte sind von hinten befestigt. Dabei ist die von innen eigentlich schlecht erreichbare Autopilotsteuerung neben dem Steuerrad an Steuerbord noch das kleinere Problem. Für die zwei Triton-Plotter muss ich zum gefühlt zehnten Mal die Decke im Bad runter nehmen. Irgendwann sind die neuen Einbaumaße aufgezeichnet. Ausgerüstet mit Atemschutz, Staubsauger, kleiner Flex, Stichsäge und gehörigem Herzklopfen geht es ans Werk. Dabei bin ich jedoch zu vorsichtig. Die neuen Löcher sind immer noch zu klein. Sachte taste ich mich voran. Irgendwann passen die Geräte hinein. Jetzt nur noch schnell anschließen.

Die alten Triton-Anzeigen haben jeweils zwei Anschlüsse, so dass man das Kabel „durchschleifen“ kann. Damit braucht man für beide Geräte nur eine lange Verbindung zum etwas weiter entfernten NMEA-Bus. Die neuen Triton-Anzeigen haben jeweils einen Anschluss. Muss ich weiter schreiben? Na wenigstens finden sich in der Lieferung reichlich NMEA-Zeug. Damit kann ich faktisch einen zweiten Bus aufbauen.

Muss ich das vielleicht auch? Nach dem Anschluss zeigen zwar immer mehr Geräte in der Diagnose „Bus on“. Andere Geräte werden dagegen nicht gefunden. Gewonnen ist also im Grunde noch nicht viel. Alles ist weiterhin im Stand-alone-Modus. Aber das schaue ich mir morgen an…

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4 Kommentare zu „Blitzschlag (4a) – Erster Einbau mit Hindernissen“

  1. Was nicht zusammenpassende Stecker, Schraubenschlüssel und Inbusschrauben usw betrifft: Man muss sich immer tröstend vor Augen halten, daß das Allerbeste an der weltweiten Standarisierung die Tatsache ist, daß es so viele verschiedenen Standards zum Aussuchen gibt! ;-)

    Und Sicherungen: Die werden normalerweise durch die Elektronik geschützt, die ja schneller durchbrennt als jede Sicherung…

    Witzeleien mal beiseite: Wenn ich dir irgendwie aus der Ferne helfen kann, was elektronische Probleme anbetrifft, mache ich das gerne. E-mail genügt. Ich habe schon so manches blitzgeschädigte Gerät reparieren müssen. Dank eurer Versicherung wird ja alles Kaputte ausgewechselt, und das ist wirklich besser als Reparatur, da Blitze manchmal Schäden hinterlassen, die erst später zu Ausfällen führen… Aber wenn du trotzdem Hilfe brauchst bei elektrischen/elektronischen Angelegenheiten, zum Beispiel um aus Messergebnissen klug zu werden, kann ich dir vielleicht beistehen. Meine Kompetenzen sind gut bei Funkgeräten, Wechselrichtern, Sensoren, Energietechnik und manchen anderen Sachen, bei modernen Navigationsgeräten dagegen bin ich nicht ganz auf dem aktuellen Stand. Das letzte Radargerät, das ich repariert habe, hatte noch einen einfarbigen Röhrenbildschirm… NMEA kenne ich aber doch schon!

    Direkter Blitzeinschlag ist schon was Böses. Ich habe danach komplett verbrannte Geräte vorgefunden: Von den Platinen ist nur noch das Glasgewebe teilweise da, das Harz weg, die Kupferbahnen verdampft, usw. Ganz zu schweigen von den Bauteilen drauf. Von denen sind manchmal noch die Anschlussdrähtchen übrig, sonst nichts. Und alles dick mit Ruß bedeckt. Und wenn der Blitz nicht direkt durch ein Gerät geht, kann er immer noch Überspannungen von tausenden Volt erzeugen, einfach durch Induktion in den Verbindungskabeln. Und das veträgt Elektronik halt schlecht.

    Weitgehender Schutz gegen Blitzschaden ist möglich, aber nicht einfach zu machen. Bei der Samai ist das GFK-Deck ein Nachteil. Wenn das auch aus Aluminium wäre, dann wäre das ganze Boot ein Faradayscher Käfig, und man bräuchte theoretisch nur die paar Kabel, die den durchbrechen, zu schützen. Aber mit GFK-Deck ist halt die gesamte Verkabelung im Boot voll exponiert, und induziert bei Blitzeinschlag enorme Spannungen. Je länger ein Kabel ist, desto höher ist die induzierte Spannung. Das Ergebnis habt ihr ja erleben müssen.

    Mit Varistoren, TVS-Dioden und Gasentladungspatronen kann man aber eine ganze Menge an Blitzfestigkeit erreichen. So was grenzt den Schaden zumindest ein. Das könnt ihr machen, vor der nächsten Weltreise!

    1. Hallo Manfred,
      erst einmal vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und das Hilfsangebot. Inzwischen bin ich mit dem Einbau der bisher eingetroffenen Geräte soweit fertig. Aber falls später noch Fragen auftreten, komme ich gerne auf Dich zurück.
      Insgesamt hatten wir wohl noch Glück. Soooo heftig war der Blitz scheinbar nicht… auch wenn es mir „live-im-Cockpit“ vollkommen ausgereicht hat. Das mit einer weitergehenden Blitzfestigkeit geht mir nach diesem Erlebnis natürlich im Kopf rum, ist aber wirklich erst etwas für die Zukunft. Mal schauen… vielleicht werfen wir irgendwann in ein paar Jahren ja tatsächlich nochmal die Leinen los?!?!??? ;-)
      Liebe Grüße,
      Micha

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