Kolumbianische Mundart

Zugegebenermaßen ist es vielleicht etwas vermessen, als Mensch mit derart wenig fundierten Spanischkenntnissen, wie es die meinen sind, hier ein Elaborat über kolumbianische Spezifika der Umgangssprache zu veröffentlichen. Ich mache es trotzdem. Wohlgemerkt soll es sich nicht um einen sprachwissenschaftlich anspruchsvollen Diskurs, sondern lediglich einige Redewendungen handeln, die uns hier in Kolumbien besonders ins Ohr gegangen sind. Das ein oder andere Mal haben wir diese Worte auch schon in anderen Ländern Lateinamerikas gehört, aber eben nicht so präsent, ja fast schon penetrant wie hier.

Listo

Das ist mein absolutes Lieblingswort. Irgendwie passt es fast immer und genau so wird es hier auch verwendet. In der wörtlichen Übersetzung von Google Translate heißt es schlicht „bereit“. Hier hören wir es bei abgeschlossenen Erledigungen jeder Art im Sinne von „fertig“. Manchmal kommt es auch als Aufforderung im Sinne eines „los geht’s“. Und als uns der Guide einer Höhlentour uns (sicherheitsrelevante?!) unverstanden bleibende Erläuterungen gibt, hören wir nach jedem zweiten Satz ein Bestätigung erheischendes „listo“. Wie gesagt, passt es gefühlt fast immer, wird dementsprechend oft gesagt und ist in kolumbianischer Mundart mein Lieblingswort.

A la orden

Wörtlich übersetzt heißt es „zur Bestellung“. Unsere Ohren erreichen diese Wort insbesondere dann, wenn wir an Souvernierläden oder auch anderen ihr Angebot preisenden Kolumbianern vorbeikommen. Am nächsten kommt dem wohl ein freundliches „Was darfs sein?!“. Meist ist es von detaillierten, typisch kolumbianisch in ohrenbetäubender Geschwindigkeit vorgebrachten Informationen begleitet. Die halbe Speisekarte des Restaurants, die Obstauswahl des fliegenden Händlers, Eissorten, Getränke, Andenken und vieles mehr. Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Eines ist allen gemein… die einleitenden Worte „a la orden“.

Con gusto

Was ist eine typisch deutsche Antwort auf ein „Danke“? Meist ein schlichtes „Bitte“… oder auch „Geht klar“, „Basst scho“, „OK“ oder auch wortloses Nicken. Nur sehr selten hört man „mit Vergnügen“. Genau das ist hier jedoch die Standardantwort. Nach einer Bestellung, kleinsten Dienstleistungen und jedem „gracias“ sowieso, hören wir hier ein freundliches „con gusto“. Sicher ist das oft auch nur – wie leider so viele Worte im zwischenmenschlichen Umgang – eine Floskel. Aber wenn schon dahergesagt, dann doch bitte gerne so nett.

Tranquillo

Ruhe ist wichtig. Wer wenn nicht wir hat das gelernt… vier Monate „Bootsgefängnis“ in Valdivia haben uns eingebläut: „siempre tranquillo“. In Kolumbien wird es jedoch etwas anders verwendet. Wenn man sich aus welchem Grund auch immer entschuldigt, sei es nun für einen versehentlichen Stupser, langsame Bezahlung, eine komische Situation oder was auch immer, ist die Antwort meist ein breit lächelnd erwidertes „tranquillo“. Im Süden Deutschlands wäre das wohl der Allrounder „basst scho“, im Norden ein freundliches Knurren und in Berlin gleichgültige Ignoranz. Hier dagegen einigt man sich auf ein allseits entspanntes „immer mit der Ruhe“.

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