Mit dem Boot in Horta

Anfang Juni 2022

In Seglerkreisen hat der Name Horta einen besonderen Klang. Es ist DER Hafen der Azoren. Es soll sogar Skipper geben, die ihr Segelboot in keinen anderen Hafen des Archipels lenken. Da stellt sich die Frage, woher das kommt?! Zunächst einmal ist es ein recht großer Hafen mit den für Segelboote besten Ausrüstungs- und Reparaturmöglichkeiten der Azoren. Und die werden hier mitten im Atlantik wohl auch dringend gebraucht. So hatte beispielsweise die befreundete SY Sissi auf ihrer Fahrt über den Atlantik Probleme mit dem Achterstag. Wohin kann man das gut nachbestellen? Richtig… nach Horta. Der Ersatz kommt trotz der Feiertage schnell an und beim Befestigen hilft Samuel gerne aus.

Das die maritimen Shoppingmöglichkeiten vor Ort angeht, darf man sich nämlich trotz des guten Rufs keiner Illusionen hingeben. Es gibt zwei eher überschaubare Geschäfte mit dem Grundbedarf. Kein Vergleich mit AWN oder Budget Marine. Trotzdem sehr nützlich, um ein neues Ersatz-Toilettenventil zu erstehen. Man kann ja nie wissen.

Eine Besonderheit in Horta ist der bunt bemalte Pier. Es hat sich zu einer Tradition entwickelt, dass viele Segler sich hier mit einem kleinen Bildchen verewigen. Auf den Hauptwegen sind die gut sichtbar, aber auch schnell abgelaufen… dann malt halt die nächste Crew. In geschützteren Ecken findet man aber auch Bilder von beträchtlichem Alter. Wie auch immer. Wir kennen sowohl unsere künstlerischen Fähigkeiten als auch den nicht vorhandenen Farbenvorrat und schließen uns dieser Tradition nicht an.

Eine weitere Insitution in Hora ist das 1918 eröffnete Peter Café Sport. Decke und Wände sind geschmückt mit Bootswimpeln aus aller Welt, wobei der Platz bei weitem nicht für alle ausreicht. Es ist seit vielen Jahren DIE Seglerkneipe schlechthin. So ihr Ruf.

Dieses Rufs ist sich der Eigentümer ausgesprochen bewusst. Wer mag es ihm verdenken, daraus Umsatz schlagen zu wollen. Die gegenüber halb auf den Gehweg gebaute Außenterrasse ist nicht nur leidlich ansehnlich, sondern bietet darüber hinaus 10% Preisaufschlag wegen… ja weswegen eigentlich? Wohl eine Mischung aus Ausblick, passierenden Autos und dem längeren Weg der Kellner.

Doch damit nicht genug. Im Obergeschoss zeigt das 1986 eingerichtete Peter’s Scrimshaw Museum lokales Kunsthandwerk. Letztlich sind es mit Schnitzereien und Gravuren versehene Knochen von bis 1983 auf den Azoren noch bejagten Walen. Rechts nebenan werden Ausflüge (z.B. Walbeobachtung, Schnorcheln…) angeboten. Links nebenan bietet ein Shop mehr oder weniger verzichtbare Souvenirs zu selbstbewussten Preisen. Uns ist das alles ehrlich gesagt etwas zu viel des Guten.

Die Marina selbst ist soweit ok. Der Sanitärbereich mit Duschen (1,55€) und Wäschereiservice ist von unserem Liegeplatz einen mittleren Spaziergang entfernt. Mit einem langen Schlauch erreichen auch äußere Päckchenlieger einen Wasseranschluss. Die Anzahl Steckdosen passt dagegen nicht so recht zur Nachfrage. Nun gut, unser Landstrom funktioniert nach dem Blitzschlag ja immer noch nicht und unsere normale Verteilersteckdose können wir über die benachbarte Sissi freundlicherweise anschließen.

Wir erleben jedoch auch die Nachteile der hier üblichen 3er-Päckchen, also von drei an einer groben Steinmauer nebeneinander liegenden Segelbooten. Eine Zeitlang haben wir recht kräftigen nordöstlichen Wind, der in dem großen Hafenbecken für eine unangenehme Welle und natürlich ordentlich Druck auf die innersten Boote sorgt. Hinter uns arbeiten sich die Fender raus und der dunkelblaue Lack des inneren Aluminiumschiffes bekommt unansehnliche Kratzer. Auch unseren Innenlieger erwischt es. Seine obere Reling bricht ob der Belastung durch die daran befestigten Fender. Letztere gehen komplett verloren und das arme Boot liegt mit der Sissi und der Samai außen dran direkt an der Mauer. Der Hafenmeister hilft mit schnell organisierten Fendern aus. Der Schaden ist da schon eingetreten.

Da mag man vermuten, dass das Boot bei starkem Wind vor Anker sicherer liegt. Doch auch das kann ein Trugschluss sein. Die Sissi berichtet, dass bei dem Starkwind kurz vor unserer Ankunft so in etwa jedes 7. Boot auf Wanderschaft im ohnehin eng belegten Hafenbecken ging. Weder Spiel noch Schokolade, dafür Spannung und zumindest für Zuschauer auch ein Hauch von Spaß…?

Uns zieht es nach eineinhalb Wochen weiter. Einen bezahlbaren Mietwagen haben wir nicht bekommen. Die begehbare Umgebung haben wir in den seltenen Momenten besseren Wetters erkundet. Die Vorräte sind aufgefüllt. Weiter geht es nach Terceira…

5 Kommentare zu „Mit dem Boot in Horta“

  1. Hoffe für euch, dass es auf Terceira mit einem Mietauto klappt. Uns wurde 2004 auf unserem Weg zurück aus der Karibik die Insel von einem Bewohner gezeigt und es war soooo schön!
    Danke übrigens noch für euren Blog ;-) Ist einfach nett ein bisschen mitzusegeln, wenn man wieder in D. sitzt.

    1. Vielen Dank für den lieben Kommentar. Mit dem „Mietwagen“ haben wir hier auf Terceira wirklich Glück. Auf Empfehlung unseres Stegnachbars haben wir von privat einen altem Kleinwagen für 30€ am Tag bekommen. Abgabe, wenn wir ihn nicht mehr brauchen. Machen uns gerade auf den Weg nach Angra.
      Liebe Grüße aus Praia/Terceira,
      Micha

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