Île Saint-Joseph (oder Papillon zum Dritten)

11. Mai 2022

Am Morgen fahren wir den kurzen Hüpfer durch die unruhige Meerenge zwischen den Inseln rüber zur Île Saint-Joseph. Hier gibt es keinen Pier, kein Restaurant, keine herausgeputzten Häuser und erklärende Hinweisschilder. Nur eine ins Wasser führende Treppe, ein kleiner Stützpunkt der Fremdenlegion, ein Rundweg um die Insel, ein Friedhof an der Küste und Ruinen im Dschungel. Das klingt spannend.

Weniger spannend war es sicher für die hierher verbrachten Gefangenen. Île Saint-Joseph war für die harten Fälle gedacht. Auch Papillon wurde hier jahrelang(!) in Dunkelhaft gehalten und verbrachte dabei nach eigenem Bekunden die schlimmste Zeit seines Lebens. Doch den eigentlichen Gefängnisbereich sparen wir uns für den Schluss auf. Wir beginnen mit dem Rundweg an der Küste.

Stützpunkt der Fremdenlegion
Badestelle

Vorbei am Haus der Fremdenlegion geht es durch den Wald. Sehr idyllisch. Zumindest solange man sich (vorschriftsgemäß) auf den Wegen hält. Schon direkt daneben würde man unweigerlich in große Spinnennetze laufen. Die kleinen Agutis stört das weniger. Sie sind zwar nicht so zahm wie oft beschrieben, lassen sich aber trotzdem gut beobachten.

Agutis sind echt süß!

Faszinierend sind auch die Palmen. Ganz offensichtlich wachsen sie hier fast schon wie Unkraut. Die Küste ist dicht an dicht von ihnen in Beschlag genommen. Überall unter ihnen liegen Kokosnüsse herum, aus denen es schon wieder grün sprießt. Trotzdem lässt Maila es sich nicht nehmen, eine etwas unglücklich positionierte Nuss an einen besseren Ort zu verbringen.

Im Norden der Insel stoßen wir auf einen Friedhof. Wie üblich wurden hier nur Wärter und deren Angehörige begraben. Tote Gefangene wurden schlicht ins Meer geworfen. Sicher auch ein Grund für die damalige, jeden Fluchtversuch deutlich erschwerende Dichte an Haien.

Nach einem Blick auf die kleinere Teufelsinsel führt ein massiver Weg den kleinen, zentralen Hügel hinauf. Doch bei den tropischen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit gerät selbst dieser leichte Anstieg schweißtreibend. Wie mag es erst den arbeitenden Gefangenen bei dem Bau ergangen sein?

links Île Royale – rechts Île du Diable

Oben angekommen betreten wir das Camp de la Réclusion. Fast schon ein Wortspiel, da Réclusion einerseits Abgeschiedenheit, im juristischen Sinne jedoch eine (langjährige bis lebenslange) Freiheitsstrafe meint. Vor gut 70 Jahren war das alles ein gerodeter Bereich mit drohenden Mauern, hinter denen viel Leid herrschte. Heute ist die Natur dabei, sich alles zurück zu erobern. Wir sparen uns hier jetzt (viele) weitere Worte und lassen lieber (viele) Bilder sprechen…

Bemerkenswert ist die Allgegenwart von Spinnen. Viele Zellen haben sie mit Netzen versperrt, unter Durchgängen zieht selbst Maila den Kopf ein und auch so mancher Weg ist jedem versperrt, der nicht in teils filmreife Netzkonstruktionen rennen möchte…

Nach diesen Eindrücken kehren wir dem dunklen Kapitel der französischen Gefängniskolonie auf südamerikanischen Boden den Rücken zu. Sicherlich waren das wahrlich nicht alles nette, unschuldige Menschen, die hier eine oft zurecht verhängte Strafe verbüßten. Trotzdem ist die unmenschliche Umsetzung ausgesprochen fragwürdig und war sicher auch nur deswegen solange durchführbar, weil es weit weg aus den Augen und dem Sinn war. Als die Zustände 1923 öffentlich gemacht wurden, regte sich erfreulich schnell Kritik, die weniger erfreulich langsam zu einer Schließung der Gefängniskolonie führten. So ist es besser!

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