Île Royale (oder Papillon zum Zweiten)

10. Mai 2022

Am Geburtstag von La Skipper steht ein Inselrundgang auf dem Programm. Dabei wollen wir zuerst das kleine Museum im ehemaligen Haus des Direktors besuchen. Doch von einem spontanen, dafür sehr kräftigen Regenschauer durchnässt, müssen wir leider feststellen, dass das Haus gerade restauriert wird und das Museum geschlossen ist. Kurzerhand schlendern wir zur Nordküste und genießen den Blick zur Teufelsinsel gegenüber. Die Brandung donnert gegen die Küste. Kein Wunder, dass zu Gefängniszeiten eine Seilbahn für den Transport von Vorräten, aber auch Menschen eingerichtet wurde. Heute stehen davon nur noch Ruinen. Etwas weiter stehen die ebenfalls recht „ruinösen“ Überreste einer alten Fleischerei. Die Abfälle hatten direkten Zugang zum Meer.

Nicht weit entfernt ist die Badestelle der Gefangenen. Als sich die Zustände schon etwas gebessert hatten, durften die Häftlinge in diesem geschützten Becken regelmäßig baden und sich vor allem waschen.

Im Hintergrund die geschützte Badestelle

Weiter geht es den zentralen Hügel hinauf zum eigentlichen Camp. Unterwegs beobachtet uns ein neugieriger Affe. Unsere Mützen und Handys halten wir da vorsichtshalber besonders gut fest.

Die alte Kaserne beherbergt heute das touristische Zentrum der Insel. Es gibt ein Restaurant, einige Zimmer zur Übernachtung und natürlich einen Souvenirshop, dessen Sortiment uns allerdings wenig begeistert. Rundherum stolzieren Pfauen.

… und ein kleiner Weißnackenkolibri :-)

Vorbei am aus dem alten Steinbruch gebildeten Wasserreservoir erreichen wir die Häuser, in denen das verheiratete Wachpersonal mit ihrer ganzen Familie wohnten.

Weniger gemütlich war es im direkt daneben gelegenen „Disziplinarbereich“ für sogenannte schwierige Häftlinge. Diese verbrachten in den winzigen Einzelzellen hier nicht selten die letzten Monate ihres Lebens entweder in Dunkelheit (les cellules noires) oder Offenhaft (les cellules claires), also dem tropischen Wetter schutzlos ausgeliefert.

Willkommen zur Einzelhaft in Dunkelheit
Die Offenzellen holt sich die Natur schon zurück

Einen weiteren Beitrag zur Senkung der Überlebensquote leisten Todestrakt und die für entsprechende Anlässe aufgebaute Guillotine. Trotzdem galten die Inseln noch als das am wenigsten harte Gefängnis in Französisch-Guyana. Gerade in den Dschungel-Einrichtungen des Festlandes war die Sterblichkeitsrate noch höher.

Stützen für die Guillotine

Auf der anderen Seite besuchen wir die kleine Kirche, die auch für Häftlinge sonntäglicher Pflichtbesuch war. Hier wird einem der Gegensatz zwischen unmenschlicher Behandlung und christlich gepredigter Nächstenliebe besonders bewusst.

Zumindest gab es ein Krankenhaus. Seine Reste ragen drei Stockwerke empor und werden nur vom benachbarten Leuchtturm übertroffen. Auf dem Sockel von 1934 thront inzwischen ein moderner Aufbau.

Den Abschluss unseres Rundgang bildet das 1895 aufgrund neuer Haft- und Überwachungsvorschriften gebaute „Camp de la Transportation“. In jedem der zwei gegenüberliegenden Haupthäuser waren bis zu 200 Häftlinge untergebracht. Darunter befand sich zeitweise auch Papillon.

Gestärkt von einem hausgemachten Eis machen wir uns so langsam auf den Rückweg. Vorbei an einem kleinen Friedhof spazieren wir über den Inselwesten zurück zum Pier. Dort geht Samuel mal wieder auf Vogelpirsch, entdeckt dabei auch Reptilien und in der Brandung schwimmen mutige Meeresschildkröten.

Steinwälzer

Zum Abschluss gehen wir noch um das Ostende der Insel. Vorbei an der Ruine einer alten Werkstatt erreichen wir einen Aussichtspunkt. Damit endet unser Spaziergang auf der Île Royale ebenso wie er begann… mit dem Blick auf die benachbarte Teufelsinsel.

Happy Birthday La Skipper!

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