Camping-Tour (1) – Durchwachsener Auftakt

4. März 2021

Am Vorabend zeigt uns Rom an einer Karte die geplante Strecke für unseren kleinen Camping-Ausflug. Zunächst glaube ich, dass er scherzt. Immer länger fährt sein Finger die Flüsse entlang bis zur peruanischen Grenze. Das alles wollen wir fahren? Hmmm… scheint ja eine längere Bootstour zu werden. Diese Ahnung soll sich noch bitter bestätigen.

Mit nur einer Stunde Verspätung geht es um 10:30 Uhr los. Im großen Motorkanu sind neben unserer Familie noch Führer Rom, Fahrer Nestor, Koch Fredy sowie Marisol mit einem eher unscheinbaren Mitarbeiter von der Lodge. Vier Gäste mit fünf Begleitern. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass so eine Tour nun schon seit gut einem Jahr nicht mehr unternommen wurde und man sich ein Bild vom Zustand der Örtlichkeiten machen möchte. So recht wissen wir nicht, was von dieser Information zu halten ist.

Der Vormittag ist echt toll. Wir kurven durch den sich eng windenden Río Cuyabeno und können uns kaum satt sehen. Immer wieder ruft jemand (ok meist ist es natürlich Rom, gefolgt von unserem Adlerauge Maila) eine Entdeckung. Gegebenenfalls nehmen wir uns die Zeit, sie ausgiebig zu erkunden. So auch die Flor de Mayo, eine besonders schöne der im Regenwald letztlich doch eher seltenen Blüten.

Flor de Mayo

Oft sehen und hören wir Vögel. Die schon bekannten, blubbernden „Cooking Birds“, aber auch Capped Heron (Kappenreiher), Cocoi Heron (größter Reiher im Regenwald), Great Egret (Silberreiher), verschiedene Kingfisher (Eisvogel), Eagle, natürlich auch Parrots und noch so einiges mehr. Papageien erkennen wir schon bald selbst sehr sicher, wenn sie mit ihrem typischen Krächzen fast immer paarweise über die Baumwipfel fliegen.

Schmetterlinge jeder Größe flattern oder gleiten umher. An einer Stelle sitzt gleich eine ganze Gruppe bunt gemischter Schmetterlinge auf dem Boden um die dort verfügbaren Mineralien zu „lecken“.

Immer wieder sehen wir auch Affen, die uns neugierig aus den Bäumen beobachten.

Die meist kleinen Schildkröten sind dagegen sehr schreckhaft. Aus der Entfernung sieht man sie noch beim Sonnenbad auf den Ästen sitzen. Bei Annäherung machen sie dann recht schnell „Platsch“ und sind im Wasser verschwunden.

Bald schon halten wir für die Mittagspause und erleben eine weitere kleine Überraschung. Wir hatten mit einem kleinen Snack gerechnet. Stattdessen bekommt jeder ein morgens frisch zubereitetes, noch etwas warmes Reisgericht mit Beilagen. Keine Ausnahme. So fürstlich werden wir jeden Mittag bewirtet. Was für ein Luxus. So essen wir am Fuß eines großen Kapokbaumes und genießen die Umgebung. Rom zeigt uns, in welcher Pflanze sich Wasser findet, Maila bewundert stachelige Äste und Samuel sammelt runtergefallene Aufsitzerpflanzen.

Am Fuße eines Kapokbaums
Kräftig drücken… und Prost!

Kurz danach stoppen wir bei einem für den Rückweg angedachten Übernachtungsplatz. Er sieht ziemlich verwildert aus. Das Gras reicht teilweise bis zu den Knien und bietet ideale Verstecke für Schlangen und Spinnen. Marisol ist wenig begeistert und möchte mit der örtlichen Community vereinbaren, dass sie den Platz etwas herrichten. Mal schauen, ob das klappt. Während sie sich noch umschaut, pflückt Rom eine unscheinbare Frucht, bricht sie auf und beginnt darin herumzurühren. Ein natürlicher Tuschekasten. Wer will? Der Skipper meldet sich freiwillig und wird stilecht bemalt.

Nun biegen wir in den breiten Río Aguarico ein. Mit einem weiteren kurzen Stopp passieren wir den Ort Cuyabeno. Dabei handelt es sich um ein recht neues Dorf aus der Retorte. Im Gegenzug für die Erlaubnis auf ihrem Gebiet flußaufwärts nach Öl zu bohren, bekamen die indigenen Quichua Geld und neue Häuser. Ein guter Tausch?

Weiter geht es mit Vollgas flussabwärts. Der Fluss ist wirklich sehr, sehr breit, über weite Stellen jedoch auch sehr, sehr flach. Der Regen der letzten Tage hat das braue Wasser schaumig geschlagen. Hin und wieder erscheinen ein paar Hütten am Ufer oder andere Boote auf dem Wasser. Manchmal erspähen wir auch eine Gruppe Affen. Aber sonst gibt es nicht viel zu sehen und die stundenlange Fahrt zieht sich doch arg in die Länge. Gestern saßen wir noch sieben Stunden im Auto, heute mindestens ebenso lange im Motorkanu. Das ist irgendwann nur noch ermüdend, teils sogar langweilig und schließlich sogar nervig. Es geht vorbei an der als potentielle Übernachtung genannten Lagune Zancudo. Der Zustand des Camps ist zu ungewiss.

Río Aguarico… breit, flach und schaumig
Imposanter Kapokbaum

Die Sonne geht unter und im Dunkeln erreichen wir schließlich unser Tagesziel. Freundlich ausgedrückt sind es die Überreste einer Lodge. Unsere Betten sind vorbereitet. Wie jetzt, sollten wir nicht zelten? Heute nicht. Wäre ja nicht weiter schlimm, fänden wir uns nicht in so einer Ruine wieder. Kakerlaken wuseln umher, das Wasser geht nicht, La Skipper verzichtet sogar auf das Abendbrot und verzieht sich umgehend mit einem Tee und Kopfschmerzen ins Bett. So schön der Tag begonnen hat, so enttäuschend endet er.

Zwergbeutelratte im Nachbarzimmer

Später suchen wir noch das Gespräch. Wie geht es weiter? Wirklich nochmal gut eine Stunde zurück zur Lagune Zancudo, Kurzaufenthalt, dann wieder hier vorbei und weiter? Was für ein Umweg. Nein, das muss wirklich nicht sein. Lieber fahren wir von hier direkt weiter zu unserem nächsten Ziel an die peruanische Grenze, schlagen dort die Zelte auf und genießen den Tag und die Natur vor Ort. So soll es sein!

2 Kommentare zu „Camping-Tour (1) – Durchwachsener Auftakt“

  1. (Fast) alles Super-erlebnisse. Schön, dass wir das aus dem Sofasessel zuhause (ohne Spinnen, Kakerlaken usw.) – also, zu einem Teil, miterleben dürfen.

    1. Vielen Dank! Ja, der Regenwald war wirklich ein tolles Erlebnis. Und wenn man gut auf den Guide hört – „Achtung! Bücken!! Der Biss der großen Spinne auf dem Blatt über Dir tut echt weh!“ – weiß man nicht nur, dass er (in diesem Fall aus zweifacher!) Erfahrung spricht, sondern kommt auch allgemein ganz gut mit den Krabbeltieren klar. :-)

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