Von Strom im Wasser und Lichtern am Himmel

Pazifik, 9. April 2021

Ich haben an dieser Stelle schon das ein oder andere Mal über die immer mal wieder überraschenden Ergebnisse eines Abgleichs von Wetterbericht und Wettergeschehen berichtet. In den hohen (Süd-)Breiten haben wir für zwei unserer Hauptlieferanten eindeutige Tendenzen festgestellt. Wenn nicht, was schon mal vorkommt, beide komplett daneben lieben, sagt „Saildocs“ (mit amerikanischen GFS-Modell) eher zu wenig, „Wetterwelt“ (auf Basis des europäischen ECMWF-Modells) dafür eher zu viel Wind und Wetter an. So auch für unsere Passage nach Costa Rica. Wobei sie sich beim Wind noch ziemlich einig sind: zuerst wenig, aber segelbar später Flaute. Wetterwelt setzt aber noch einen drauf. Im Flautenbereich postulieren die kleinen Wetterbildchen „schwere Gewitter mit Graupel/Schnee/Hagel“. Direkt nördlich des Äquators. Nun gut ich sage mal, Gewitter an sich klingen in dieser Gegend durchaus plausibel…

Doch heute morgen dann Entwarnung. Laut aktuellen Informationen erwartet uns auf der Fahrt nur noch Regen, aber kein Gewitter mehr. Entspannt geht es in den Sonnenuntergang. Doch warum nur baut sich vor uns so eine bedrohlich-schwarze Wolkenwand auf? Tief durchatmen, außer Dunkelheit und etwas Nieselregel entpuppt sie sich tatsächlich als harmlos.

Hmmm… gibt das noch „Wetter“?!

Weniger schön ist das im Laufe der Nacht zu beobachtende „Wetterleuchten“. Eine schöne Umschreibung für „Blitze in den Wolken“. Direkt vor uns. Doch zum Glück nur sporadisch. Oder doch nicht? Gegen 5 Uhr morgens ist es nicht nur häufiger geworden und näher gekommen, ich sehe nun auch deutlich Blitze durch die Wolken zucken. Nicht gut. Zur Sicherheit ändern wir den Kurs um fast 90° auf West. Die richtige Entscheidung sie bringt uns vorbei an den Lichtern am Himmel.

Bei dieser Kursänderung bekommen wir dann auch die Bestätigung für eine andere Vermutung. Ach was, es ist sogar eine Vorhersage: Strom. Und natürlich ist damit keine Elektrizität, sondern schlicht bewegtes Wasser gemeint. Schon den ganzen Tag haben wir einen teils kräftigen Versatz nach Osten. Das bedeutet, dass wir hoch am Wind mit Kurs Nordwest 320° segeln (besser: schleichen ;-), eigentlich nach Nordnordwest 340° wollen, durch den Strom allerdings gerade mal Nord 360° schaffen. Ja, das klingt durchaus nach einem kräftigen Oststrom von links.

Nerd-Wissen: Wind ist bekanntermaßen nach der Richtung seiner Herkunft benannt. Westwind weht also AUS Westen (nach Osten). Beim Strom ist es genau anders herum. Hier bestimmt das Ziel den Namen. Oststrom setzt also (von Westen) NACH Osten.

Am Abend lässt dieser Effekt langsam nach. Eine gute Nachricht ist das trotzdem nicht. Zumindest mit Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige. Statt Seitenstrom haben wir nun offensichtlich Gegenstrom. Das zeigt auch ein erneuter Abgleich mit Wetterwelt… gute Seewetterberichte berücksichtigen auch den Strom! Für etwa zwei Tage dürfen wir nun mit etwa 1kn Gegenstrom rechnen. Uns beschleicht das Gefühl, in die falsche Richtung zu fahren. Aber eigentlich wollten wir hier ja auch gar nicht lang… Stichwort: Planänderung!

Was lernen wir nun daraus? Wetterberichte sind oft nichts anderes, als mal mehr, mal weniger gute Diskussionsgrundlagen. Doch wenn man das weiß und berücksichtigt, sind sie extrem nützlich und es ist schön, dass es sie gibt. Unser Dank gilt allen, die sich für uns darum kümmern.

2 Kommentare zu „Von Strom im Wasser und Lichtern am Himmel“

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