Bürokratie in Südamerika: Ecuador

Anfang 2021

Uns ist schon klar, dass wir gerade nicht in normalen Zeiten leben. Das betrifft natürlich nicht zuletzt die Einreise in fremde Länder. Da können sich die Vorschriften täglich ändern und so richtig offen und normal geht es gerade wohl in kaum einem Land zu. Auch in Ecuador durchlaufen wir offensichtlich nicht das übliche Prozedere, aber immerhin durften wir trotz offiziell geschlossener Seegrenzen dann wohl doch so halbwegs offiziell immigrieren. Das glauben wir zumindest.

Um die einzelnen Schritte der Ein- und Ausreise haben wir uns zugegebener Maßen gar nicht selbst gekümmert, sondern den Service vom Puerto Amistad (je 180$) in Anspruch genommen. Allerdings bleibt uns im Grunde gar keine realistische Wahl. Auch nicht bei der aufgrund der aktuellen Zeiten von den Behörden zusätzlich erhobenen Sondergebühr oder ist es die Notwendigkeit, eine bestimmte Agentur in Manta zu bemühen? oder ist es dann doch einfach nur die Schmiere, welche uns die Einreise überhaupt erst ermöglicht? So genau werden wir das wohl nie erfahren.

Der Prozess selbst gestaltet sich für uns denkbar einfach. Ich gebe Miguel von der Marina unser Schiffszertifikat, eine Crewliste und die letzten erhältlichen Reiseunterlagen. Also das inzwischen uralte argentinische Zarpe aus Ushuaia sowie ein chilenisches Schreiben aus Valdivia. Im Hintergrund geht dann alles seine verschlungenen Wege. Ich frage hin und wieder mal nach und bekomme stets die Information, dass alles gut laufe. Stempel im Pass? Nein, die würden wir weder brauchen noch bekommen das sei alles im System gespeichert.

Doch dann geben wir unsere Absicht bekannt, zu den Galapagos-Inseln zu fliegen. Es ist eigentlich nur ein Inlandsflug. Trotzdem beschleicht uns das ungute Gefühl, dass es da durchaus Rückfragen geben könnte, wenn wir mit Pässen ohne Einreisestempel auftauchen. Einen Tag vor Beginn unserer 1-monatigen Rundreise wird das wohl auch unserem Service klar. Spontan muss der Skipper persönlich in die nächstgrößere Stadt Manta, um die Pässe stempeln zu lassen. Perfektes Timing, habe heute ja sonst nichts zu tun. Vorab bekomme ich die vorzulegenden Papiere zur Unterschrift. Hmmm warum hat unser Boot einen anderen Namen und warum sind wir in der Crew-Liste plötzlich alle zu Holländern geworden? Könnte das etwas mit dem nur Tage vor uns eingetroffenen Boot aus dem deutschen Nachbarland zu tun haben? Aber das sei nicht weiter schlimm. Das mit dem Bootnamen werde bis zu meiner Ankunft bei der Immigration in Manta korrigiert und die Nationalität der Crew spiele ohnehin keine Rolle.

Im Büro der Immigration scheint unser Vorgang tatsächlich bekannt zu sein. Ich lege die Papiere vor, korrigiere mündlich nochmal die falschen Angaben und schon sucht die nette Dame den Schlüssel für einen kleinen Wandschrank raus. Darin liegen Stempel. Kurz danach sind wir offiziell eingereist.

Die Ausreise gestaltet sich technisch noch unkomplizierter für uns. Ich bestätige mündlich unseren geplanten Abreisetermin und den nächsten Hafen. Wenige Tage später muss ich ein paar Papiere unterschreiben, die von Miguel dann zum Hafenkapitän gebracht werden. Letzterer stellt uns auch unser internationales Zarpe nach Golfito/Costa Rica aus. Natürlich sind wir darin immer noch als Holländer geführt. Meine Frage, ob ich nochmal zur Immigration nach Manta muss, wird verneint. Früher, also in normalen Zeiten, wäre das wohl nötig gewesen. Jetzt nicht mehr. Ausreisestempel werden wir auch nicht bekommen, denn das sei alles im System gespeichert.

Jetzt mag der ein oder andere der Einklarierung nicht unkundige Segler sicher fragen, was denn nun mit Customs ist. Der Zoll ist neben Hafenkapitän und Immigration eigentlich immer die dritte notwendige Anlaufstelle. Ehrliche Antwort: keine Ahnung.

So sind wir nun also auf dem Weg nach Costa Rica. In den Pässen zwar Ein- aber keine Ausreisestempel aus Ecuador, in der Hand immerhin ein internationales Zarpe. Auch in Golfito werden wir den Service der Banana Bay Marina in Anspruch nehmen. Das ist wohl gerade mit eingeschränkten Kenntnissen der spanischen Sprache und in nicht ganz normalen Zeiten eine gute Empfehlung. Unsere Unterlagen haben wir alle schon vorab per Email hingeschickt. Problematisch ist nur der binnen drei Tagen vor Ankunft in Costa Rica online auszufüllenden Health Pass. Offiziell ist das Pflicht, doch ohne normalen Internetzugang haben wir da auf dem offenen Pazifik keine Chance. Das sei jedoch nicht weiter schlimm und könne auch vor Ort nachgeholt werden. Zumindest in manchen Ländern Süd- und Mittelamerikas von Chile reden wir hier besser nicht werden gewisse Dinge offensichtlich sehr pragmatisch angegangen gerade in weniger normalen Zeiten.

Update August 2021: Laut Noonsite hat Ecuador die Einreiseformalitäten geändert. Wie vorher schon für die Galápagos-Inseln ist nun auch für das Festland eine Voraberlaubnis (pre-autografo) zu beantragen. Immerhin liegen die Kosten mit „nur“ 200$ deutlich unter denen des Archipels. Allerdings bleibt eine Bearbeitungszeit von ca. 3 Wochen, so dass einreisende Yachten sich frühzeitig mit dem geplanten „Port of Entry“ in Verbindung setzten sollten.

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