Osterruhe im Kanton Sucre

Karfreitag, 2. April 2021

Was in Deutschland gerade pünktlich zu Ostern von den „Julis“ in ihren „10 Geboten…“ (die ich hier mal unkommentiert lasse) gefordert wird, ist im katholischen Ecuador zumindest in Teilen gelebte Realität. Immerhin sind die Geschäfte auch an Feiertagen geöffnet. So wollen wir am Nachmittag des Karfreitag nochmal rasch zum Supermarkt, um nicht zuletzt etwas Fisch und Wasser zu besorgen.

Kaum angelandet bringen uns die Kollegen vom Puerto Amistad auf den neuesten Stand. Schon um 18 Uhr macht alles dicht. Das klang zwei Tage zuvor noch anders. Ach ja, nach 20 Uhr darf man offiziell auch nicht mehr auf die Straße. Was ist denn da los? Kurz danach leitet uns Miguel ein offizielles Schreiben des kantonalen COE („Comité de Operaciones de Emergencia“) vom Vortag weiter (s.u.… darin wird allerdings auf ein Treffen am heutigen 2. April verwiesen?!)

Natürlich reicht mein Spanisch bei weitem nicht für alle Details aus. Doch Google Translate hilft und erklärt uns in holprigem Englisch (… die Übersetzung von Spanisch in Deutsch ist noch schlechter!), dass einige schon am Tag der Veröffentlichung dieses Schreibens beginnende Maßnahmen entschieden wurden:

  • Vom 1. April haben erst einmal bis zum 9. April alle Geschäfte, Restaurants, Einkaufszentren etc. um 18 Uhr zu schließen. Einzige Ausnahme sind Apotheken.
  • Beginnend am Abend des 2. April herrscht bis zum Morgen des 9. April eine nächtliche Ausgangssperre von 20-5 Uhr.
  • Vom 2. bis 9. April darf man abhängig davon, ob die letzte Ziffer des Nummernschildes gerade oder ungerade ist nur Mo/Mi/Fr oder Di/Do/Sa fahren… die Regel für Sonntag erschließt sich uns nicht so richtig. Zusätzlich gibt es vom 4.-11. April (Wahltag) noch ein Parkverbot in diversen genannten Bereichen, z.B. in Strandnähe.
  • Vom 1. bis 23. April bleiben Strände und Schwimmbäder weiterhin, zusätzlich nun auch sonstige Sporteinrichtungen, Kinos und einiges mehr geschlossen. Damit verlieren wir unsere allabendliche Beschallung vom nahen Fitnesscenter…
  • Maximale Auslastung in Restaurants, öffentlichen Institutionen und im Personennahverkehr ist (weiterhin) 30%.
  • Schließlich wurden die schon Ende März beschlossenen Maßnahmen nochmal ratifiziert. Das betrifft unter anderem Verbot von: Treffen außerhalb des Familienkreises, Verkauf von alkoholischen Getränken (bis 15. April), allg. jeder Art von Menschenansammlungen und einigem mehr.

Es wird zwar nicht beim Namen genannt, aber im Kanton Sucre herrscht damit wohl eine relative Osterruhe. Gleich die ganze Woche lang. Ein Fehler? Man weiß es nicht. Mit einem Rückzieher ist jedenfalls nicht zu rechnen. Aber es gilt ja auch nur für den kleinen Kanton. Da kann man so etwas schon mal kurzfristig beschließen. Hoffentlich verzögert all das nicht die Fertigstellung unserer Ausreisepapiere… langsam wird es echt Zeit, dass wir hier weg kommen.

Parque Nacional Galápagos

Der Galápagos-Nationalpark umfasst 97% Landfläche der am Äquator gelegenen Inseln und inzwischen auch 99% des sie umgebenden Meeres. Ausgenommen sind im Grunde nur die bei Gründung 1959 bereits bewohnten Bereiche. Es ist der erste Nationalpark Ecuadors und seit 1978 UNESCO Weltnaturerbe. Interessante Fakten sind dabei einerseits, dass es das Welterbe mit der offiziellen Nummer 1 ist. Andererseits wurde in der gleichen Sitzung des Welterbekomitees auch die Altstadt von Quito als Weltkulturerbe in die damals noch kurze Liste aufgenommen… mit der Nummer 2.

Oberstes Ziel ist der Schutz der einzigartigen Flora und Fauna. Mit strengen Vorschriften und nicht zuletzt auch für dieses Land ungewohnt konsequenter Umsetzung wurde es 2010 geschafft, dass die Galápagos-Inseln nach 9 Jahren wieder von der roten Liste des bedrohten Welterbes gestrichen werden konnten. Das bedeutet jedoch nicht, dass nun alles in bester Ordnung ist. Immer noch sind viele heimische, oft endemische Tier- und Pflanzenarten bedroht. Nicht zuletzt durch von Menschen eingeschleppte Arten. Auch ist der Zuzug auf die Inseln nun streng reglementiert und kontrolliert. Das hält immerhin den Zuwachs der dauerhaften Einwohner klein. Trotzdem kommen immer mehr Touristen. Zuletzt (also in „normalen“ Zeiten) waren es knapp 300.000 Besucher (… und damit übrigens immer noch gut 5x so viele wie in in die Antarktis ;-).

Trotzdem ist nicht alles schlecht. Durch strenge Parkregeln werden die Touristenströme sehr eng geführt. Auch wir bekommen vor unserem ersten Besuch im geschützten Bereich des Nationalparks eine kleine, dafür umso deutlichere Einführung in diese obligatorischen Verhaltensregeln. Eine Auswahl:

  • Grundsätzlich geht rein gar nichts ohne zertifizierten Führer, der als „agreement“ beim Landgang voran geht. Für uns kleine Gruppe nicht relevant ist das Verhältnis von einem Guide auf 16 Gäste.
  • Wir dürfen uns nur auf den markierten Wegen bzw. in entsprechend abgesteckten Bereichen bewegen. Damit gilt für den absolut überwiegenden Teil des Landes ein klares „Betreten verboten!“.
  • Lebende Tiere werden nicht berührt, gefüttert oder erschreckt.
  • Dementsprechend darf auch nur ohne Blitz fotografiert werden.
  • Allgemein ist ein Mindestabstand von 2m zu den Tieren einzuhalten. Wenn neugierige Tiere (vor allem junge Seelöwen) näher kommen, zieht man sich ruhig zurück.
  • Ansonsten dürfen wir die Natur gerne „begreifen“… wohlgemerkt ohne Spuren zu hinterlassen. So ist es beispielsweise auch nicht gestattet, etwas auf Steine oder Pflanzen zu ritzen oder gar zu schreiben.
  • Außer hoffentlich schöner Erinnerungen und Fotos wird nichts, aber auch rein gar nichts mitgenommen. Nein, auch keine Muschel. Die einzige (naheliegende) Ausnahme ist das Einsammeln von gefundenen Abfällen.
  • Und es wird natürlich auch nichts da gelassen (… vorher also alle nochmal auf Klo ;-)
  • Uns ist es ebenso verboten, auf den Landgängen etwas anderes als Wasser zu konsumieren. Nun ja, Raucher sind zum Glück nicht dabei und an Hunger leiden wir an Bord ohnehin nicht…

Man braucht jetzt übrigens nicht zu denken, dass das alles zwar schön klingt, aber in der Praxis wohl doch ganz anders aussieht. Mitnichten! Jeder Guide achtet sehr penibel auf die Einhaltung der Regeln. Gegebenenfalls wird da auch schon mal als solches wahrgenommenes Fehlverhalten anderer Gruppen oder Führer gemeldet. Und da die Guides praktisch immer mit dabei sein müssen, hat die Verwaltung des Nationalparks ihre Augen und Ohren überall. Insgesamt wird es dem einzelnen Touristen ziemlich schwer gemacht, größeren Schaden anzurichten. Und das ist auch gut so! Richtig gut!!! Auf dass der Welt dieses kleine Naturparadies noch möglichst lange erhalten bleibe…