Erste Eindrücke auf Isla Seymour Norte

Galápagos-Inseln, 14. Februar 2021

Nach einer kurzen Fahrt, leckerem Mittagessen und der schon angesprochenen Einführung in die Verhaltensregeln des Nationalparks machen wir uns gleich am Tag unserer Ankunft auf den ersten Landausflug. Auf dem Programm steht eine gut 3-stündige Wanderung auf Isla Seymour Norte.

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)

Die See ist recht ruhig, so können wir mit den Zodiacs an der spannenderen Stelle anlanden… mitten in eine kleine Kolonie von Fregattvögeln. Überall fliegen die großen Tiere in der Luft, bei paarungswilligen Männchen hängt der große rote Kehlsack herunter. Zwischen den Ästen und Steinen finden sich immer wieder Nester mit Jungtieren, die am Himmel ihre Fütterer suchen und bei Sichtung Laut geben.

Hier machen wir erstmals diese ganz besondere Galápagos-Erfahrung: Die Tiere sind nicht scheu. Wir klettern langsam über die Steine und die Vögel interessiert das überhaupt nicht. So werden wir fast schon Teil der Kolonie. Man kann sich gar nicht entscheiden, wohin man zuerst schauen soll, was man am schönsten fotografieren kann. Schon nach weniger als 200m habe ich über 50 Bilder gemacht. An dieser Stelle kann (wie auch in allen noch kommenden Galápagos-Berichten) nur eine kleine Auswahl gezeigt werden.

Fregattvögel sind zwar schön, gerade die Männchen mit ihrem roten Kehlsack sogar imposant anzuschauen, im Grunde aber ganz schon fiese Vögel. Sie selbst haben Probleme damit, im Meer auf Fischfang zu gehen. Nicht nur sind die Beine zu kurz zum Schwimmen, ja selbst das Gehen klappt ja schon kaum. Dazu wird nicht ausreichend Sekret zum wasserdichten Einölen des Gefieders produziert. Was sie dagegen richtig gut können ist fliegen… und klauen! Es handelt sich um einen sogenannten Kleptoparasiten, der seine Nahrung hauptsächlich von anderen Vögeln stiehlt. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, mitten in eine Fütterung zu platzen. Mehr als einmal beobachten wir im Luftraum der Galápagos-Inseln wahre Jagdszenen zwischen hungrigen Fregattvögeln und anderen Seevögeln, die ihren erfolgreichen Fang verteidigen.

Nach einer kurzen Kletterpartie erreichen wir die eigentliche Inselebene. Auch hier sehen wir immer wieder Fregattvögel. Mal fern, mal nah.

Mehr noch aber stoßen wir hier überall auf Blaufußtölpel. Bei diesen Vögeln ist der Name Programm.

Die Nester der Blaufußtölpel sind meist noch im Bau und falls doch schon fertig, dann leer. Wir platzen mitten in die Balz. Es ist ein lustiger Tanz, den das Männchen veranstaltet um der holden Weiblichkeit zu gefallen. Diese schaut sich das gerne etwas erhöht auf einem Stein stehend an. Schließlich muss sie den Überblick behalten, denn es bleibt nicht unbedingt bei einem Bewerber allein. Wenn schon nicht parallel angetanzt, so wartet doch oft ein zweites Männchen darauf, dass der erste Bewerber versagt. Und mit etwas Glück wird das Werben erhört.

Ob nun bei der Balz oder einfach nur so in die Gegend starrend, werden wir auch von den Blaufußtölpeln weitgehend ignoriert. Sie nehmen die Menschen schlichtweg nicht als Bedrohung wahr. Warum sollte man dann unnötig Energie für eine Flucht aufwenden?!

Doch hier oben abseits ihrer Kolonie sind auch die Fregattvögel noch eifrig auf Partnersuche. Und auch hier durchaus mit Erfolg.

Pünktlich am Nachmittag erreichen wir den Strand. Perfektes Timing, um die von der Jagd zurückkehrenden Seelöwenmamas zu beobachten. Sie werden schon ebenso sehnsüchtig wie bei Ankunft lautstark von ihren Kindern erwartet. Jedes dem Meer entsteigende Erwachsenentier könnte schließlich etwas gegen den eigenen Hunger mitbringen.

Du hast da eine Fliege!

Dabei geht es nicht immer harmonisch zu. Insbesondere eine Mama ist ziemlich mies drauf. Ok, es sind anscheinend nicht alles ihre Kinder, die da dezent auf Fütterung drängen. Aber muss man deswegen gleich so rumbrüllen?

Seelöwen sind dann auch die ersten Tiere auf den Galápagos-Inseln, die uns nicht konsequent ignorieren. Im Gegenteil. Neugierig robben sie auf uns zu. Mal langsam, mal forsch, mal laut, mal leise. Früher hat man sie dabei gewähren lassen, seit einiger Zeit gibt es die Ansage, sich als Mensch zurückzuziehen. Dem kommen wir gerade bei den laut brüllend ihre Zähne zeigenden Exemplaren ausgesprochen gerne nach.

Während all diese Tiere in unterschiedlichen Stadien der Fortpflanzung, dem Beginn des Lebens sind, stoßen wir auch auf das andere Ende der Existenz. In unterschiedlichen Stadien des Übergangs vom Leben zurück in den Staub, aus dem wir alle kommen, liegen Kadaver teilweise sicher schon mehrere Jahre herum. Das Klima ist trocken, Aas-Verwerter dagegen kaum gegeben. Da dauert es einfach eine Weile, bis das Ende des letzten, unausweichlichen Weges erreicht ist.

Wir haben schon bei unserem ersten Landgang natürlich noch mehr gesehen, so zum Beispiel entspannte Landleguane…

… hungrige Lavaechsen…

… rote Klippenkrabben oder Gabelschwanzmöwen. Aber wir haben ja noch einige Ausflüge und Berichte vor uns. Von diesen und anderen Eindrücken also ein anderes mal mehr…

Abends an Deck…