Zurück im Norden

Pazifik, 7. April 2021, 23:44 Uhr Ortszeit (UTC-5)

Nun ist es also passiert. 00°00,0 Breite. Weit früher als ursprünglich mal geplant. Aber so ist das heutzutage mit den Plänen. Wir sind wahrlich nicht die einzigen Segler, die diese ändern (müssen). Wie auch immer, wir sind wieder im Norden. Immerhin dann doch knapp 1½ Jahre, nachdem wir im Oktober 2019 auf dem Atlantik den Äquator Richtung Süden überquert haben, ist die Samai jetzt wieder auf ihrer Heimathalbkugel. Und direkt nach der nächtlichen Überquerung fängt es gleich mal an zu regnen toller Empfang.

Wieder über den Äquator

Das war bei unserer Abfahrt heute Mittag noch anders. Wir sind bei strahlendem Sonnenschein mit dem Mittagshochwasser los. Das ist ob der flachen Ein- bzw. Ausfahrt des Río Chones bei Bahía de Caraquez auch dringend angeraten. Auf einen Lotsen haben wir trotzdem verzichtet. Auf dem Plotter ist noch der Track unserer Einfahrt. Auf dem sollten wir auch wieder raus kommen. Klappt problemlos. Die Wassertiefe geht zwar hin und wieder mal kurz unter 2m. Das ist mit unserem Tiefgang (bei aufgeholten Schwert ca. 1,1m) aber immer noch entspannt. Trotzdem wird klar, warum Segelboote mit Festkiel und mehr Tiefgang schon mal auf Springzeit, also besonders hohes Hochwasser warten (müssen) um hier reinzukommen.

Abschied von Puerto Amistad
Abschied von Bahía de Caráquez
Abschied von Ecuador

Kaum sind die Untiefen passiert, setzen wir Kurs Costa Rica und ziehen die Segel hoch. Es weht zwar nur mit 3 Bft. (also unter 10kn), doch zum gemütlichen Segeln sollte es reichen. Doch dann bestätigt sich der Verdacht, der uns zuvor schon unter Maschine beschlichen hatte nun auch unter Segeln. Die zwei Monate im Fluss haben dem in Valdivia noch mühsam aufbereiteten Unterwasserschiff nicht wirklich gut getan. Ganz offensichtlich haben wir einiges an Bewuchs an Rumpf und Schraube angesammelt. Das kostet Geschwindigkeit. Anfangs schaffen wir gerade mal 3kn, nur manchmal 4kn „Speed over Ground“ (SOG), haben aber auch keine Ahnung, was davon einem möglichen Strom zu verdanken ist. Schon klar, dass sich bei diesem „Speed“ so mancher Performance-orientierte Skipper (evtl. sogar Leser?!) wohl höchstens mitleidig zu einem gequälten Lächeln hinreißen lässt. Na und? Es ist allemal besser, als durch eine von Gewitterzellen garnierte Flaute zu motoren. Das erwarten wir übrigens für die zweiten Hälfte der Strecke…

Wieder auf dem Ozean unterwegs…
Erster Sonnenuntergang der Überfahrt

Auch wenn es jetzt in der Nacht bei 4 Bft. raumen Wind schon etwas besser ist und wir normaler Weise sogar noch ein klein wenig flotter vorankommen müssten, ist unsere Samai ja so oder so keine „Rennziege“. Nicht falsch verstehen, sie segelt (unseres Erachtens) wirklich gut, spielt ihre Qualitäten jedoch – alleine schon mangels Länge – nicht unbedingt beim reinen Top-Speed aus. Und wir sind ja auch nicht auf der Flucht. So segeln wir also gaaaaaaanz gemütlich Richtung Norden. Vor uns liegen fast 600sm (also über 1000km). Eigentlich wollten wir Montag ankommen. Aber so ist das halt heutzutage mit den Plänen. Egal, auf einen Tag mehr oder weniger kommt es nun wirklich nicht an. Und wenn wir mal wieder in einer Ankerbucht mit mehr als 0,375cm Sicht sind, geht es mit Holzschaber ins Wasser so ein klein bisschen mehr Performance darf es dann selbst für uns sein ;-)

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