Letzte Meilen in Chile (1) – Energieeffizienz und Glaskalmare

12.-14. Januar 2021

Am Vormittag melden wir uns letztmals bei der Chilenischen Armada ab, winken noch einmal dankbar den Fischern zu und holen den Anker auf. Der Kurs führt (nicht zu) dicht vorbei am von der Brandung umtosten und Vögeln bevölkerten Roca Catedral. Kaum passiert ziehen wir nach 1½ sm die Segel hoch und machen uns auf den weiten Weg.

Der Wind weht perfekt mit entspannten 4-5 (nachts auch mal 6er Böen) aus Südost. Die Wellen sind auch nicht so wild. Den langen Pazifikschwell merkt man trotz gut 3m kaum und die Windsee liegt bei nur etwa 2m. Damit sollte der Windpilot, also unsere nicht-elektrische Windsteueranlage, klar kommen. Aufgrund der immer schlechteren Batteriesituation ist das im Grunde auch unsere einzige Option, unter Segeln zumindest halbwegs durch die Nacht zu kommen. Der elektrische Autopilot steuert zwar weniger Kurven, braucht aber halt auch deutlich mehr Strom und der ist ohne Sonne aktuell ein Luxusgut an Bord.

Dementsprechend segeln wir möglichst energiesparend durch die Nacht. Der Kühlschrank ist runtergedreht, den Plotter versetzen wir immer wieder in Standby, Funk und AIS haben wir gar nicht erst eingeschaltet. Regelmäßig machen wir einen Rundumblick und prüfen mit dem aktiven Radarreflektor kurz, ob uns ein anderes Boot auf dem Schirm hat, doch seit Valdivia sind wir bisher niemandem begegnet. Da könnte man sich eigentlich auch die Positionslichter sparen, aber diesen kleinen Luxus gönnen wir uns dann doch. Trotzdem gibt es nachts zuerst einen, dann sogar zwei Mal Batteriealarm und wir müssen zum (ich nenne es mal euphemistisch) Laden den Motor etwas mitlaufen lassen.

Morgens merken wir nun in schöner Regelmäßigkeit, dass wir wieder auf einem offenen Ozean unterwegs sind. Das nächste Land ist zwar nur gut 4km weit weg, liegt aber nun mal direkt unter uns. Als neuen Rekord zählen wir nach der ersten Nacht zunächst 15, am nächsten Morgen dann sage und schreibe 26(!) Glaskalmare verschiedenster Größe an Deck rumliegen. Obwohl man ehrlicher Weise sagen muss, dass nicht alle liegen. Einer hat sich mit seinen Fangtentakeln um eine Leine gewickelt und baumelt nun gemütlich im Takt der Wellen.

Das muss man sich mal überlegen. Diese Tiefseebewohner übersehen bei Ihrer nächtlichen Auftauchaktion schlicht die Wasseroberfläche und springen mit Schwung raus. Soweit, so gut. Dabei ist wohl davon auszugehen, dass der Ort dieses Geschehen nicht unbedingt von Ereignissen an der Oberfläche bestimmt wird. Schließlich kommt man ja aus einem Lebensraum zwischen 1.600 und 2.500 Metern Tiefe. Wenn nun aber schon auf einer vergleichsweise so kleinen Fläche wie unserem Boot derartig viele dieser Tiefseebewohner landen wie sieht es dann erst auf den Weiten des Ozeans aus? Würde jeder aus dem Wasser springende Glaskalmar einmal kurz aufleuchten, wäre das wahrscheinlich ein tolles Glitzerspektakel.

Mitten in der zweiten Nacht höre ich dann auch unseren ersten fliegenden Fisch des Pazifiks an Deck zappeln. Ein ansehnliches Exemplar, leider jedoch dicht am Mast. Da gehe ich in der Nacht nur raus, wenn es wirklich notwendig ist. Er muss es also alleine wieder ins Wasser schaffen oder halt nicht.

An der Angelfront läuft es aktuell eher durchwachsen. Einem weiteren verlorenen Köder steht zwar ein kleiner Thunfisch gegenüber. Bei diesem finden sich allerdings lauter kleine weiße Knubbel im Körper. Nichts, was wir gerne auf dem Teller sehen möchten folglich wird der Thunfisch zum Fischfutter umgewidmet. Wir geben nicht auf.

Der kommt dann doch lieber nicht auf den Teller…

Bekanntermaßen zieht sich Chile ganz schön in die Länge. Daher haben wir von der Isla San Felix aus noch ganze 600sm Strecke vor der chilenischen Küste zu absolvieren, bevor wir die Breite von Peru erreichen. Da wir aber jetzt schon gut 500sm VOR eben dieser Küste segeln, befinden wir uns faktisch in internationalen Gewässern. Es wird also bald mal Zeit, die chilenische Gastlandflagge unter der Steuerbordsaling einzuholen es wird hier mal wieder Zeit für eine Landesflagge, die die Bezeichnung „Gast“… zurecht trägt. ;-)

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