Islas Desventuradas

Isla San Felix, 10.-12. Januar 2021
Da sind sie also, die frei übersetzt unglücklichen Inseln. Lustigerweise hat eine ausgerechnet den Namen eines glücklichen Heiligen Hier soll ein letztes mal in Chile der Anker auf Grund gehen. Das ist zumindest unser Plan. Wir haben von einer anderen, hier allerdings nur vorbeigefahrenen Yacht gelesen, dass das im Norden möglich sei. Detailkarten und verwertbare GPS-Koordinaten gibt es jedoch nicht. Nur ein Satellitenbild bestätigt eine kleine Bucht der Isla San Felix als einzig brandungsfreien Bereich weit und breit. Hier wollen wir unser Glück versuchen.
Als wir uns von Süden nähern, signalisiert das Funkgerät, dass wir nicht mehr alleine sind. Die Insel ist zwar offiziell unbewohnt, kommt aber natürlich nicht ohne einen kleinen Stützpunkt der Armada aus. Ein paar Häuser, eine kleine Landebahn und ein nach Westen hin teilweise vom 193m hohen Berggipfel verdeckter (sic!) Leuchtturm. Den Kartografen scheint das auch keiner großen Mühe wert zu sein. Wir haben auf dem Plotter die normalerweise auf offiziellen, lokalen Karten basierenden Charts von Navionics. Die Isla San Felix ist darauf nicht mehr ein einzelner, unförmiger Klecks ohne Leuchtfeuer. Weder stimmt die Größe der Insel, noch sind die benachbarten Felsen eingezeichnet und natürlich liegt sie tatsächlich auch noch eine gute Meile weiter südlich. Da hatten wir ja in der Antarktis besseres Kartenmaterial zur Verfügung!
Die ersten Funksprüche überhören wir erst einmal. Das ist einfach zu schnelles Spanisch für uns. Auch bekommen wir mit, dass sich da durchaus zwei Gesprächspartner gefunden haben. Irgendwann verstehen wir dann aber velero (span. Segelschiff) und identificación. Ich radebreche also meine mit Google Translate vorbereitete spanische Standardbitte nach englischer Kommunikation ins Mikrofon und bin überrascht, nach kürzester Zeit eben diese zu bekommen. Das ist hier unten alles andere als üblich. Anscheinend nach interner Rücksprache wird uns zugestanden, für 1-2 Nächte in der Bucht ankern zu dürfen. Doch eine Person an Bord hat darauf eigentlich schon so gar keine Lust mehr.
Als wir um die Ecke biegen und die besagte Bucht in Sicht kommt, sehen wir erst einmal nur weiß-rauschende Brandung an der Steilküste. Wohlgemerkt auf der Wind und Welle abgewandten Seite! Bei an sich ruhigen Bedingungen!!! Ein wahrlich beeindruckendes Schauspiel, aber nicht unbedingt das, was man auf der Suche nach einem Ankerplatz sehen möchte. La Skipper ist bester Laune und hält damit auch nicht hinter dem Berg. Doch schließlich bekommen wir Hilfe von einem kleinen Fischerboot. Sie winken uns zu und bedeuten, dass dort bei ihnen ein guter Ankerplatz auf 20m Wassertiefe sei. Tatsächlich sind es dann sogar knapp 25m, aber der Grund hält in der Tat gut. 80m Kette raus, Motor aus, Ruhe im Boot. Ok, letzteres ist ein Scherz es schaukelt ganz schön. Immer wieder schaut 2m-Pazifikschwell um die Ecke und sorgt für Hochseegefühle vor Anker.
Etwas später kommen die zwei Fischer nochmal vorbei und lassen ihrer vorhin als Angebot hochgehaltenen Languste Taten folgen. Wir bekommen einen großen Eimer rübergereicht. Darin liegen zwei riesige Fischfilets und vier Langustenschwänze. Geschenkt! Einfach so!!! Eine angebotene Bezahlung wird vehement abgelehnt, lediglich einer von ihnen lässt sich ein Feierabendbier hinüberwerfen. Zum Abendessen gibt es auf der Samai also spontan eine minimal überdimensionierte Fischplatte, für die in jedem deutschen Restaurant ein kleines Vermögen fällig wäre. In der Bilge findet sich sogar noch eine perfekt abrundende Salsa de Ajo. Insbesondere der Skipper ist hellauf begeistert.
Wir lassen uns zwei Sommertage und -nächte entspannt durchschaukeln, genießen die Aussicht auf San Felix sowie den pittoresken Roca Caterdral de Peterborough, die Crew geht sogar baden und der Skipper gönnt sich nach zwei Wochen mal wieder eine Dusche. (Liebe Grüße an die Flora ;-)) Dann ist die kurze Ruhepause vorbei. Für die nächsten Tage versprechen die Vorhersagen recht guten, raumen (eher von hinten kommenden) Segelwind. Wir machen uns wieder auf den Weg. Nun also endgültig raus aus dem Land, in dem wir ja offiziell nie wirklich drin waren. Höchste Zeit! Vor uns liegen etwa 1.470sm (also gut 5x die A9 zwischen Berlin und München wohlgemerkt mit etwas über 10km/h). In etwa 11 Tagen sollten wir in Ecuador ankommen, um dort unser Glück zu versuchen. Die Zeichen stehen gut. Los gehts!
Hinweis: Dieser Eintrag wurde per Kurzwelle/Satellitentelefon eingestellt und beinhaltet daher noch keine Bilder. Diese werden bei Gelegenheit nachgereicht. Nur sporadisch können wir Kommentare lesen und die zur Veröffentlichung notwendige Genehmigung erteilen. Auf Kommentare antworten können (und werden) wir jedoch erst, wenn mal wieder richtiger Internetzugang besteht das soll jedoch bitte niemanden vom Schreiben abhalten! ;-)

Ein Gedanke zu „Islas Desventuradas“

  1. Zur völligen Dekadenz gehört dann aber noch eine zweite Dusche in der gleichen Woche (wenn ich mich an den Kommentar zu unserer Passage von der Chesapeake Bay nach Antigua richtig erinnere 😉).

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