Rückzug aus Valdivia

Valdivia, 30. Dezember 2020

Die letzte Antwort bzgl. unserer Immigration war dann schließlich der berühmte Tropfen zu viel. Es reicht ausnahmslos der gesamten Crew, jeder Tag hier wird immer mehr zur Belastung. Wir haben zu oft gehört, wie schön Valdivia doch sei, wie schade es doch sei, unverständlich… oder die Aussage eines gerade aus Europa eingereisten Touristen, er wolle endlich mal wieder mit einem Bier auf einer Terrasse sitzen. Alles lieb gemeint, inzwischen können wir es aber nicht mehr hören, ohne dabei TIEF durchatmen zu müssen.

Wir sind also nochmal zum stadtnahem CYV gefahren. Hier bekommen wir eine letzte große Supermarktlieferung, geben die kleine Gasflasche zum Nachfüllen ab, bezahlen die Hafengebühr für die letzten vier Monate. Jorge meinte, er wolle uns am liebsten gar nichts berechnen, aber das könne er leider nicht machen. Daraufhin gibt er uns 50% Nachlass. Und der Landgang der Samai ist dabei natürlich auch inklusive. Vielen Dank! Für alles!!! Jorge hat gerade am Anfang für uns eingekauft, war immer für uns da, hat organisiert, besorgt und wegen uns im Hintergrund auch so manches Tänzchen mit der Gobernación de Maritima geführt.

¡Siempre tranquilo!

Wegen der angesagten Böen sind wir gestern dann noch für eine Nacht zurück La Estancilla gefahren. Ein letztes mal an der Isla Haverbeck vorbei. Das Schnellboot der Armada überholt uns mit über 30kn, zeigt aber kein Interesse. Das war kurz danach bei der Ankunft anders. Da warteten schon zwei Kollegen von der Policía de Investigaciones (PDI). Das ist neu. Man habe gehört, dass wir abfahren wollen und brauche noch ein paar Information über das genaue wann und wohin. Auch wolle man bitte unsere Pässe fotografieren. Hey, das war tatsächlich das allererste Mal, dass uns ein Chilene nach den Pässen gefragt hat! Auch sie äußern mal und immer wieder Worte des Bedauerns… leere Worte…

Richtig lustig ist jedoch die Geschichte, die Jorge später noch erzählt. Die Gobernación de Maritima (Armada) hat wegen uns bei ihm angerufen. Auch sie haben gehört, dass wir abfahren wollen. Da müsse man uns nun doch noch ein Zarpe ausstellen… also das in Chile für Seefahrer eigentlich notwendige offizielle Dokument. Jorge, der auf den Umgang der chilenischen Offiziellen mit uns ohnehin alles andere als gut zu sprechen ist, kann es nicht fassen. Und er macht aus diesem Umstand kein Geheimnis. Ich möchte jedenfalls nicht derjenige gewesen sein, der bei seiner „emotionalen“ Antwort am anderen Ende der Leitung saß! ;-)

Abschied vom Club de Yates Valdivia

Später bringen dann noch unser Honorarkonsul Kurt mit seiner Frau Sabine unsere letzte Bestellung an Fleisch und frischem Gemüse zum Boot. Es tut uns so unendlich leid, wie wir sie die letzten Monate in Anspruch genommen haben… nehmen mussten. Wir sind es eigentlich gewohnt, für uns selbst zu sorgen. Umso größer ist unsere Dankbarkeit für all ihre Unterstützung… und auch den sehr netten, offiziell natürlich nie stattgefundenen Raclette-Abend bei ihnen zu Hause ;-)

Isla Haverbeck

Die Böen von gestern sind durch, der Fluss liegt ruhig vor uns. Wir treffen die letzten Vorbereitungen, alles wird sicher verstaut, das Wasser nochmal nachgefüllt, die Crew geduscht. Am Nachmittag fahren wir mit ablaufenden Wasser los. Auf den ruhigen Fluss noch alle Fender „verstecken“ und danach das Dinghy auf dem Vordeck richtig festzurren. Vor uns liegen knapp 500sm zu den Islas Juan Fernandez. Wir erwarten natürlich nicht, auch nur einen Fuß auf die Isla Robinson Crusoe setzen zu dürfen, doch wenigstens werden wir einen Blick auf dieses abgelegene Eiland werfen. Und viel wichtiger noch: Wir sind endlich wieder unterwegs!

Armada in gewohnter Schleichfahrt

Anders als bei unseren letzten längeren Offline-Passagen haben wir im Blog die Gegenwart erreicht und keine Beiträge zum Einplanen in der Hinterhand. Daher werden wir nun endlich mal nur noch so richtig aktuell berichten und auf dem Pazifik immer mal wieder Berichte über Kurzwelle bzw. Satellitentelefon einstellen, naturgemäß dann allerdings ohne Bilder. Diese werden nachgereicht, wenn wir mal wieder ein WiFi in Reichweite haben.

P.S. Kurz vor der Abfahrt ist es dann doch noch soweit: die Armada steht mit drei Mann und viel Papier am Steg. Wir sollten das bitte ausfüllen. Ich bin ja eigentlich ein eher ruhiger Typ. Es braucht etwas, bis ich mich wirklich so aufrege, dass meine Mitmenschen das direkt zu spüren bekommen. Tja, heute war es mal wieder soweit. Ich habe die Zettel schließlich streng nach Vorschrift ausgefüllt. Den Abschnitt mit Änderungen im Vergleich zum (nicht vorhandenen) Ankunfts-Zarpe habe ich schlicht durchgestrichen und mit dem Kommentar „All the same!“ versehen. Sie wagten es nicht, das zu hinterfragen!

Zu guter Letzt habe ich noch den Filter vom Wassermacher gewechselt. Nun endlich, kurz nach drei geht es also los. Kurt und Sabine stehen winkend am Steg, vor uns liegt der Pazifik… Segel frei! ;-)

Maila auf der Insel

Isla Haverbeck, Mitte November 2020

Wir waren im Haupthafen von Valdivia und da hat uns jemand angeboten zu seiner Insel zu kommen. Wir nahmen das Angebot an und nach ein paar Tagen sind wir zu dieser Insel gefahren. Sie war groß. Dort wohnte er.

Als wir also da waren, waren die Freunde von gegenüber auch da. Sie haben uns eingeladen, mir und Samuel die Insel zu zeigen. Eine Freundin hieß Saskia und ihr Bruder Franco. Das Mädchen, was auf der Insel wohnte, hieß Angela. Sie war erst seit 7 Monaten auf der Insel und konnte kaum Deutsch. Saskia und Franco konnten aber gut Deutsch und haben uns alles erklärt. Zum Beispiel, dass es auf der Insel Ferienhäuser gibt. Aber dieses mal ist alles leer, weil ja Quarantäne ist.

Hinter dem Steg, der selbst gebaut aussah, gab es einen großen Baum. Da drunter lag ganz viel Kacka, wo wir später herausfanden, dass die Perlhühner die dort lebten abends auf den Baum klettern und dort schlafen. Danach war eine Wiese, wo es rechts ein paar Häuser gab, zum Beispiel die Duschen. Links war ein Gebüsch, wo ein paar Hühner drin waren. Auch ein Huhn mit drei kleinen Küken, die nah bei ihr gelaufen sind.

Wir sind einen Weg entlang gelaufen. Dort waren zwei Pferde, eins heller und eins dunkler. Franco hat erklärt, dass das die beiden Pferde auf der Insel sind. Die Namen konnte ich mir aber nicht merken. Dann war da eine Hütte und daneben ein Stall, wo ein schwarzes Huhn auf ungefähr sieben kleine gefleckte Hühnerküken aufpasste. Dann kam eine nette Frau, die Pattie hieß. Sie konnte auch nicht so gut Deutsch. Dann sind wir in die kleine Hütte gegangen. Dort drin war ein Gehege mit ganz kleinen, süßen, schwarz-weißen Küken. Pattie hat eins gefangen und Samuel gegeben. Ich habe es gestreichelt und es war sehr weich. Das Gehege war nicht sehr groß, doch es gab einen Platz mit einem Teppich und darüber war eine Wärmelampe und ein kleiner Besen aus Federn sollte die Mutter darstellen. Es war ziemlich warm in der Hütte.

Von der Kücken-Hütte…

Dann sind wir wieder raus gegangen und Pattie hat sich verabschiedet. Danach sind wir zu einem deutlich größerem Gehege gegangen. Dort waren auch kleine Küken drin. Nur ein bisschen mehr. Da war auch eine Ente. Hinter der sind zwei Entenküken hergelaufen. Die Ente hat die ganze Zeit geschnattert.

… zum größeren Gehege!

Dann sind wir den Weg weiter gegangen. Der führte in einen Wald, aber der Weg war gut erkennbar. Dann war auf dem Weg Sand wo Pferdeäpfel drauf lagen. Das war ein bisschen eklig. Links waren Rohre aufeinander gestaut, rechts war Wald. Der Weg machte eine leichte Biegung und wir liefen wieder auf Erde. Der Weg war jetzt von Sträuchern und Bäumen umrandet. Wir sind ziemlich still weiter gelaufen. Dann teilte sich der Weg in zwei Wege. Einer führte weiter geradeaus und der andere machte eine leichte Linksbiegung. Wir sind geradeaus weiter gegangen, bis eine größere Straße in den Weg einging. Neben dem größerem Weg war so eine Art Platz mit ein paar Bäumen. Der Platz war voll mit abgebrochenen Schilfrohren, weil wir sehr nah am Wasser waren. Immer wieder auf dem Art Platz waren verkohlte Stellen, wo wohl ein Lagerfeuer gemacht wurde. Es war auch ein Baumstamm zu sehen wo schöne Äste oder Stöcke ran gelehnt waren. In die Stöcke wurden auch manchmal Federn reingemacht. Das wurde verschönert mit einer Blüte einer blauen Blume. Franco hat uns erzählt, dass sie hier Bohnen anpflanzen und ein bisschen entfernt auch Kürbisse.

Sie sind bei einem aus Holz gemachtem Tisch, wo auch aus Holz gemacht eine Bank und kleine Holzstämme zum Hinsetzen waren, stehen geblieben, wo Franko vor ein paar Kisten erklärt hat, dass sie diese Dinge in der Kiste im Meer gefunden haben. In den Kisten war ein Helm, eine Schaufel und ein paar andere Dinge. Dann sind wir so einen kleinen Weg, der voller Sträucher war, entlang gelaufen. Immer am Wasser entlang, was man aber nicht sehen konnte, weil da ganz viele Schilfrohre waren. Dann sind wir ein einen größeren Weg abgebogen, der aber am Ende auch voller Sträucher war. Aber diese Sträucher waren nicht groß, so dass man problemlos laufen konnte. An der Spitze war alles sandig und man Ssand auf einem kaputten Fischerboot. Samuel hat Franco gefragt, wie das hierher kommt. Doch Franko wusste es nicht und hat Angela gefragt. Doch die wusste es auch nicht.

Wir sind wieder die beiden langen Holzbalken, die mit Ästen stabilisiert wurden, entlanggelaufen zu dem zugewachsenem Weg. Als wir angekommen waren, gingen wir den Weg entlang. Diesmal aber gingen wir den breiteren Weg entlang, der geradeaus führte. Erst war der auch sandig, dann aber liefen wir wieder auf Erde. Der Weg war von Bäumen umrundet. Nur hin und wieder war neben dem Weg eine Art Lichtung. Wir haben dabei kaum gesprochenen. Dann sind wir wieder auf den großen Weg am Anfang gestoßen, der auf diesem Platz führt, wo der aus Holz gemachte Tisch stand. Wir sind aber in die andere Richtung gegangen. Über die sandige Stelle auf den Hof. Dort sind wir noch ein bisschen rumgelaufen zwischen denn Hühnern. Dann bin ich und Samuel zurück gegangen. Unter den Baum durch und über den selbstgebauten Steg aufs Boot.

Besucher auf dem Steg

Danach sind wir immer mal wieder raus gegangen haben die kleinen wie die großen Hühner beobachtet. Manchmal haben wir auch Spaziergänge zur Inselspitze gemacht. Mit der Familie oder nur Samuel und ich. Dann haben wir erfahren, dass sie bei ihrem Haus auch Internet haben. Also sind wir hin. Wir mussten an einer Art kleinem Lagerhaus vorbei, wo davor ein Schiff geparkt hatte. Links hatten sich Enten unter kleine Bäume gelegt. Weiter links war ein Haus, wovon ich nicht weiß, wofür man es braucht. Wir sind einen planierten Weg lang gegangen. An den Weg grenzte eine große Wiese.

Als wir weiterliefen, erblickten wir zwei Holzhäuser, die auf Stelzen standen. Also musste man eine kleine Treppe bis zur Tür hinauf steigen. In dem rechten wohnten sie. Dort hatten sie Pflanzen angepflanzt. Sie haben uns netterweise den Schlüssel für das andere Haus gegeben, das genau so aussieht. Wir sind die Treppe hoch gestiegen, haben die Schuhe ausgezogen und sind reingegangen. Links war ein großes, weiches Sofa. Darüber hing ein großes Bild. Vor dem Sofa war ein kleiner Tisch, wo eine aus Holz gemachte, kleine, nicht sehr hohe Schüssel stand. Rechts neben dem Sofa stand eine sehr große Vase mit vielen verbundenen Stöcken. An einem der Stöcke war ein aus Plastik gemachter Apfel. Geradeaus halb links war die Küche mit Schränken, Herd und noch alles, was in so einer Küche ist. Vor der Küche (im Wohnzimmer) stand ein großer Tisch mit einer schönen Tischdecke und einer Schale mit Obst drin. Natürlich standen an dem Tisch auch Stühle. Daneben stand der Fernseher. Links neben dem Fenster waren große Fenster, die man aufmachen konnte. Dadurch konnte man auf den Balkon gehen. Dort war ein Tisch mit Stühlen.

Neben der Küche gab es eine Treppe, dazwischen aber noch ein Gang. Am Ende des Ganges rechts gab es Schränke zum Aufmachen. Geradeaus gab es das Bad. Als erstes sah man die Badewanne. Wir fanden schnell heraus. dass es auch einen Lüfter gab. Sonst gab es noch ein Waschbecken, Seife, einen kleinen Schrank. Links im Gang gab es noch ein Zimmer. Links an der Wand gab es ein Bett, rechts von mir war ein Schrank. Daneben war wieder ein Bett. Am Fußende und ein bisschen weiter war ein kleiner Tisch. Wieder mit einer schönen Tischdecke. Da drauf stand eine unechte Blume, eher Busch. Neben dem Tisch war ein großes Fenster mit einem Fenstersims.

Badepause direkt bei den Häusern…
Richtung Valdivia.

Neben der Küche war eine Treppe die nach oben führte. Ich ging diese hoch. Geradeaus war ein großes Schlafzimmer. In der Mitte an der Wand war ein großes Bett. Rechts und links gab es ein kleines Schränkchen mit einer Lampe. Rechts daneben war ein großes Fenster, wieder mit Fenstersims. Da drauf war diesmal eine Blume mit getrockneten Blätter und mit kleinen getrockneten Tannenzapfen. Links neben dem Bett an der Wand war ein Schrank. Links neben der Treppe gab es eine Art innerer Balkon. Links neben der Treppe war ein kleiner Sessel mit Kissen. Wenn man weiter ging kam man an ein Geländer. An dem konnte man ihn die Wohnstube gucken. Rechts an der Wand war noch ein Bett, daneben auch ein kleines Schränkchen mit Lampe. Es gab auch Fenster wo man nach draußen gucken konnte. Dafür haben wir den Schlüssel bekommen. Natürlich nicht für ewig. Als wir fertig waren sind wir wieder zurück zum Boot gegangen.

Süße Häschen gab es auch!

Wir haben auf der Insel immer neue Wege gefunden. Einmal sind wir durch eine Allee gegangen. Dahinter wuchsen schöne blaue Blumen. Wir sind weiter durch Gras gegangen, bis wir zu einem Fluss kamen. Pattie hat uns davon erzählt und gesagt, dass es da in der Nähe eine Brücke gibt. Sie hat uns erzählt wir sollten nach rechts gehen, also sind wir nach rechts gegangen. Es wurde immer sumpfiger und Mama hat schon rumgemeckert. Als es so richtig sumpfig wurde ist Papa sogar mit dem Fuß im Schlamm stecken geblieben, sodass der Schuh im Schlamm stecken blieb. Wir mussten ihn heraus ziehen. Später fanden wir heraus, dass wir völlig verkehrt waren und in eine ganz andere Richtung laufen müssen

Die Perlhuhneier zu Papas Geburtstag hatten eine richtig harte Schale!

Wir machten dann noch mal einen Ausflug in die richtige Richtung. Auch diesmal wurde es ziemlich sumpfig auf dem Weg. Das konnte aber auch daran liegen, dass es gerade Hochwasser war. Wir fanden die Holzbrücke. Wenig später kehrten wir aber wieder um, weil wir plötzlich nicht weiterkamen, weil da eine kaum fertig gebaute Ruine lag und wir keinen Weg drumherum gefunden haben.

Wir versuchten es ein bisschen später noch mal. Diesmal war es weniger sumpfig, weil diesmal Niedrigwasser war. Wieder kamen wir an die Ruine. Da fiel mir ein, dass man vielleicht auf der andern Seite der Ruine vorbei kommt. Ich hatte recht! Dort war eine Art Weg, wie wir ihn schon kannten. Wir mussten über eine stachelige Pflanze springen bis wir den Weg fortsetzen konnten. Das Blöde war, dass überall danach Müll rumlag. Wahrscheinlich wurde es angespült. Doch trotzdem wuchsen überall schöne Pflanzen. Schließlich kamen wir auf einen Weg, der von Farnen umgeben war, die noch nicht geöffneten waren. So eingerollt sah es schön aus.

Danach gingen wir weiter. Es wurde immer schwieriger, den Weg zu erkennen. Schließlich war eine große Sandfläche vor uns. Immer mal wieder im Sand kleine Blümchen, in der Mitte war ein Baum. Der Sand war nicht gleichmäßig, sondern wie kleine Sandhügel.

Schließlich fand Papa den Weg. Wir liefen den Weg entlang bis zu einem Strand, der voller Bäume war. Sie hingen über dem Wasser und wuchsen rum. Man konnte den Strand gar nicht Strand nennen, denn es schien keine Sonne auf den Strand, denn überall waren Bäume. Es war ja Niedrigwasser. Wahrscheinlich konnte man nur deswegen den Ministrand erkennen.

Ich bin auf einen niedrigen Ast gerutscht. Ich war gar nicht über dem Wasser, als ich schon wieder herunter kletterte. Da bin ich fast hingefallen, denn wo ich aufgekommen war, war es extrem rutschig. Ich konnte mich gerade noch an dem Ast festhalten, auf dem ich gerade geklettert bin. Es war ziemlich schwierig wieder zurück auf dem Weg zu kommen. Als wir fast wieder bei der Ruine waren haben wir gemerkt, dass es auch ein anderen Weg gab. Nicht über die stacheligen Pflanzen.

Es war wirklich schön auf der großen Insel. Doch irgendwann sind wir zurück nach Valdivia gefahren. Dabei haben wir mehrmals Seelöwen gesehen die da wohl leben.

DAS WAR DER BLOG EINTRAG ÜBER DIE INSEL VON MAILA SANDRA GRAMSE

Isla Haverbeck

11. – 23. November 2020

Schon kurz nachdem wir uns Mitte September von La Estancilla in den Stadthafen des Club des Yates Valdivia (CYV) verholt hatten bekamen wir Besuch am Steg. Ein freundlicher Mann, Germán (die chilenische Version des alten deutschen Hermann) mit seiner Tochter Angela begrüßten uns herzlich. Er habe von unserer Situation gehört, wolle helfen und lud uns zu sich ein. Gleich flussabwärts läge ihre Isla Haverbeck. Auf dieser 20ha großen Insel wohne er alleine mit seiner Freundin, seiner Tochter, zwei Pferden, Katzen, Hasen, ganz vielen Hühnern und Enten. Er würde sich freuen, wenn wir mit unserem Boot zu ihnen kämen.

Liegeplatz bei Isla Haverbeck.

Wie jetzt?! So als letztlich dann doch nachhaltig sozialisierter Deutscher, kam mir das dann schon etwas komisch vor. Wir waren skeptisch und so vergingen noch ein paar Wochen, die wir weiter beim CYV lagen. Der nette Mann arbeitete derweil an seinem an Land stehenden Boot weiter. Wir sahen und grüßten uns regelmäßig. Dabei versicherte er mir, dass sein Angebot weiterhin stehe.

An Pfählen und klapprigem Steg…
… direkt neben dem Schilf…
… sollte man nicht zu viel Tiefgang haben.

Dann ging Valdivia in Phase 1 = Quarantäne. Da endlich fassten wir den Entschluss, der unglaublichen Einladung zu folgen. Ja, es war Quarantäne und Bootsverkehr damit offiziell nicht erlaubt. Aber was sollte uns ohnehin offiziell nicht in diesem Land Anwesenden schon passieren. Am 11. November fuhren wir also die halbe Meile nach Süden und schauten nach dem beschriebenen Liegeplatz. Er war nicht schwer zu finden. Ein Mann winkte schon, bereit unsere Leinen anzunehmen. Kurz danach begrüßte uns Inselherrin Patricia am Steg. Wenig später hatte sie die halb deutschstämmigen und -sprachigen Nachbarskinder (Vater aus Greifswald) vom Festland abgeholt und sogleich wurden auch unsere zwei Kinder zu einem Streifzug über die Insel eingesammelt. Doch davon erzählt Maila das nächste Mal ausführlicher.

Dabei lernten sie auch gleich die Tierwelt der Insel kennen. Dutzende Perlhühner sowie „normale“ Hennen und Hähne bevölkern die Wiese gleich vor dem Steg. In einem kleinen Haus sind gerade einmal wenige Tage alte Küken sicher vor Raubvögeln untergebracht… Samuel bekommt eines in die Hand gesetzt. Die natürlich auch frei laufende Pferdestute ist schwanger. Nur manchmal kommt sie in einen großen abgezäunten Bereich, damit der Hengst sie in Ruhe lässt. Kaninchen mit dicken Puschelfell liegen faul im Sand und lassen sich entspannt streicheln.

Wilde Schwarzzügelibisse (Bandurrias) fliegen bei Annäherung laut kreischend auf. Nahezu täglich flattert ein großer Schwarm grün-roter Papageien bzw. Sittiche laut zwitschernd über Fluss und Bäume. Für die Nacht verziehen sich alle Perlhühner auf(!) den Baum gleich neben dem Boot. Kurz vor Sonnenaufgang beginnen die Hähne zu noch mehr zu krähen als ohnehin schon. Kein Problem, daran gewöhnen wir uns schnell. Es ist wirklich ein kleines Paradies.

Überhaupt merkt man den Frühling. Draußen läuft eine Henne mit ihren drei Küken, immer wieder finden sich Nester mit Eiern von Perlhühnern und Enten. Mal bei leisester Annäherung fauchend verteidigt, ein anderes Mal schon beim entfernten Vorbeigehen fluchtartig verlassen. Ein gutes Dutzend heranwachsender Hühner rennt fiepend in einem größeren Gehege. Gerade heute befreiten wir eines von einem widerspenstig um das Bein gewickelten Faden. Eine Entenmutter ist mit ihren acht frisch geschlüpften Küken sicher vor Seelöwen und Raubvögeln gut versorgt untergebracht. Was für ein krasser und unglaublich schöner Unterschied zum „Hafengefängnis“ der letzten Wochen.

Das ist nicht zuletzt auch unseren Gastgebern zu verdanken. „Diese Insel ist hier in Chile Euer Zuhause!“, bekommen wir mehrfach versichert. Sie sind froh, dass wir hier sind, sie uns helfen können und jedes ihrer Worte kommt von Herzen. Eigentlich betreiben sie in der Saison einige Ferienhäuser, doch aufgrund der aktuellen Situation und der geschlossenen Grenzen sind wir die einzigen (nicht zahlenden ;-) Gäste auf der Insel. Wir bekommen den Schlüssel eines Hauses um zu duschen, auch den von der Cafeteria für den Eisschrank. Selbstredend bekommen wir einen chilenischen Stecker um uns einen Adapter für den Landstrom zu basteln und können ihr Internet nutzen (… inzwischen zapfen wir aber das offene Netz der nicht weit entfernt liegenden „Magellan Explorer“ an ;-).

Rechts hinten unser Internet-AccessPoint ;-)

Wir versuchen es zu danken mit dem Mindesten, was wir tun können. Immer wieder streifen wir über die Insel. Dabei können wir uns leider einer selbst schon in den abgeschiedenen patagonischen Kanälen fast allgegenwärtigen Zivilisationskrankheit nicht entziehen: Müll… sei er nun nun angeschwemmt oder von früheren Gästen hinterlassen. Eine Schande!!! So nehmen wir eine große blaue Ikea-Tüte mit und sammeln ein, was wir finden. Viel zu viel!

Auf einem unserer Inselstreifzüge besuchen wir auch den großen, am Ufer vor sich hin rostenden Rohbau eines Katamarans. Da hatte sich mal ein Chilene Schiffspläne aus Argentinien besorgt und den Bau angefangen. Dann stellte man fest, dass das falsche Material verwendet wurde… Eisen statt Aluminium. Das Boot war statisch so nicht brauchbar, eine Korrektur zu teuer. Also schob man es einfach auf die Küste. Die Eigentümer der Insel dürfen es nicht bewegen, der Eigentümer des Wracks versteckt sich selbst vor Kaufangeboten. So bleibt der Status quo. Im Grund ein Schandfleck für Valdivia. Andererseits ein Paradebeispiel für die allgemeine Problemlösungsstrategie offizieller Stellen in Chile, welche wir gerade am eigenen Leib erfahren.

Am ersten Wochenende kommen die Nachbarn von der gegenüberliegenden Kanalseite zu einem Parilla vorbei. In Argentinien hieß das noch Asado, aber das Grundprinzip bleibt gleich: Fleisch auf Feuer! Jeder bringt etwas mit. Pisco-Sour ist unheimlich lecker und echt gefährlich. Über den offenen Flammen steht eine große Metallschüssel. Etwas Öl und dann Würstchen und Fleisch rein. Grillen mal anders. Mjammm! Die insgesamt fünf Kinder zwischen 7 und 13 Jahren spielen zwischen den Bäumen, später machen sie Marshmallows für alle. Wir sind willkommen. Vielen Dank für einen tollen Abend!

Knapp zwei Wochen bleiben wir hier… zumindest fürs Erste. Dann fahren wir für ein paar Tage (trotz immer noch geltender Quarantäne ;-) zurück zum CYV. Eine Lieferung vom Supermarkt, Besuch vom Honorarkonsul, Müllentsorgung, Ölwechsel und andere Kleinigkeiten wollen erledigt werden. Und inzwischen kristallisiert sich auch immer mehr heraus, wie wir die nächsten Wochen und Monate weiter machen wollen wollen. Nicht unbedingt zur uneingeschränkten Freude von La Skipper, doch es ist ja noch nichts in Stein gemeißelt. Jedenfalls wird dieser Tage offiziell die chilenische Grenze für Touristen geöffnet. Auch wenn das offiziell nur für den Flughafen von Santiago gilt, so hoffen wir weiter. Dabei haben wir immer eine beruhigende Gewissheit: wir haben hier in Chile einen Platz, zu dem wir immer wieder zurück kommen können und auch werden… ein zweites Zuhause… die Isla Haverbeck!

Danke!

Samuels Tierwelt-Spezial: Hunde in Valdivia

Schon als wir das erste mal als wir Land bei Valdivia betraten, haben wir Hunde gesehen. Maila mag Hunde normalerweise nicht, aber die in Valdivia waren sehr nett. Als erstes streichelte Maila die „kleine“ Bruna. Später konnte ich sie sogar überreden, Bella zu streicheln. Bella ist ungefähr so groß wie Maila selbst, liegt aber meistens nur herum. Bruna hat ganz glattes Fell und ist meistens sehr „schmusig“. Bellas Fell hingegen ist ganz schön flauschig und dreckig. Sie liegt immer nur herum und es ist ihr egal, ob man sie streichelt. Nach ungefähr zwei Wochen hatten wir Bella sogar soweit, dass sie mit dem Schwanz wackelt. Wenn wir kommen. Aber bewegen tut Bella sich nicht.

Bruna mag es gerne bequem auf Bella!

Maila und ich wollten eines Tages wieder zu den beiden Hunden und sahen drei! Ein Hund war hinzugekommen. Er war noch jung und sehr flauschig. Sein Name ist Dimon. Er ist neugierig und knabbert gerne irgendwo dran. Ich konnte Dimon aber problemlos auf den Arm nehmen. Dort tut er auch absolut nichts außer herumliegen. Später kommt Dimon tatsächlich auch zu uns wenn er uns sieht. Und gerade an dem Tag, wo wir zu Loki (einem anderen Hund, den wir schon kannten) wollten, kommt Dimon mit zum Steg. Wir konnten ihn leider nicht mitnehmen, sodass er winselnd vor unserm Boot stehen blieb.

Dann ging es zurück zu Loki nach La Estancilla. Mehr von unserem ersten Besuch hier unter Hoffen in Valdivia. Jetzt sahen wir ihn zuerst am Steg. Er war mit einer anderen jungen Hündin zusammen. Ihr Name war, wie wir später herausfanden, Chanell. Anfangs erkannte Loki uns nicht, aber als wir mit ihm auf der Wiese waren, fing er wieder an mit uns zu spielen. Chanell war noch jung und verspielt, aber auch verschmust. Sie hat in ihren aktiven Phasen auch gerne mal meine Hose angeknabbert. Loki war ganz schön gewachsen. Als wir kurz nach unserer Ankunft hier das erste mal bei Loki waren, war er noch sehr klein und liebte einen bestimmten Ball. Er rannte hinter ihm her und wollte ihn nicht loslassen. Er liebte es auch mir das Gesicht ab zu lecken.

Als wir mit Loki wieder vertraut waren, bemerkten wir, dass er immer noch einen Drang hatte, mir das Gesicht abzuschlecken und wir bemerkten, dass er nicht mehr so verrückt nach dem Ball war. Das hing vielleicht auch damit zusammen, dass Chanell immer mit ihm spielte und er sich über eine Pause freute. Loki war aber auch größer geworden. Das sieht man daran, dass er deutlich einfacher an mein Gesicht herankommt.

Loki stört das schmutzige Fell nicht…

Und er konnte mich in zwischen auch schon um schmeißen. Das war zum Beispiel auf dem Steg einmal der Fall. Da hat Loki mich umgeworfen, mich fast am Gesicht abgeleckt und ist weggegangen. Dann kam Chanell und fand es auf mir gemütlich. Sie setzte sich auf meinen Bauch und bliebt liegen. Ab und zu drehte sie sich und versuchte mir das Gesicht abzulecken. Das gelang ihr aber meistens nicht.

Eines heißen Tages blieb Chanell sogar den ganzen Tag neben unserem Boot und wir ließen sie sogar auf das Boot (aber nur kurz). Chanell hatte einen Trinknapf nach draußen gestellt bekommen und hat sich neben ihm in den Schatten gelegt. Dort blieb sie dann liegen. Am Abend sollte ich sie wieder rüberbringen. Das habe ich getan. Chanell war gerade verschlafen und ließ sich sogar auf dem Rücken tragen. Das heißt: ich hielt Chanell mit dem Bauch nach oben in meinen zusammengefalteten Armen. Das linke Vorderpfötchen hing über meinem Arm und ihr Kopf schaute müde nach vorne. Als ich sie wieder abgesetzt hatte, ging sie in ihr Körbchen, rollte sich zusammen und schlief ein.

Ich lief zurück, und Mama, Papa und Maila haben auch schon die Abendplanung vorbereitet. Die restlichen Tage verliefen normal. Als wir beschlossen wieder nach Valdivia zu fahren verabschiedeten wir uns von den beiden Hunden und freuten und auf Bruna, Bella und Dimon.

Samuel

P.S. Bei den drei Hunden erwarteten wir auch noch ein Paket, wo Weihnachtsgeschenke drin waren.

¡Feliz Navidad!

Valdivia, 24. Dezember 2020

Heute ist Heiligabend, schon wieder ein Jahr vergangen. Es flog dahin und zog sich doch zugleich wie Kaugummi. Ich gebe zu, so manches Jahr zwar gelebt, das dabei erlebte aber nicht mehr der Jahreszahl zuordnen zu können. Der Mensch vergisst und oft brennen sich nur ganz besondere Ereignisse ins Langzeitgedächtnis. Unnötig zu sagen, dass 2020 da realistische Chancen auf einen der vordersten Plätze der nicht nur jüngeren Vergangenheit hat.

Nun also das zweite Weihnachtsfest auf unserer kleinen Reise. Im Gegensatz zum letzten Jahr haben wir heute sogar einen kleinen Weihnachtsbaum. Neben einigen mitgebrachten Kugeln unseres Baumschmucks der letzten Jahre hängen von den Kindern selbstgemachte Scherenschnittsterne. Maila hat noch einen besonders schönen großen Stern gebastelt und Samuel aus seinen Steckis einen Weihnachtsmann mit Zweitbäumchen beigesteuert. Von den leckeren Plätzchen ist kaum noch etwas übrig, doch gleich backen wir noch Kuchennachschub.

Gerade auf Langfahrt mit Kindern ist das mit den Geschenken ja ohnehin so eine Sache. Erschwerend kommt hinzu, dass unser letzter Stadtbummel sagenhafte sieben Monate her ist. Im Mai hatten wir zugegebener Maßen noch nicht an Weihnachten gedacht. Umso schöner ist die Hilfe, welche wir erfahren. Vor Ort organisiert unser Honorarkonsul mehr als nur Weihnachtspapier und aus Deutschland kam rechtzeitig zum Fest ein großes Paket an.

Wir haben der Versuchung widerstanden, es sofort aufzumachen. Es sind natürlich nicht nur Weihnachtsgaben, sondern auch einige Dinge für das Boot darin… aber die werden dann halt spontan in Geschenke für den Skipper umgewidmet. Wir alle können die Bescherung kaum noch erwarten.

Trotzdem ist das mit der Weihnachtsstimmung so eine Sache. Kinder haben es da naturgemäß leichter. Heute erwachten beide mit einem Lächeln und der Feststellung, dass nun endlich Weihnachten ist. Bei Erwachsenen gehört oft eine gehörige Portion Kindheitserinnerung dazu. Gelebte Traditionen. Natürlich schauen wir hier auch Weihnachtsfilme, über die Lautsprecher wechselt sich der Webchannel „Weihnachtshits“ von Radio Teddy mit alten und neuen Weihnachts-CDs ab. Und doch ist es – wenig überraschend – völlig anders. Einen Weihnachtsmarkt würden wir selbst dann nicht finden, wenn wir in die Stadt gehen dürften. Und Glühwein im Sommer passt auch nur bedingt. Zeit für neue Traditionen?!

Schließlich fehlt natürlich auch die daheim gebliebene Familie. Doch auch das wäre dieses Jahr anders gewesen. Sandra hätte wie üblich Weihnachtsdienst im Krankenhaus, eine angemessene Quarantäne zum Besuch der Eltern damit unmöglich. Selbst in der gleichen Stadt wären wir zum Fest genauso getrennt, wie wir es nun über Kontinente hinweg sind. Und auch den neuen Familiennachwuchs (Willkommen Lore!!!) hätten wir nicht persönlich in Mecklenburg-Vorpommern besuchen dürfen. Wenigstens haben wir hier ein gutes WiFi für Videotelefonie.

Weihnachten 2020 ist anders, doch der Kern bleibt unangetastet. Wir sind nicht nur dankbar uns zu haben, sondern gerade in diesen Zeiten froh, dass es uns und unseren Familien gut geht. Unsere Gedanken sind bei all den Menschen, die wir lieben und kennen und wünschen der Welt von Herzen ein frohes, friedliches und gesundes Weihnachtsfest!