Abschied von der klebrigen Insel

Aruba, 12. Dezember 2021

Aruba klebt. Das hören und erleben wir mehr als einmal. Auch wir sind fast zwei Monate hier. Wenigstens mit einer guten Ausrede: Impfung! Den ersten Piks bekommen wir drei Wochen nach Einreise (4.11.), den zweiten Piks drei Wochen danach (25.11.) und der Impfschutz gilt zwei Wochen später (9.12). Wie es der Zufall will, tut sich unmittelbar danach ein Wetterfenster Richtung Osten auf. Also los, bevor wir hier festkleben.

Die letzten Tage stehen im Zeichen der Vorbereitung. Einkaufen, ordentlich auf- sowie einräumen und der Skipper legt sich noch einen Barbershop-typischen Kurzhaarschnitt zu. Wir fahren Richtung Renaissance-Marine zum Tanken und natürlich nutzen wir den Wasseranschluss am Steg auch nochmal für Großwäsche.

Entspanntes Einkaufen im Super Food…
Mjam!

Aber natürlich klappern wir auch noch ein paar touristische Inselziele ab. Neben den Stränden möchte La Skipper insbesondere das erleuchtete Weihnachtshaus Cas di Luz sehen. Leider werden wir enttäuscht. Bei unserem späten Besuch ist alles dunkel. Erst ein paar Tage später erstrahlt es in voller Schönheit. Für uns ist das zu spät, doch Jörg von der Sissi hat uns ein paar schöne Fotos geschickt.

Caz di Luz…
… nach unserer Abfahrt beleuchtet!
3x (c) SY Sissi
Auch viele große Kreisverkehre sind geschmückt

Tja und dann klebt es natürlich auch mal wieder oder auch immer noch an unserem Rumpf. Erstaunlich, wie schnell das alles zuwachsen kann. Samuel und der Skipper bemühen sich mit Spachteln das Gröbste an Widerstand zu beseitigen. Sehr zum Unmut der Fischwelt, die sich zuvor gerne am Rumpf-Buffet der Samai gütlich getan hat.

Bienenkofferfisch am Buffet der Samai
Doch Samuel sucht und findet natürlich auch andere Tiere der Umgebung

Auf andere Eindrücke könnten wir gerne verzichten, kommen jedoch leider nicht drumherum. Zwar in einiger Entfernung, wohl aber gut in Sichtweite befindet sich die große Müllkippe von Aruba. Natürlich – wie eigentlich alles, was qualmen und stinken kann – auf der windabgewandten Seite der Insel. Meist döst der Berg da ruhig vor sich hin. Doch manchmal bricht ein Feuer aus. Es braucht nicht viel Fantasie sich vorzustellen, was die Flammen da so verzehren… und was für einen Qualm das geben kann. Da schätzt sich jeder Segler glücklich, wenn die Windrichtung die Schwaden nicht über den Hafen treibt.

Es brennt mal wieder auf der Müllkippe
Blick vom Cockpit der Samai :-(

Ein anderer Zeitgenosse, der irgendwie an der Varadero Marina klebt, ist ein feiger Hund. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit seinem (bzw. mutmaßlich ihrem) zerzaustem Fell und noch den Resten einer Leine am Halsband baumelnd streift das Tier immer wieder über den Steg. Aus einem braunen und einem weiß-blauen, wohl kaum noch gesunden Auge schaut sie die Menschen traurig an und weicht bei Annäherung von weniger als einem Meter ängstlich aus. Sie bekommt von einigen hier immer mal wieder etwas Futter, lässt aber niemanden an sich ran. Dieser arme Hund muss fürchterliche Erfahrungen gemacht haben.

Eine ganz eigene Geschichte erzählt das Boot, auf dessen Platz wir uns bei unserer Ankunft vor knapp zwei Monaten(!) eigentlichen legen sollen. Sie sind schon einige Monate in Aruba, auch um einige dringende Dinge am und im Boot zu erledigen. Nach dem Einbau neuer Lithium-Akkus (inkl. Management-System) macht eine der 24(!) Batterien Probleme. Und dann spinnt ganz unverhofft auch noch der Generator. Gerade ohne letzteren kann man natürlich nicht abfahren. Man überbrückt die Zeit mit einer Kolumbien-Rundreise, bei der man dummerweise die Impfpässe vergisst. Ein teures Vergnügen, da man für die Einreise in Aruba aus Kolumbien seinen Gelbfieberschutz nachweisen muss. Irgendwann schaffen sie es doch wieder zurück auf ihr Boot, an dem in der Zwischenzeit natürlich rein gar nichts erledigt wurde.

In der Varadero Marina liegen viele große Fischerboote…
Sonnenuntergang aus dem Cockpit

So sehen wir sie also auch und unserer Abfahrt immer noch dort liegen, wo sie schon bei unserer Ankunft waren. Ein paar Tage später erfahren wir, dass nun endlich ein neuer Generator an Bord genommen werden konnte. Ein Manöver mit Hindernissen. Erst blockiert das Ruder vor dem Hafen (im Dauerstillstand festkorrodiert?!) und lässt das Boot eine Weile zwischen Stegen und Flachstellen treiben. Dann bringt der neue 3-Takt Generator ganze 150kg auf die Waage und sorgt für ordentlich Schlagseite nach Steuerbord. Ach ja, die Batterien machen Probleme. Immer noch oder schon wieder? Und dann wird uns noch zugetragen, dass der in seinem optischen Auftreten ausgesprochen „präsente“ Skipper beim Müll wegbringen von seinem E-Roller abgeworfen wird und sich eine Rippe anknackst. Manchmal läuft es nicht rund. Wie auch immer, kurz vor Weihnachten haben sie den Absprung zur Dominikanischen Republik dann doch noch geschafft. Wir wünschen alles Gute für die weitere Reise!

Wir sind zu diesem Zeitpunkt schon längst gemütlich auf Bonaire angekommen. Doch davon ein anderes Mal mehr…

Abschied von der Varadero Marina… im Hintergrund der Hooiberg

Bonaire, 21. Dezember (Nachtrag)

Heute schreibt uns Jörg von der SY Sissi, dass er mit seinem inzwischen angekommenen Neffen noch bis Anfang Januar auf Aruba bleibt, um sich Boostern zu lassen. Aber dann geht es wirklich los. Also echt! Erwähnte ich schon, dass die Insel klebt? ;-)

2 Kommentare zu „Abschied von der klebrigen Insel“

  1. Ich gratuliere zur gelungenen Abreise. Wir haben beschlossen, die Klebekraft wirklich zu überwinden. Gestern ist bei der Wiederinbetriebnahme das Filtergehäuse des Watermakers auf unserer Sissi explodiert. Das Ersatzteil lasse ich nach Bonaire schicken.

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