Samuel fährt Offroad!

6. Dezember 2021

Der Jeep wird langsamer. Wir sind an einer Klippe. Es sieht atemberaubend aus. Zwei Vögel, ein Braunmantel-Austernfischer und ihr Baby sitzen vor den Klippen. Der Grund des Anhaltens ist einfach und doch erschreckend. Ich soll den Wagen fahren. Ja ich weiß! In der Schrottkarre von Eddi zu fahren und in einem Mietwagen zu fahren sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Ich steige nun hinters Steuer. Bislang bin ich immer nur Schaltwagen (Eddies rotem Flitzer) gefahren. Doch der Jeep ist ein Automatikwagen. Der Motor startet und ich bin wieder so aufgeregt wie bei meiner ersten Fahrstunde. Vor mir liegt keine Straße sondern Piste. Nur Erde.

Ich trete langsam aufs Gaspedal… und nehme den Fuß sofort wieder herunter. Der Wagen ruckt kurz nach vorn und bleibt dann wieder stehen. Nach einer kurzen Einweisung, dass mein linker Fuß nichts auf der Bremse zu suchen hat, schaffe ich es langsam anzufahren. Es ist aufregend, doch mindestens genauso schmerzhaft. Mein linker Fuß verkrampft sich immer wieder und ich zwinge ihn zu entspannen, was dann für ein bis drei Sekunden hält.

Nach einigen Auf- und Abstiegen habe ich den Dreh raus. Es fällt mir inzwischen leichter, mich nicht zu verkrampfen. Ich folge der Piste, fahre durch die ein oder andere Pfütze hindurch und über Waschbretter. Also nicht über echte. Es geht um die, die auf der Straße entstehen wenn Autos an den Stellen oft Bremsen.

Bei einem kleinen Aussichtspunkt machen wir Halt. Alle steigen aus, nur ich nicht. Aber nicht weil ich festgewachsen bin, sondern weil eine Kolonne Strandfahrzeuge, geführt von einem grimmigen Führer, der uns anhupt, den Weg entlangfährt, auf der sich meine Tür befindet. Wir hätten uns keinen besseren Punkt für die Pause aussuchen können.

Während der Pause beobachte ich einen Grashüpfer. Die Landschaft ist auch hier atemberaubend. Die Wellen klatschen an den Felsen empor und das Wasser ist weiß vor Schaum. An diesem Ort trinken wir auch unsere letzte Cola, die In der Kühltruhe dabei ist. Mailas war gut, doch meine… sie lag Kopfüber in der Kühltruhe und die ausgetrunkenen Bierdosen sind ausgelaufen. Würg!

Der letzte Part kommt. Wir sehen schon den Asphalt von der Straße, die zum Leuchtturm führt. Es gibt nur noch ein Hindernis. Ein riesiger Steinhaufen ist die Auffahrt. Ja, das mag sich wie Übertreibung anhören, doch das ist keine.

Geschafft!!!

Der Motor heult auf als ich Gas gebe. Wir bleiben wenige Meter vor dem Ziel stehen. Mein rechter Fuß ist auf der Bremse als Jörg, der neben mir sitzt, den Vierradantrieb einschaltet. Die Steigung fühlt sich in dem Auto fast an wie 160 Grad. Natürlich sind es viel weniger. Als ich zögerlich den Fuß von der Bremse nehme, bleiben wir wo wir sind und als ich dann Gas gebe, kommen wir den Steinhaufen mühelos hinauf.

Das bin ich alles mit dem Jeep gefahren!

Ab da übernimmt Papa, weil ich nicht in dem Straßenverkehr fahren möchte. Das wollen die anderen im Auto auch nicht. ;-) Doch ich habe mich auch in den Verkehr getraut. Und zwar mit dem Auto von Jörg. Es sitzt neben mir und sagt mir dann, wo ich lang fahren soll. Da kommt auch schon mal Gegenverkehr.

Am morgen des Tages, an dem wir den Jeep abgeben müssen, fahre ich auch noch einmal mit ihm. Wir geben den Wagen ab und Papa fährt uns halb zurück. Ja, nur halb denn den Rest fahre ich als Vergleich „roter Flitzer gegen Jeep“. Tag und Nacht beschreiben die Unterschiede der beiden Wagen nicht ansatzweise ausreichend.

Ein paar Tage später fahren wir zu einem guten Fisch-Restaurant, weil meine Großeltern in Kladow – vielen Dank an dieser Stelle noch einmal! – mich und meine Familie zum Geburtstag zum Essen eingeladen haben. Leider ist das Restaurant voll und wir müssen umdrehen. Egal, gehen wir eben in Bonaire zum Essen. Doch ich war derjenige, der den Weg zurück zum Boot fährt. Und das wobei es fast schon dunkel ist. Die letzte Fahrt auf Aruba mit einem Auto. Und die bei Nacht, also dem Ende eines Tages. Passt irgendwie… findet ihr nicht? Doch wie der Tag die Nacht immer wieder ablöst, wird auch irgendwann wieder der Tag anbrechen, an dem ich erneut Auto fahre.

Samuel

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