Ausblicke am Sombrero Chino und von Isla Bartolomé

Galápagos-Inseln, 15. Februar 2021

Nach unserer ersten Nacht an Bord der Angelito I dürfen wir fast schon ausschlafen. Faktisch steigen wir erst um acht Uhr in die Zodiacs. Zum Vormittagsausflug geht es zum „Chinesischen Hut“.

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)
Der Name kommt nicht von ungefähr!

Kaum unterwegs, sehen wir unsere ersten Galápagos-Pinguine. Immer noch auf der Südhalbkugel sind das die nördlichsten Vertreter ihrer Vogelfamilie.

Bei der nassen Landung am Strand werden wir tierisch empfangen. Ein paniertes Robbenkind, Lavareiher und Pelikane zeigen sich jedoch weitgehend desinteressiert.

Sofort fällt uns auch die Beschaffenheit des weißen Sandes und mehr noch die kleinen, weißen Steinchen auf, die sich auch später immer mal wieder finden: Korallen.

Maja führt uns über die Insel und wird nicht müde, ihren unglaublichen Wissensschatz mit uns zu teilen. Die aromatisch duftenden gelben Blüten der haarigen Galápagos-Tomaten, Wolfsmilchgewächse, kleine Ziegenkopfsamen (wer die bei Trockenheit knacken kann, der überlebt!).

Galápagos-Tomate
Ziegenkopfsamen… wohl dem, der Schuhe trägt.

Ihre Antworten kommen meist schneller als unsere Fragen. Doch wir haben ja noch fünf neugierige Kinder dabei. Denen fällt immer noch was ein und Maja nimmt die Herausforderung ihrer Fragenflut tapfer an.

Nicht verzweifeln… ist doch nur noch EINE Frage! ;-)

Der Vulkan selbst darf nicht bestiegen werden. Das liegt unter anderem auch an sich den überall durch den Untergrund ziehenden Lavatunneln. Auch in Küstennähe sehen wir mehrere, wobei sich einer davon besonders gut zum Durchkrabbeln eignet… zumindest für die kleineren Gäste.

Am Wendepunkt unseres Spaziergangs wimmelt es vor rauschender Brandung von Seelöwen, Lavaechsen und roten Klippenkrabben.

Von letzteren liegen auch immer mal wieder „T-Shirts“ herum. So nennen wir die leeren Hüllen, welche die Krabben nach ihrer Häutung zurücklassen.

Später werden wir dann noch Zeuge einer ganz besonderen Auseinandersetzung. Mitten auf dem Weg streiten sich zwei Einsiedlerkrebse um eine schützende Behausung. In der zunehmenden Hitze ist das ein gefährliches Unterfangen, insbesondere für den Verlierer. Doch Schneckenhäuser in passender Größe liegen hier auch nicht gerade rum wie Sand am Meer. Wer überleben will, muss kämpfen…

… und natürlich auch trinken!

Es wird immer heißer. Da kommt eine Abkühlung sehr gelegen. Noch vor dem Mittagessen machen wir unseren ersten Schnorchelausflug. Recht flaches Wasser, ein paar Fische, auch mal ein Seelöwe und vor allem viel Spaß.

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Am Nachmittag erreichen wir nach gut 1-stündiger Fahrt die Isla Bartolomé. Hier steht eine kleine Vulkanwanderung auf dem Programm

Quelle: Bittmann / Fugger – „Galápagos“ (mit Ergänzungen von Maja Homberger)

Das nahe liegende und doch hinreichend ferne Ziel ist der Aussichtspunkt ganz oben. Querfeldein ist dabei absolut tabu. Direkt von der Landungsstelle zieht sich ein langer Holzweg mit fast 400 Stufen am Hang entlang in die Höhe.

Dabei hatte schon der Bau dieses Weges Probleme mit sich gebracht. In dem verwendeten Holz hatten sich Ameisennester versteckt. Die eingeschleppten Tiere haben der hiesigen, spärlichen Fauna wenig überraschend nicht sehr gut getan. Inzwischen wurde der Fehler korrigiert und die wenigen verbliebenen Ameisen gehören auf die Insel. Ansonsten sehen wir abgesehen von ein paar Lavaechsen keine Tiere.

Ohnehin fragen wir uns, wie es tierisches Leben auf dieser Insel überhaupt schaffen soll. Die Landschaft ist – vorsichtig gesagt – karg. In der Landschaft verteilte Magmabomen zeugen ebenso davon, dass es sich hier um einen explosiven Vulkan handelt, wie die glitzernden Metalle und Spurenelemente.

Die wenigen Pflanzen leben vom Tau. Kleine sie schützenden Härchen sorgen dafür, dass ihre eigentlich grüne Farbe als schmutziges grau erscheint. Zudem sondern sie über ihre flachen Wurzeln Herbizide ab, damit andere Pflanzen nicht zu nahe kommen. Bei knappen Ressourcen wir mit allen Mitteln ums Überleben gekämpft. Schnelles Wachstum ist ebenso ausgeschlossen. Maja zeigt uns einen Lavakaktus (eine sogenannte „Pionierpflanze“), den sie schon seit 34 Jahren kennt. Immerhin hat er seine Größe in dieser Zeit nahezu verdoppelt.

Ein alter Bekannter!

Damit es bei all dieser Kargheit nicht zu langweilig wird, kamen ein paar Guides auf die Idee der „Geburtstagsstufe“. Entsprechend der Anzahl Tage ist der jeweilige Monatsletzte und folgende -erste an den Stufen markiert. So wandert man sich durch den Jahreskalender empor und macht an seiner ganz persönlichen Geburtstagsstufe eine besonders ausgiebige Pause.

Zugegeben zieht sich dieser Ausflug für die Kinder trotzdem etwas in die Länge. Doch sie machen tapfer mit. Endlich am Gipfel angekommen, genießen wir die grandiose Aussicht.

Da kommen wir her und da müssen wir wieder hin…

Nerd-Wissen: Die Galápagos-Inseln waren Schauplatz im Film „Master & Commander“ mit Russel Crowe. So wurde die Eröffnungsszene genau hier, auf der Isla Bartolomé gedreht. Es war das erste Mal, dass eine „Nicht-Dokumentation“ hier filmen durfte.

Der Abstieg beginnt…

Zurück am Anlandungsplatz haben es sich wieder Seelöwen bequem gemacht. Auf so einer eben planierten Treppe liegt es sich auch viel schöner als auf kantigen Steinen.

Zurück im Zodiac machen wir dann noch eine kleine Rundfahrt und werden mit Galápagos-Pinguinen und in den Felsen liegenden Seelöwen belohnt.

Zurück an Bord müssen wir erst einmal kräftig durchatmen. Was für ein ereignisreicher Tag. Wie lange sind wir jetzt schon hier? Seit gestern?? Das kann nicht sein… es fühlt sich so viel länger an. Und doch war das im Grunde doch erst der Anfang…

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