City Tour in Georgetown

28. März 2022

Keine Zeit zum Ausruhen. Kaum gelandet steigen wir zu unserem wie immer überpünklichen und immerfreundlichen Fahrer Sugrim. Auf dem Weg zum Hotel machen wir die für die morgigen Rückreise notwendigen Schnelltests. Schon wieder gehen 90€ letztlich nur dafür drauf, vier Blatt Papier mit „negativ“ und offiziellem Stempel zu bekommen. Das nervt!

Dann sammeln wir noch unseren Guide Carlos ein und kaum ist das Gepäck, beim immer noch eher gelangweilt als serviceorientiert wirkenden Personal des Hotels, abgeworfen beginnt unsere City-Tour durch Georgetown.

Impressionen…

Wie die ganze Region hat auch die heutige Hauptstadt Guyanas eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Von den Franzosen 1781 unter dem Namen Longchamps gegründet, wird sie nach der Rückgabe der Kolonie an die Niederländer (je nach Quelle) 2-3 Jahre später in Stabroek umbenannt. Im Jahr 1814 erhalten die Briten die Kolonie und die Stadt bekommt zu Ehren des damaligen Königs Georg III. Ihren heutigen Namen Georgetown. Mit der Unabhängigkeit Guyanas am 26. Mai 1966 wird Georgetown offizielle Hauptstadt.

Erst einmal fahren wir an die Küste zum Seawall. Heute eher etwas verschlafen, tobt am Wochenende hier das Leben. Fressbuden versorgen die Abend- und Nachtschwärmer mit festen und flüssigen Leckereien. Ein Ausbau für den etwas gehobeneren Geschmack ist in Arbeit, aber das dauert wohl noch etwas.

Wir halten am 1823 Monument. Hier wird der Demerara Rebellion vom 18. August 1823 gedacht. Etwa 13.000 Sklaven erhoben sich auf etwa 37 Anwesen größtenteils gewaltfrei gegen die harten Bedingungen und Misshandlungen. Die Antwort kam schnell und drastisch. Der Gouverneur erklärte sofort das Kriegsrecht. Nach nur zwei Tagen war die Rebellion brutal niedergeschlagen. Etwa 100-150 Aufständische starben, weitere wurden verfolgt und teilweise zum Tode verurteilt. Die Rebellion war kurz und hatte doch ihren Einfluss darauf, dass „nur“ 10 Jahre später beschlossen wurde, die Sklaverei in den Britischen Kolonien endlich abzuschaffen. Schrittweise. In Guyana bedeutete das mit Wirkung vom 1. August 1834 die Freiheit für 84.915 Menschen! Also fast. Im Anschluss herrschte noch vier Jahre lang Arbeitspflicht…

Der Besuch des Guyana National Park ist unbestrittener Höhepunkt unserer kleinen Tour. Jetzt nicht wegen der besonderen Naturschönheit des Parks. Er dient eher der sportlichen Ertüchtigung und als Treffpunkt bei großen Festen, wie beispielsweise Ostern. Dann ist der Weg voller Menschen und von Buden gesäumt. Eine schöne Geste ist das Children’s Monument. Wenn diese Rechte doch auch nur umgesetzt würden!

Die echte Attraktion ist aber der See. Besser gesagt seine Bewohner. Etwa ein Dutzend Manatis (Rundschwanzseekühe) haben hier ihr Zuhause gefunden und lassen sich gerne mit frischem Gras füttern und sogar streicheln…

Ach ja, zwei Brillen- bzw. Krokodilkaimane leben auch am See. Ist aber noch nie etwas passiert…

Danach kommt der touristische Teil unserer Stadtrundfahrt. Am Ausgang der Parks steht ein Totem. Zumindest ist diese ursprünglich aus Nordamerika kommende Tradition wie schon in Surama auch hier von lokalen Künstlern mit landestypischen Motiven gestaltet.

Samuel hat aber eher ein Auge für die umherfliegenden Vögel. Sehr zur Begeisterung unseres Guides Carlos, der auch Birdwatcher ist und sich diese Begeisterung auch von seinem eigenen Sohn wünschen würde.

Braunwangensittich
Liktormaskentyrann
Schneckenbussard
Riesenani
Venezuelaamazone
Kuhreiher
Gelbkinn-Riedschlüpfer

Natürlich darf auch das obligatorische Touri-Foto am „I love…“-Schild nicht fehlen. Gleich daneben bittet das Guyana Marine Turtle Monument um Aufmerksamkeit. Danach fahren wir auf unsere eigenen Bitte noch zu einem Shop, in dem es Andenken geben soll. Aber ganz ehrlich… die Auswahl und Qualität in diesem China-Kaufhaus ist so übel, dass wir günstig davon kommen.

Hier soll es Souvenirs geben?!

Im weiteren Verlauf entpuppt sich unsere City-Tour eher als Drive-Through. Vorbei an den Residenzen der Staatsoberhäupter fahren wir in Richtung Zentrum. Das Nationalmuseum ist geschlossen. Am grenzwertig chaotischen Stabroek Market steigen wir auch nicht aus. Seit 1842 als offizieller Markt anerkannt erstreckt er sich auf etwa 7000m2. Das 1881 fertig gestellte Marktgebäude ist vermutlich die älteste noch in Gebrauch befindliche Struktur der Stadt. Trotzdem sind wir noch allzu böse, uns nicht ins Gewühl zu stürzen. Der Eindruck aus dem Wagen reicht.

Wir passieren repräsentative Residenzen und Botschaften, fahren vorbei am High Court, dem Parliament Building und der City Hall. Insbesondere letzterer stünde ein Eimer Farbe gut zur Fassade. Immer wieder sehen wir Gotteshäusern verschiedener Provenienz, die hier einmütig neben- und miteinander leben.

Residenz des Premier Ministers
Besuch für den Präsidenten?
City Hall
Parliament Building
High Court

Am 1763 Monument steigen wir noch einmal aus. Es ist ein Nationaldenkmal, mit dem an den Berbice-Sklavenaufstand erinnert wird. Die erste große Sklavenrevolte Südamerikas mit etwa 3000 Rebellen begann am 23. Februar 1763. Der politische Führer Coffey ist heute Nationalheld von Guyana. Er selbst erlebte das Ende des Aufstands am 15. April 1764 jedoch nicht mehr lebend. Schon im Oktober hatte er nach internen Streitigkeiten Selbstmord begangen. Auch diesem Aufstand folgten Hinrichtungen, deren anschließende Kritik daran sich jedoch vor allem auf dem Verlust von Arbeitskräften gründete. Anders als 1823 änderte sich durch diesen Aufstand jedoch praktisch nichts an den unmenschlichen Umständen.

Nationalheld Coffey

Eigentlich steht nun noch der Besuch von Botanischem und Zoologischen Garten auf dem Programm. Leider ist beides geschlossen. Letzte Nachwirkungen der hier ansonsten kaum spürbaren Pandemie. Wir halten trotzdem kurz an und erhaschen von draußen einen Blick auf den Nationalvogel Panamas: eine beeindruckende Harpyie.

Geschlossener Zoo von außen.
Majestätische Harpyie in Gefangenschaft
Rotstirn-Blatthühnchen in Freiheit

Tja, das war es dann auch schon. Während wir mit Guide Carlos bei KFC auf unser Abendessen-to-go warten, holt Fahrer Sugrim die Testergebnisse ab. Überraschung: Wir sind alle negativ. Damit steht unserem Rückflug nichts mehr im Weg. Morgen geht es zurück nach Hause… auf unsere Samai.

Letzter Abend in Georgetown
Übersicht unserer kleinen Guyana-Rundreise

5 Kommentare zu „City Tour in Georgetown“

  1. Wie immer, sehr interessant und das mit dem Manatis ist ja cool 😊
    Aber eine Frage hätte ich doch noch. Was hat das mit dem Stacheldraht auf sich? Schutz vor Einbrecher?
    Liebe Grüße,
    Roland

    1. Die Manatis waren echt sooooooo süß! Welchen Stacheldraht meinst Du? Die paar Dinger auf dem Eingangstor vom Park? Keine Ahnung. Das kann eigentlich nur der Optik geschuldet sein, da der Park ansonsten ziemlich frei zugänglich ist. War wohl auch ein Grund, warum er auch zu Hochzeiten der Pandemie nie geschlossen wurde…
      liebe Grüße,
      Micha

      1. Ach das… ganz normaler Schutz des Eigetums. Georgetown ist jetzt nicht gerade ein kleines „Paradis auf Erden“. Das Foto entstand im Zentrum nahe der Kirche. Ohnehin nicht die feinste Gegendder Stadt…

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