Happy Holi!

Suriname, 18. März 2022

Heute ist der erste Vollmond im Monat Phalgun. Dieser zwölfte Monat des hinduistischen Kalenders fällt in den Februar/März. Und an diesem besonderen Tag wird das Frühlingsfest Holi gefeiert. Dem halbwegs weltoffenen Europäer ist es sicher als „Fest der Farben“ bekannt. Ja, genau das Fest, bei dem sich die Feiernden gegenseitig mit bunten Farben bewerfen und schmücken. In (vor allem Nord-)Indien dauern die Feiern mindestens zwei, mancherorts aber auch bis zu zehn Tage! Und was hat Südamerika damit zu tun?

Zumindest in dieser Gegend erstaunlich viel. Die Bevölkerung von Suriname ist „multikulti“ im besten Sinne. Etwas mehr als ein Viertel ist indischer Herkunft, der Hinduismus nach dem Christentum die zweitwichtigste Religion des Landes. Holi ist in Suriname ein offizieller Feiertag! Obwohl das bunte Treiben auf offener Straße aktuell einer gewissen Pandemie weitgehend zum Opfer fällt, sehen wir schon seit Tagen die entsprechenden Farb-Utensilien in nahezu jedem Geschäft. Zumindest hinter geschlossen Türen scheint es heute bunt zu werden.

Im benachbarten Guyana dürfte das alles noch eine Nummer größer sein. Schließlich ist in diesem Land fast die Hälfte der Bevölkerung indischer Herkunft. Auch hier ist heute ein Feiertag und auch hier dürften ausgelassene Feiern weitgehend ausfallen. Morgen werden wir wohl definitiv nichts mehr davon mitbekommen. Schade.

Moment mal. Wie jetzt? Wieso wir?? Ja, morgen geht es nach Guyana. Nein, nicht mit unserer Samai. Die soll dort nicht alleine liegen, während wir das wunderschöne Land erkunden. Suriname ist da dann doch um einiges sicherer. So lassen wir unser zu Hause also hier an der Mooring des Harbour Resort Domburg und machen uns mit dem Flugzeug auf die letzte Rundreise unserer kleinen Auszeit unter Segeln. Auf dem Plan stehen neben der Hauptstadt Georgetown und den obligatorischen Kaieteur-Wasserfällen das von Regenwald bedeckte Landesinnere. Der Reiseplan liest sich spannend und wir sind alle schon sehr aufgeregt!

Als kleine Konsequenz wird es die nächsten eineinhalb Wochen etwas ruhiger auf diesem Blog sein. Wir haben es leider nicht geschafft, ausreichend vorzuschreiben. Und das mit der Internetanbindung ist im Dschungel fast ebenso zuverlässig wie auf hoher See… also eher mau. Doch schon am 29. März sind wir wieder zurück an Bord. Hoffentlich vollgestopft mit neuen, tollen Eindrücken und dem unbändigen Drang, diese mit euch zu teilen.

Also bis bald!

Viertes Etmal – Windige Nacht

26. Februar 2022, Bordzeit: 13:30 Uhr
Position: 07° 00,2‘ N / 055° 56,5‘ W

Der Wind hat im Laufe des Tages wie angesagt zugenommen und bläst beständig mit 5-6 Bft. Unsere Samai läuft gut. So richtig nervig ist allerdings der Weststrom. Von vorne rechts kommt uns das Wasser mit konstant über 2kn entgegen. Hört das denn niemals auf? Wenigstens macht sich jetzt das Vorhalten der letzten Tage bezahlt. Wir laufen nicht Gefahr, zu sehr nach West und damit in den Bereich noch stärkerer Strömung und potenziell schlechterer Winde abzudriften.

Sonnenuntergang

Nach 22 Uhr wird es unruhig. Die erste dunkle Wolke geht mit über 30kn Wind durch. Trotz gerefftem Großsegel mache ich die Schot auf und falle ab, um Druck rauszunehmen. Danach pendelt es sich bei 6-7 Bft. ein. Wir rauschen durch die Dunkelheit.

Die Nacht bietet interessante Winde

Kurz nach Mitternacht nutze ich eine kleine „Verschnaufpause“ bei 5-6 Bft. um die große Fock ein- und die kleinere Kutterfock auszurollen. Auch das Großsegel geht nun ins dritte Reff. Auch wenn es direkt danach sogar mal auf 4 Bft. runtergeht, bleibe ich dabei. Es ist einfach zu unbeständig. Und mit dieser Besegelung sind wir auch in der Drake-Passage schon gut durch die Nacht gekommen… wobei es da dann aber doch noch etwas mehr geblasen hatte. Das Boot liegt nun auch unter dunklen Wolken deutlich ruhiger. Da nehme ich den kleinen Geschwindigkeitsabfall gerne in Kauf.

Sonnenaufgang

Im Laufe des endlich mal wieder sonnigeren Vormittags beruhigt es sich. Gerade konnten wir wieder komplett ausreffen und haben sogar das Bimini aufgeklappt. Nun sind es keine 100sm mehr bis nach Suriname. Morgen kommen wir an… zurück in Südamerika!

Drittes Etmal – Reffen bringt Ruhe

25. Februar 2022, Bordzeit: 13:30 Uhr
Position: 08° 35,2‘ N / 056° 27,9‘ W

Der Tag ist wieder recht ruhig. Nur manchmal kommen 5‘er Böen durch. Trotzdem reffe ich das Großsegel. Eigentlich unnötig, aber damit wird mein Mittagsschlaf einfach entspannter. Kaum bin ich nach zwei Stunden wieder aus dem Bett, geht auch das Segel gleich wieder hoch. Höchste Zeit!

Doch schon um Mitternacht reffe ich wieder ein. Auch jetzt eigentlich unnötig, da sich der Wind auf ziemlich konstante 4-5 eingependelt hat. Aber damit sind meine Power-Nickerchen einfach entspannter. Das habe ich mir ja schon vor langer Zeit angewöhnt. Wenn die Nacht es zulässt, lege ich mich in der Nachtwache immer mal wieder kurz hin. Der Handywecker auf der Brust holt mich zuverlässig alle plus-minus 30 Minuten hoch und ich spule das Standardprogramm ab. Blick auf die Windentwicklung, ggf. Anpassung von Segeln und Kurs sowie Prüfung auf andere Schiffe in der Nähe über AIS, den aktiven Radarreflektor sowie einen obligatorischen Rundumblick. Und wenn alles passt, kommt der Handywecker wieder auf die Brust…

Gerade auf diesem Törn ist es allerdings auch absolut notwendig, dass ich nachts eine Mütze Schlaf finde. La Skipper fällt mit übler Migräne weitgehend aus. Hoffentlich geht es ihr bald wieder besser!

Bei diesem Kraut bringt auch das Angeln nichts…

Der graue, regnerische Morgen macht auch niemandem so richtig Spaß. Aber hey, wir segeln! Weiterhin halte ich etwas vor. Immer mal wieder ziehen Regenwolken mit 6 Bft. durch. Aber letztlich alles im entspannten Rahmen… besonders mit gerefftem Großsegel.

Zweites Etmal – Entspannt neben dem Kurs

24. Februar 2022, Bordzeit: 13:30 Uhr
Position: 10° 03,7‘ N / 057° 08,0‘ W

Im Laufe des Tages nimmt der Wind ab, behält aber seine günstige Richtung. Nur die neue Wettervorsage ist nicht so toll. Der Wind soll rechtdrehen (also auf der Windrose im Uhrzeigersinn von Nordost auf Ost bis Ostsüdost) und auf konstante 5-6 Bft. zunehmen. Dazu der Strom von vorne links, der uns auch nochmal verschiebt. Damit sieht es für unseren Kurs Richtung Südost nicht gut aus. Hmmm… ich treffe eine Entscheidung. Obwohl wir aktuell direkt Richtung Suriname segeln könnten, ändere ich den Kurs und halte vor. Eigentlich ein blödes Gefühl, absichtlich „daneben zu segeln“. Manchmal aber notwendig.

Am Abend gibt es dann kurz Panik unter Deck. Da wir so schön ruhig segeln, haben wir das Dachfenster im Salon etwas geöffnet. Der leichte Windhauch tut einfach nur gut. Allerdings hat unvermittelt auch ein kleiner Fliegender Fisch seinen Weg durch die Luke gefunden und zappelt auf dem Boden neben der Navi-Ecke. Samuel reagiert am schnellsten, greift beherzt zu und wirft unseren Gast wieder in sein Element.

Kleine Fliegende Fische…
… in ihrem Element :-)

Die Nacht ist ruhig. Teilweise mit kaum 10kn Wind schon fast zu ruhig. Und dazu kommen dann noch diese komischen Winddreher. Eigentlich ist der Himmel recht klar. Trotzdem ändert sich die Windrichtung immer mal wieder spontan um bis zu 30 Grad. Der Autopilot ist nicht auf einen festen Kurs, sondern relativ zur Windrichtung eingestellt. Das ist unter Segeln einfach entspannter, sorgt nun aber auch dafür, dass wir fast schon Schlangenlinien fahren.

links Windrichtung – rechts Windstärke… in der letzten Stunde

Den Abschluss dieses Etmals bildet der Besuch einer großen Schule von Spinnerdelfinen. Immer wieder gern gesehene Gäste!

Die Delfinschule kommt näher…
… und Samuel geht an den Bug.

Erstes Etmal – Leb wohl Karibik!

23. Februar 2022, Bordzeit: 13:30 Uhr
Position: 11° 30,9‘ N / 058° 41,6‘ W

So, das erste Etmal liegt hinter uns. Kurze Erklärung für Nichtsegler: als Etmal bezeichnet man die innerhalb von 24 Stunden zurückgelegte Strecke. Ok, eigentlich bezieht sich das auf die Zeit zwischen Mittag und Mittag gemäß lokalem Sonnenhöchststand. Aber wir wollen mal nicht so sein. Auf dieser kurzen Fahrt rechne ich das vereinfacht ab dem Anker-auf um 13:30 Uhr in Barbados. Ach ja, viele Segler geben in diesem Zusammenhang auch gerne die tatsächlich zurückgelegten Seemeilen an. Ganz besonders, wenn guter Wind und schiebender Strom für beachtliche Zahlen gesorgt haben. Aber damit haben wir schon vor langer Zeit aufgehört…

Kaum sind wir ausklariert, holen wir den Anker auf und setzen erst einmal das Großsegel. Noch ein letztes Mal geht es quer durch die Carlisle Bay. Draußen ankert wie schon bei unserer Ankunft die „Queen Victoria“, deren klassischen Linien und Ausstrahlung man bei modernen Kreuzfahrern so überhaupt nicht mehr findet. Ein Party-Kat kreuzt den Weg. Auf dem Weg zur Südspitze ist es etwas unruhig. Immer wieder ziehen ordentliche Windfelder durch. Das beruhigt sich jedoch, als wir die „Abdeckung“ der Insel verlassen. Barbados bleibt achteraus. Damit verlassen wir nun auch die Karibik. Vor uns liegt der mehr oder weniger offene Atlantik.

Karibik bleibt achteraus!
Kinder schauen voraus!

Der Wind pendelt sich bei 4-5 Bft. aus Nordost ein. Das ist richtig gut und wir kommen unter Vollzeug (also mit Großsegel und Fock) trotz natürlich mal wieder vorhandenem Gegenstrom recht schnell voran. Nur einmal, natürlich um 3 Uhr nachts, zieht eine dunkle Wolke mit 6 Windstärken über uns. Zum Reffen habe ich keine Lust. Es geht auch einfacher… Großschot fieren, damit das Großsegel öffnen und Druck rausnehmen, reicht für so eine Windzelle vollkommen aus. Der Rest der Nacht verläuft ruhig. So bekomme ich wenigstens ein bisschen Schlaf…

Guten Morgen…
… auf dem Atlantik!