St. George’s Cathedral in Guyana

Georgetown, 20. März 2022

Ähnlich wie Suriname zeichnet sich die Bevölkerung von Guyana durch eine große ethnische Vielfalt aus: über 40% indische, ca. 30% afrikanische, knapp 20% gemischte und knapp 10% indigene Herkunft plus ein paar Chinesen und Portugiesen. Das spiegelt sich auch in den vertretenen Religionen wider, wobei die über 50% Christen (verschiedenster Richtungen!) für missionarische Erfolge während der Kolonialzeit sprechen. Dazu kommen gut 30% Hindus, etwa 7% Muslime, einige Atheisten plus Rastafari sowie natürlich verschiedene ethnische Religionen indigener Völker. Und im Gegensatz zu unerfreulich vielen anderen Teilen der Welt gibt es praktische keinerlei religiöse Differenzen. Die christlichen Ostern und Weihnachten sind ebenso von allen begangene Feiertage wie die hinduistischen Holi und Diwali sowie das islamische Opferfest und Maulid an-Nabī. Auch hier zeigen sich Ähnlichkeiten zwischen Guyana und Suriname.

Eine andere Gemeinsamkeit der zwei Nachbarländer ist das friedlichen Nebeneinander der verschiedenen Gotteshäuser. Und beide Hauptstädte haben eine beachtliche, Ende des 19. Jahrhunderts gebaute, jeweils über 40m hohe Holzkathedrale! Heute besuchen wir die anglikanische St. George’s Cathedral in Guyanas Hauptstadt Georgetown.

Schon von weitem sehen wir den weiß strahlenden Turm über die benachbarten Dächer ragen. Das tut er nun schon über 100 Jahre lang. Auf dem Standort verschiedener Vorgängerkirchen wird der heutige Bau am 21. November 1889 begonnen, am 8. November 1894 geweiht und 1899 abgeschlossen. Und die Kathedrale ist wirklich komplett aus Holz. Mit seinen 143ft (43,5m) hohen Turm ist sie so lange die höchste Holzkirche der Welt, bis 2003 die rumänische Peri-Săpânţa Monastery (246ft!) fertig gestellt wird.

Wir haben Glück. Der sonntägliche Gottesdienst scheint noch nicht lange beendet, so dass die Türen noch offen stehen. Einige Tage später erfahren wir, dass das in den aktuellen Zeiten nicht üblich sei. So bekommen wir eine seltene Chance, die anglikanische Kathedrale im gotischen Stil nicht nur von außen, sondern auch von innen zu besichtigen. Es lohnt sich.

Nur der kleine Seiteneingang ist geöffnet

Auf der Ostseite dominiert ein großer, von Buntglasfenstern umrahmter Hochaltar im Kirchenchor den Innenraum. Ein echter Hingucker ist die Orgel direkt daneben.

Dem gegenüber sind die restlichen Fenster einfarbig in Lila- bzw. Gelbtönen gehalten und tauchen den Innenraum in ein besonderes Licht. Überall erinnern Gedenktafeln und fast schon unscheinbar in einer hinteren Ecke steht ein wunderschönes Taufbecken.

Als Gottesdienstbesucher sollte man sich jedoch seinen Sitzplatz gut überlegen. Unübersehbare Spuren auf den dicken Querbalken unter der Decke bezeugen, dass nicht nur Menschen sich hier wohlfühlen.

Das ist aber nur eine kleine Randnotiz und kann den Gesamteindruck nicht schmälern. Die St. George’s Cathedral ist ein Ruhepol inmitten des oft chaotischen Georgetown und wirklich ein wunderschönes Gotteshaus.

Auch die Sint-Petrus-en-Pauluskathedraal in Suriname ist einen Besuch wert!