Und ewig lockt die 2do-Liste

Valdivia, (Süd-)Frühling 2020

Nicht nur wenn man auf längerer Fahrt ist, führt man an Bord eines Segelbootes selbstredend eine „2do-Liste“. Das ist nicht immer schön. Schon gar nicht, wenn sich mal wieder ein neuer, absolut unerwarteter Punkt einreiht. Aber es hilft ja nichts.

Der Kühlschrank an Bord war ja schon mehrfach Thema. Einmal rauschte er im Seegang einfach aus seiner Verankerung. Ein anderes Mal bemerkten wir, dass das Licht auch bei geschlossener Tür brennt (… das muss ich mir in der Tat nochmal anschauen). Nun also der Griff. Man zieht daran und entriegelt damit die Tür. Doch nach einem unachtsamen Abrutschen hatte dieser Griff plötzlich ungewöhnlich viel Spiel. Schlimmer noch, er verriegelte die Tür nicht mehr richtig. Grmpf!

Der Griff an sich war ja schnell ausgebaut. An die Innereien kam ich aber nicht im Guten ran. Erst nachdem ich mit der Akku-Flex vorsichtig den Knubbel der Haltestange weggefräst hatte, lag das Schloss in seinen Einzelteilen vor mir und bestätigte meinen Verdacht: gebrochene Feder. Und nein, so eine spezielle Feder war hier nicht zu finden. Nun gut, wenn die Feder nun kürzer ist, was liegt dann näher als auch den Spielraum der Feder zu verkürzen. Ich klebte also eine kleine Mutter in das Schloss, so dass das nun so halbwegs passen sollte. Was soll ich sagen, zu meiner eigenen Überraschung hat es funktioniert. Der Griff hat kein Spiel mehr und die Tür schließt fest. Trotzdem haben wir zur Sicherheit ein neues Schloss bestellt… es sollte mit dem nächsten „Care-Paket“ aus Deutschland bei uns eintreffen.

Eingeklebte Mutter verringert das Spiel der gebrochenen Feder… und das klappt sogar!

Und dann ist da noch der Abluftschlauch unserer Dieselheizung. Der führt im Heck hinter dem Ruderquadranten durch einen wirklich schönen Stauraum und er wird wirklich schön heiß. Über den Atlantik hatten wir da unten unseren Außenborder gestaut. Er lag auf der Abdeckplane des Dinghys. Tja und eben diese Abdeckplane hat von eben diesem Abluftrohr seitdem ein schönes Loch eingebrannt bekommen. Später hatten wir da unten Dieselkanister gestaut. Natürlich hatte ich auf das Abluftrohr geachtet. Doch im Seegang kam es anders. In der Antarktis bemerkten wir plötzlich Diesel in der Bilge. Grmpf!

Das wird heiß… da kann es schmoren :-(

Ja, einer der Kanister war diesem Abluftrohr zu nahe und bekam ein kleines Loch eingeschmolzen. Also mal ehrlich, so konnte das doch nicht weiter gehen. In Valdivia besorgte uns unser Honorarkonsul schließlich eine große Holzplatte… von der Resterampe für gerade mal gut 2€! Perfekt!!! Mit der Akku-Stichsäge tastete ich mich und das Holz langsam an die passenden Formen.

Das ist mal wieder Geduld gefragt ;-)
Das sollte reichen…

Nun endlich ist diese leidige Rohr abgedeckt, den Brennpunkt von Holz wird es dann mutmaßlich (hoffentlich ;-) doch nicht erreichen. So kann nun auch dieser Stauraum endlich richtig ausgenutzt werden. Auf so einem – zumindest für Blauwassersegler – so kleinen Boot wie unserer Samai ist das eminent wichtig.

… und der knappe Stauraum ist endlich gefahrlos nutzbar :-)

Ein weiteres Problem war einer unserer Cockpit-Plotter. Erst ging er nur hin und wieder mal unmotiviert aus. Dann immer öfter. Schließlich blieb der Schirm konstant dunkel. Ehrlich gesagt war das aber auch kein Wunder, wenn man mal einen Blick in den Stromstecker wirft. Einer der vier Anschlüsse war recht offensichtlich korrodiert. Auch hier kam Ersatz aus Deutschland… zur Sicherheit gleich zweimal.

Leider stellte sich beim Verkabeln dann heraus, dass auch einige der Stromkabel sich nach dem Abisolieren eher grau-schwarz als metallisch-glänzend präsentieren. Man braucht nicht viel Phantasie für die ernüchternde Feststellung, dass sich hier die nächste Baustelle ankündigt. Doch dazu hatte ich an diesem Tag nun wirklich keine Lust mehr ;-)

Der Antennenadapter für das Satellitentelefon hatte sich ja schon vor einiger Zeit verabschiedet. Aber jetzt mal ehrlich… diese dünne Kabelchen ist doch an Bord einer Langfahrtyacht doch auch alles andere als alltagstauglich, oder?! Ersatz bekamen wir im letzten „Care-Paket“ aus Deutschland und mit ausreichend vulkanisierendem Tape um die Sollbruchstelle ist das nun auch deutlich stabiler.

Auch der Kohlebehälter von unserem Lotus-Grill hatte sich nach intensiver Nutzung, nicht zuletzt in den kalten Kanälen Patagoniens, seinen Lebensabend redlich verdient!

Und mit dem rechten haben wir noch bis zuletzt gegrillt!!!

So arbeiten auch wir uns durch die allgegenwärtige 2do-Liste. Zumindest immer dann, wenn der innere Müßiggang genug Motivation dafür erübrigt. Jeder durchgestrichene Punkt bringt Erleichterung, ein Lächeln auf die Lippen und manches Mal sogar so etwas wie ein kleines wenig Stolz mit sich.

Trotzdem wird mir jeder Skipper darin beipflichten, dass es letztlich ein Kampf gegen Windmühlen ist. Beruhigend und auch motivierende ist jedoch der Gedanke, dass diese Windmühlen nicht irgendwo in Spanien stehen, sondern unmittelbar unser Boot betreffen… unser Zuhause… und für dieses lohnt sich jeder Griff und jede Mühe… letztlich ist es doch für uns!

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