Durch den Canal Refugio zur Bahía Tictoc

04. – 09. August 2020

Canal Refugio

Wir hatten einige Seemeilen vor uns und dabei auch mal wieder einen für seine Strömung bekannten Kanal zu passieren. Also machten wir uns schon kurz nach sechs Uhr noch im Dunkeln auf den Weg und genossen kurz danach den schönen Sonnenaufgang.

Ausfahrt Seno Gala
Einfahrt Canal Refugio

Wie geplant lief der Gezeitenstrom fast die ganze Zeit mit uns. Im Canal Refugio selbst blies es uns dann zwar kanalisiert auf die Nase. Doch schon kurz danach fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein, nur wenig Schwell und leider mal wieder zu schwachem Segelwind, weiter nach Norden. Zu schön, wenn das jetzt noch unter Segeln möglich gewesen wäre. Bedauerlicherweise musste der Skipper die auch so entspannt-schöne Fahrt an Deck allein genießen. La Skipper lag mit Migräne aus dem Spiel genommen unter Deck. Die Kinder nutzten die ausgefallene Aufsicht für Schulfrei.

Ausfahrt Canal Refugio auf den Golfo Corcovado

2.49 Puerto Juan Yates (Bahía Tictoc)

Der ein klein wenig Abseits der Hauptsegelroute gelegene Ankerplatz Puerto Juan Yates in der Bahía Tictoc (sic!) wird von der blauen Bibel als „one of the prettiest and safest in the area“ gerühmt. Schnell war dem Skipper klar: „Da will ich hin!“. Zumal die Vorhersage für die nächsten Tage teils sehr kräftige Böen aus nördlichen Richtungen versprach. Hier sollten wir diese geschützt abwettern können.

Ankunft Bahía Tictoc

Den besten Schutz bietet die NW-Ecke, die von Osten kommend leicht zwischen der Küste und einer kleinen Insel zu erreichen ist. Zumindest, wenn da nicht diese lange Fischerleine gespannt wäre. So schlichen wir uns von der anderen Seite heran. Der Blick wanderte zwischen naher Küste an Backbord und Tiefenmesser, da die ansonsten nur spärlich mit Tiefenangabe ausgestattete Karte für diesen Weg deutlich Steine verzeichnet hat. Später bei Niedrigwasser sahen wir sie dann auch aus dem Wasser schauen.

Tückische Steine in der Zufahrt von Südwesten, doch…
… diese Leine versperrt die Zufahrt von Osten.

In Anbetracht der Wettervorhersage legten wir uns in eine Nische mit ausreichender Tiefe so dicht wie möglich an die schützenden Bäume. Dabei musste der Anleger diesmal besonders flott von der Hand gehen. Die Untiefe an Steuerbord war dicht und lag in Lee des glücklicherweise noch schwachen Windes. Der Nachmittag war dann sogar sonnig, bevor in der Nacht regnerischer Starkwind über uns herzuziehen begann. Wie erhofft, lagen wir ziemlich gut geschützt. Das Meiste zog über uns hinweg in die sich vor uns öffnende Bucht. Diese bot uns den faszinierenden Anblick von Böen aus verschiedensten Richtungen, die immer wieder andere Bereiche des Wassers aufpeitschten. Obwohl eigentlich aus Nordwest (also von hinten) kommender Hauptwindrichtung erreichten uns dabei hin und wieder auch ein paar Böen direkt von vorne. Ein weiteres Paradebeispiel für lokale Windeffekte. Zur Sicherheit brachten wir noch ein paar weitere Landleinen aus.

Wieder einmal haben wir uns…
… ganz dicht an die Küste gekuschelt :-)

Bei allem meteorologischem Unbill war die Aussicht mal wieder atemberaubend schön. Das kleine, dicht bewaldete Archipel, dahinter die Küstenberge und natürlich bekamen wir auch tierischen Besuch. Die nahe gelegene Pinguinkolonie ist im Winter zwar verlassen. Dafür spielten zwei Seelöwen eine ganze Weile um das Boot, stupsten ans Dinghy und ließen sich von der trotz Nieselregen begeisterten Crew bewundern.

Nachschau bei einem warmen Kakao.

Nach vier unruhigen Nächten beruhigte es sich endlich ein wenig. Zeit für einen kleinen Strandausflug. Mit dem Dinghy paddelten wir zur nächsten Insel. Einerseits wollten wir eine mögliche Abkürzung für die Weiterfahrt erkunden. Doch schon auf den ersten Blick war klar, dass wir mit der Samai nicht durch diese schlecht kartierte Engstelle fahren würden. Andererseits brauchte die Crew endlich mal wieder Auslauf.

Nach insgesamt fünf Nächten machten wir uns dann mit der Samai wieder auf den Weg. Begleitet von Pelikanschwärmen fuhren wir den kleinen Schlenker südlich um die am Vortrag besuchte Insel. Doch ganz außen herum wollten wir nicht. Die Passage zwischen den Inseln war zwar inzwischen schon gewohnt schlecht kartiert, doch immerhin scheinen Steine ja recht zuverlässig eingezeichnet zu sein. In dieser Hinsicht gab es also fast nur die Engstelle im Norden zu beachten. Natürlich war La Skipper mal wieder begeistert und eilte so schnell wie selten gesehen zur Ausschau an den Bug. Letztlich kamen wir gut durch. Damit verließen wir die Festlandseite. Vor uns lagen der Golfo de Corcovado und die Isla de Chiloé.

2.49 Puerto Juan Yates
2.49 Puerto Juan Yates (Detail)