Canal Smyth (1) – Enge Zufahrten in Caleta Teokita & Caleta Dardé

24. – 25. Juni 2020

Caleta Teokita (Puerto Profundo)

Nach einer unspektakulären Leichtwind-Querung des westlichen Endes der Magellanstraße erreichten wir das Südende des Canal Smyth. Nur La Skipper kämpfte leider mit eine kleinen Migräne. Die Kinder nutzten die indisponierte Lehrerkraft natürlich schamlos aus… der Spielecomputer lief zu Ihrer großen Freude die glücklicher Weise nicht allzulange Überfahrt im Dauerbetrieb. Selbst der morgendliche Regen ließ im Laufe des Tages nach und die Wolkendecke brach auf. Tatsächlich schien sich nun wirklich mal ein stabiles Winterhoch einzustellen. Die Vorhersage versprach sonnig-kalte Tage bei über 1020mbar.

Blick zurück über die Magellanstraße
Islotes Fairway in der Einfahrt zum Canal Smyth

Es gibt Buchten, da genügt dem Skipper ein schneller Blick auf die Zeichnung und er weiß: „Da will ich unbedingt rein!“. Genau so eine Bucht war die Caleta Teokita. Wir erreichten die Einfahrt bei schönstem Sonnenschein. Aber wo war diese Einfahrt nur? Mutig fuhren wir auf den gesetzten GPS-Ansteuerungspunkt zu und tatsächlich… da öffnete sich die flache, waldige Küste und zeigte eine SEHR enge Durchfahrt. La Skipper stand hellauf begeistert am Bug. Doch es lohnte sich. Es öffnete sich eine wunderschöne, rundum bewachsene Bucht, die wir natürlich ganz für uns alleine hatten. Der Anker fiel im hinteren Ende und es wurden mal wieder drei Landleinen ausgebracht, wobei auch Samuel immer sicherer den Palstek knüpfte.

Hier geht es rein!

Während die Damen an Bord den von der Motorfahrt gut mit warmen Wasser gefüllten Boiler bei ihrer ersten Dusche seit Ushuaia leerten, zog es die ungewaschenen Herren an Land. Samuel sammelte schon mal trockenes Holz für das nächste Lagerfeuer, der Skipper kämpfte sich durch das Unterholz den kleinen Hang hoch, wanderte etwas im sumpfigen Gras umher und genoss schließlich den grandiosen Ausblick von einer kleinen Erhöhung.

Der Kanal erstrahlte tiefblau, die Berge weiter im offensichtlich noch kälteren Inland waren ausnahmslos weiß. Plötzlich erklang ein heller Mädchenruf… unsere Abenteuer-Kinder hatten einen Weg nach oben gefunden… natürlich!

Der auch nachts klare Himmel hatte jedoch auch einen klaren Nachteil… es war noch kälter als ohnehin schon. Morgens zeigte das Thermometer lediglich 7°C unter Deck, das Kondenswasser an den Scheiben war teilweise gefroren (… von innen natürlich!) und auf dem morgendlich ruhigen Wasser zeigte sich bei Sonnenaufgang mal wieder leichte Eisbildung.

Und so knirschten wir uns der tief stehenden Sonne entgegen Richtung Ausfahrt. Sie war immer noch eng und auch die am Vortag bewährte Kelp-Wache am Bug leistete erneut hervorragende Arbeit.

Weiter auf dem Canal Smyth nach Norden…
6.44 Puerto Profundo (Detail Caleta Teokita)

Canal Smyth

Das schön-kalte Winterwetter hielt sich und wir genossen eine sonnige Fahrt.

Das mit dem Genuss einer Bootstour sah ein gefiederter Gast anscheinend ähnlich. Der kleine Raubvogel bliebe lange an Bord, mal vorne, mal hinten, je nachdem wo einem die menschlichen Passagiere gerade mehr Ruhe ließen, und in Momenten besonderer Entspannung verrichtete er dann auch gleich mal sein Geschäft. Mehrfach. Na super!

Paso Shoal ist ein sich eng windender Abschnitt, der von Kapitänen größerer Schiffe besondere Aufmerksamkeit verlangt. Dementsprechend hatten wir so eine Leuchtfeuerdichte wie hier auch schon länger nicht gesehen. Das Mahnmal der Notwendigkeit war weithin sichtbar. Vom 1904 havarierten Dampfer „Hazel Branch“ ist nichts mehr zu sehen, die an gleicher Stelle verunglückte „Santa Leonor“ (USA) rostet warnend vor sich hin.

6.41 Caleta Dardé (Isla Hose)

Am Ziel angekommen waren wir dann nicht sehr verwundert, hinter einer etwas weniger engen Einfahrt mal wieder von einer teilweise zugefrorenen Bucht empfangen zu werden. Natürlich war die Seite mit den empfohlenen Liegeplätzen betroffen, aber das Eis war nicht sonderlich dick. Bei der Erkundungstour brachen wir uns einen Kanal, die Crew machte sich mit Dinghy und Leinen auf zum Ufer, während der Skipper etwas weiter draußen den Anker fallen ließ. Die Fernbedienung für die elektrische Ankerwinsch war wirklich eine gute Investition.

Einfahrt zur Caleta Dardé
Kanal im dünnen Eis
Abendstimmung

Samuel brannte darauf, endlich mal wieder ein Lagerfeuer zu machen, doch leider wurde hier daraus nichts. Es gab zwar zwei kleine, nicht direkt bewachsene Buchten, doch die hatten schon früher einmal leider weniger rücksichtsvollen Besuch bekommen. Ein altes Zelt, Glas- und Plastikflaschen ein Sprühdose und noch einiges andere Zeug lagen herum. Nein, hier würden wir es uns nicht gemütlich machen können. Leider erlaubten unsere sehr eingeschränkten Müllkapazitäten an Bord keine Aufräumaktion. So nahmen wir nur ein paar Kleinigkeiten mit und müssen hoffen, dass einer unserer Nachfolger besser helfen kann. Doch am Besten wäre es natürlich, wenn niemand erst seinen Müll herumliegen lassen würde. Das gilt natürlich uneingeschränkt überall, sei es in der weiten Natur der Chilenischen Kanäle oder auch dem Großstadtdschungel…

Dieses Ufer lädt leider nicht zum Verweilen ein
Eisiger Morgen
6.41 Caleta Dardé

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