Camping im Regenwald

23.-25. März 2022

Direkt bei Ankunft in der Surama Eco Lodge empfängt uns unser neuer Guide Garey. Und schon der erste kurze Spaziergang zeigt, dass wir hier einen sehr erfahrenen und engagierten Dschungelführer haben. Er erzählt uns von der Nutzung der verschiedenen Palmen für den Hausbau, dass der orange Baum-Latex gut für die Haut ist und der schnelle Fluffy Tree Hopper mit seinem Flaum die Vögel verwirrt. Super!

Nach dem Mittagessen heißt es, das kleine Gepäck für die nächsten Tage zu packen. Schon wieder Camping im Regenwald? Das hatten wir doch schon mal. Ja, und trotzdem wird es dieses Mal ganz anders. Kein Motorboot, sondern Paddelkanu. Keine Zelte, sondern Hängematten. Kein Déjà-vu, sondern schöne Ergänzung. Auch Abenteuer-Hasi ist schon bereit!

Nach einem Spaziergang durch Savanne und Wald erreichen wir den Landing-Point. Das Kanu steht schon bereit. Daneben warten Frau und Sohn unseres Guides. Die nächsten Tage werden eine Familienangelegenheit. So paddeln wir über den schmalen Nebenfluss. Das Wasser steht für diese Zeit ungewöhnlich hoch, aber das Ufer zeigt, dass es in der „echten Regenzeit“ noch um einiges mehr ist. Die Brücke am Landing-Point steht dann knietief im Wasser!

Rutschiger Landing Point

Zum leisen Plätschern der Paddel genießen wir es, über das braune Wasser zu gleiten. Die Augen suchen und finden bemerkenswerte Eindrücke.

Nach einiger Zeit erreichen wir den Einmündung zum größeren Buro-Buro River. Nach insgesamt 1½ Stunden Flussfahrt kommt das Camp für die Nacht in Sicht. Nun ja… irgendwie haben wir uns das anders vorgestellt. Auch unser Guide ist wenig begeistert. Es dauert nicht lange, da fällt die Entscheidung zur Weiterfahrt zum nächsten Camp. Eigentlich nur für die zweite Nacht vorgesehen, wird es nun unser Stützpunkt für zwei Nächte. Doch vorher müssen wir erst einmal weiter stromaufwärts paddeln.

Leider nicht sehr einladend :-(
Weiter geht es flussaufwärts…

Wir legen uns ordentlich ins Zeug und kommen recht gut voran. Etwas Eile ist durchaus angesagt. Die Sonne geht bald unter und in den Tropen ist es dann auch innerhalb weniger Minuten stockfinster. Doch als wir eine Gruppe Kapuzineraffen sehen, können wir nicht widerstehen und legen eine Pause ein.

Kurz nach sechs und damit kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir das Camp. Hier sieht es schon viel einladender aus. Schnell die Sachen ausladen, kurz danach brennt im Kochbereich ein Feuer, die Hängematten werden gespannt und bekommen sogar Moskitonetze. Nach leckerem Abendessen fallen wir müde in die ungewohnte Schlafstatt.

Sonnenuntergang im Dschungel

Der Tag beginnt schon früh. Kurz nach Sonnenaufgang sitzen wir beim Frühstück. Und warten. Wir sind nun mal im Regenwald und da kann es schon mal regnen. Die Feuchtigkeit hat aber auch was Gutes. Farbenprächtig präsentiert sich den ganzen Tag immer mal wieder ein hochgiftiger Bumblebee-Frog und macht seinem deutschen Namen Gelbgebänderter Baumsteiger (Dendrobates leucomelas) alle Ehre… auch wenn er eigentlich nur hin und wieder zur Fortpflanzungszeit auf Bäume klettert.

Irgendwann lässt der Regen etwas nach und wir steigen wieder ins Kanu. Und bei den Steinen steigen wir dann auch gleich wieder aus. Darauf wartend bewundern wir unseren Guide, der mit seinem Sohn das Kanu gegen die Strömung in tieferes Wasser buchsiert. Doch dann ist entspanntes Paddeln angesagt. Hin und wieder quetschen wir uns an überhängenden und umgestürzten Bäumen vorbei, hin und wieder hilft die Machete und hin und wieder sorgen Achtbeiner für Unruhe im Boot… aber davon ein anderes Mal mehr ;-) Eines ist jedoch dauerhaft und ungebrochen: Das tolle Gefühl, hier irgendwo im (fast) Nirgendwo durch den Regenwald zu paddeln.

Manchmal muss die Machete ran.
Wespennest

Den Rest des Tages verbringen wir dann direkt im Wald. Vor dem Mittagessen gehen wir auf einen kleinen Spaziergang und nach einem Nickerchen in der Hängematte auf längere Dschungeltour. Wieder sind es nicht zuletzt viele Details, die auch unsere letztlich ungeübten Augen immer besser wahrnehmen. Vor allem Maila entdeckt Kleinigkeiten, die manchmal auch unserem indigenen Guide verborgen geblieben sind.

… ist halb überlebt!
Termiten bei Reparaturarbeiten
Ganzjähriger Herbstboden!
Leider keine Affen in den Palmen…
… wir kehren um!

Nach den bisherigen Erfolgen versuchen wir uns auch hier noch einmal kurz mit Stock, Leine, Haken und Hühnchen. Doch es bleibt bei dem ständigen Zupfen kleiner Fischlein. Ein Piranha in essbarer Größe möchte heute nicht anbeißen.

Heute leider kein Erfolg.

Nach dem Abendessen steigen wir noch einmal in das Kanu. Nachtfahrt! Die Suche ist recht einfach. Mit Taschenlampen leuchten wir alles ab und hoffen darauf, den Schein reflektierender Augen zu sehen. Zwei Amazon Tree Boas (Hundkopfboas), ein Spectacled Caiman (Krokodil- bzw. Brillenkaiman), ein Pauraque (Nachtschwalbe) und Bulldog bzw. Fishing Bats (Hasenmaulfledermäuse) bei ihrer Jagd auf kleine Fische kreuzen unter anderem unseren Weg.

Am Tag ruhen sich die Fledermäuse aus…

Nach zwei Nächten neigt sich unser Camping-Ausflug auch schon wieder seinem Ende zu. Nochmal den Morgen genießen, bei der Hochtrasse der Ameisen vorbei schauen, schließlich alles wieder zusammenpacken und ins Kanu bringen. Ganz gemütlich paddeln, ja treiben wir mit der Strömung flussabwärts. Die Finger gleiten immer mal wieder über die vielen Moskitostiche, die trotz Netz und Repellent den Körper zieren. Doch was ist das für ein Knubbel bei meiner rechten Achsel? Ich musste tatsächlich 50 Jahre alt werden um mir erstmals eine (augenscheinlich gut gesättigte) Zecke rauszuziehen. Immerhin geht von diesen hier keine Gefahr aus.

Früher wohl mal eine Wäscheleine… heute ein Ameisen-HIGHway :-)
Abenteuer-Hase ist bereit für den Rückweg!
Alles gepackt?
Diese Zecke ist satt.

Wieder im kleinen Nebenfluss erfüllt sich dann doch noch unsere große Hoffnung auf eine ganz besondere Sichtung: Riesenotter (Pteronura brasiliensis) sind mit bis zu 2m (davon 70cm Schwanz) und 20kg die größten Süßwasserotter. Gerade als wir an einer ihrer „Hygienebereiche“ (ihre „Geschäfte“ erledigen sie grundsätzlich an Land!) vorbeipaddeln, werfen sich einige davon vor uns ins Wasser. Immer wieder tauchen die Köpfe der geselligen Tiere wie neugierige Periskope aus dem Wasser. So süß! Auch als wir einige Zeit später auf eine zweite Gruppe treffen, können wir uns nicht satt sehen. Ein schöner Abschluss unserer Camping-Tour.

Riesenotter voraus!!!
Immer wieder Hindernisse…
Noch eine Gruppe Riesenotter :-)

Zurück am Landing-Point, dieses Mal rutscht der Skipper auch nicht aus, machen wir uns auf den Rückweg. Alle packen mit an. Durchaus etwas müde aber glücklich erreichen wir die Lodge. Dieser Ausflug hat sich wirklich gelohnt. Ein Höhepunkt unserer kleinen Guyana-Rundreise.

3 Kommentare zu „Camping im Regenwald“

    1. Vielen Dank… und ich kann schon mal verraten, dass da in dieser Woche noch der ein oder andere Beitrag in dieser Richtung kommt. Der Regenwald und seine Bewohner sind einfach zu faszinierend und vielfältig, um das alles in einem Beitrag abzuarbeiten. Selbst wenn wir schon mal aus Ecuador davon berichteten und selbst wenn der aktuelle Betrag einen persönlichen Bilderrekord aufgestellt hat. ;-)
      Liebe Grüße,
      Micha

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