Isla de Chiloé (1) – Estéro Huildad & Caleta Rilán

09. – 10. August 2020

Die Isla de Chiloé ist ein tolles Segelgebiet und einen Besuch mehr als wert. Die Insel beherbergt einen Nationalpark, ihre Holzkirchen gehören zum Weltkulturerbe und die Inselhauptstadt Castro lockt mit bunten Pfalbauten (Palafitos). Wir haben uns schon lange auf den Besuch gefreut. Umso ernüchternder war natürlich die Erkenntnis, dass wir das alles nur vom Wasser aus werden besichtigen können. An Landausflüge war in Zeiten der Quarantäne nicht zu denken, schon gar nicht ohne chilenischen Stempel im Pass. Zu dem leise lächelnden Auge, es hierher auf eigenem Rumpf geschafft zu haben gesellte sich dementsprechend ein laut donnernde Tränenströme ausweinendes Auge. Da half auch die gut gemachte Chiloé-Dokumentation von mareTV nicht wirklich… manchmal liegt die Schönheit um die Ecke allzu fern.

Immer mal wieder Pelikane…

Golfo de Corcovado

Wenigstens konnten wir auf der Überfahrt vom chilenischen Festland zur Isla de Chiloé endlich mal wieder so richtig schön segeln. Nach verhaltenem Anfang nahm der Wind immer mehr zu, kam zwar mehr von vorne und natürlich auch stärker als angesagt, ließ aber die Segel darum betteln rausgeholt zu werden. Dem gab der Skipper gerne nach und ließ das Vollzeug (also ungerefftes Groß- und Vorsegel) auch bei 5-6 Bft. (leicht vorlichem) Halbwind noch stehen. Die Samai flog vom Wind getrieben und leicht vom Strom unterstützt mit locker über 9kn SOG (speed over ground) der Inselküste entgegen. Für unsere kräftige Alu-Dame ist das echt flott und Balsam auf die von langen Motorfahrten geschundene Seele eines Seglers!

Als sich bei unserer Fahrt über den Golfo de Corvodado die Wolken im Laufe des Tages etwas verzogen, zeigte dann auch noch der namensgebende Volcán Corcovado zumindest Schemen seiner imposanten 2.300m. Der Gipfel blieb leider im Grau versteckt.

2.22 Estéro Huildad

Als ersten Zwischenstopp legten wir uns in die etwas nördlich von Quellón gelegene Estéro Huildad. Die Segel mussten erst in der Abdeckung kurz vor der engen Durchfahrt eingeholt werden. Dahinter versprach eine große Bucht mit dichtem Wald guten Schutz.

Über das Fehlen der im Revierführer genannten Fischfarm waren wir nicht böse. Trotzdem bezeugte reger Schiffsverkehr überdeutlich, dass wir nach einsamen Wochen im wilden, patagonischen Süden nun endgültig wieder in die „Zivilisation“ zurückgekehrt waren. Für die Nacht legte sich dann noch ein kleiner Fischer an die benachbarte Boje.

2.22 Estéro Huilad

Golfo de Corcovado

Der nächste Tag war ein Paradebeispiel für „wechselhaftes“ Wetter. Immer wieder zogen Zellen mit Regen, Graupel und kräftigem Wind durch. Jedes Mal holten wir die Fock raus und fast jedes Mal hing sie wenig später wieder schlaff am Vorstag. Nur einmal lohnte es sich für eine Stunde den Motor auszuschalten und das Segelboot seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen. Den Abschluss dieses schönen Intermezzo bildete ein ebensolcher Regenbogen.

Auch mussten wir wieder einmal auf die Gezeiten achten. Strömt es schon durchaus merklich im offenen Golfo Corcovado, so sollte zumindest ein kleines Boot seine Durchfahrt in den angrenzenden Kanälen zeitlich gut planen.

An der Küste dominierten mehr und mehr Häuser, Felder, Wiesen, Kühe und Schafe das Bild. Doch die Bewirtschaftung endete nicht an Land. Auch auf dem Wasser zeigten sich immer häufiger Bojen von Auster- und Netzgehege von Lachsfarmen. Sie geben Zeugnis davon, dass Chile es mittlerweile zum weltweit zweitgrößten Lachsproduzenten gebracht hat.

2.10 Caleta Rilán

Auch in der Caleta Rilán hielten wir uns besser frei von den die Einfahrt dominierenden Zeichen der Zivilisation.

Austerfarmen in der Einfahrt zur Caleta Rilán

Doch wo ist hier am Ufer diese Rampe auf deren Höhe man den Anker werfen sollte. Die angegebenen GPS-Koordinaten lagen sowohl auf der Karte auch der Realität ohnehin wieder einmal an Land. Der hintere Teil der Bucht ist selbst für unsere Samai grenzwertig flach. So fuhren wir bei herrschendem Hochwasser die 4m-Tiefenlinie ab und warfen das Grundeisen davon entsprechend der geplanten Kettenlänge entfernt. Kaum waren wir fest erspähten wir endlich diese ominöse Rampe. Besser gesagt deren Überreste, von denen kaum etwas aus dem Wasser schaute. Das ist dann wohl eher eine nur bedingt geeignete Landmarke.

Diese Landmarke ist nur bei Niedrigwasser eine Hilfe.

Erstmals seit Ushuaia ankerten wir in Nachbarschaft eines richtigen kleinen Ortes. So mit mehreren Häusern, Autos, Menschen und auch vielen anderen Fischerbooten an ihren Bojen. So noch nicht gesehen hatten wir allerdings die maritime Müllabfuhr.

Trotzdem kam die Natur nicht zu kurz. Besonders die hier erstmals so richtig bewusst gesichteten, ihrem Namen alle Ehre machenden Schwarzhalsschwäne zauberten ein Lächeln auf die Gesichter der Crew.

Immerhin durften wir einen wirklich schönen Sonnenuntergang genießen :-)

Doch auch hier hielt es uns nur eine Nacht. An soviel Geschäftigkeit werden wir uns wohl noch etwas gewöhnen müssen. Selbst die Wettervorhersage verführte nicht zum Verweilen. Irgendwann müssten wir ja auch mal in Valdivia ankommen und die nächsten Ankerplätze schienen ruhiger zu sein. Also los…

2.10 Caleta Rilán

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