Letzte Tage in Cartagena

Ende September 2021

Nach unserer kleinen Rundreise bleiben wir tatsächlich noch zwei Wochen in Cartagena. Das hat zunächst einmal mit den Einbauten der neuen, zwei Tage nach uns an Bord angekommenen Geräte zu tun.

Allerdings steht leider ein weiterer Arztbesuch auf dem Programm. Nicht nur das langsam abheilende Bein des Skippers hatte sich entzündet, auch bei Samuel zeichnet sich am linken Ohr eine zunehmend unansehnliche Wunde ab. Unsere Bordärztin rätselt. Ist es eine von Sandmücken übertragene Leishmaniose? Die Inkubationszeit beträgt mindestens einen Monat und im tropischen Lebensraum der Überträger treiben wir uns schon seit Jahresanfang herum. Der stets hilfsbereite Hafenmeister John empfiehlt uns einen Hautarzt, der dankenswerter Weise einen schnellen Termin für uns freimacht. Entwarnung. Es ist dann doch „nur“ Impetigo (Borkenflechte). Sehr zur Freude unseres heranwachsenden Sohnes muss die Stelle nun mehrmals täglich gründlich gewaschen und eingecremt werden. Damit wird es schnell besser, aber sicher noch einige Wochen bis Monate dauern, bis gar nichts mehr zu sehen ist.

Kolumbien ist insbesondere für das Exportgut Kokain bekannt. Auch wenn die Regierung diesem Übel den Kampf angesagt hat, wird das wohl auch noch auf absehbare Zeit so bleiben. Es gibt allerdings noch ein anderes Exportgut, mit dem Kolumbien die ganze Welt versorgt: Smaragde! Eigentlich sind wir mit den Souvenirs ja durch. Doch insbesondere in unserem Mineralien sammelnden Sohn reift immer mehr der Wunsch, sich noch einmal intensiver mit der grünen Spezialität des Landes zu beschäftigen.

Wieder ist es Hafenmeister John, der uns eine gute Empfehlung gibt: „Mister Emerald“ Lee Miles himself. Er wohnt gleich gegenüber der Marina. Nach einem netten Plausch nimmt er uns mit in sein pandemiebedingt seit Monaten geschlossenes Geschäft.

Alle Auslagen sind leer, doch im Hinterzimmer holt er ein paar Schätze für uns hervor. Nicht nur bei Samuel glänzen die Augen, auch Maila erinnert sich an die kürzlich von den Großeltern avisierten monetären Gaben zu den anstehenden Festen. Beide schlagen zu. Samuel kennt mal wieder kaum eine Grenze und entscheidet sich für zwei größere Rohsmaragde und einen kleinen geschliffenen Stein. Maila findet einen wunderschönen Anhänger für sich, den sie aber tatsächlich erst an Ihrem Geburtstag (also im Januar!) tragen möchte. „Mister Emerald“ macht uns einen guten Preis, Maila bekommt eine Kette geschenkt und alle sind glücklich.

Ein letztes Mal durch die Altstadt…

Auf dem Rückweg werfen wir noch einen Blick in das provisorische Goldmuseum der Stadt und machen einen Abstecher zu „Los Zapatos Viejos“. Diese fast 65 Jahre alten, ausgelatschen Stiefel aus Bronze sind eine Hommage an den sehr beliebten lokalen Dichter Luis Carlos López, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur, aber besonders auch seiner Heimat(stadt) ein literarisches Denkmal setzt. Bei unserem Besuch im benachbarten Castillo de San Felipe hatten wir diesen touristischen Pflichttermin verpasst. So posiert die Familie nun halt nicht bei strahlender Sonne, sondern leichtem Nieselregen für die obligatorischen Fotos.

… bis zu den alten Stiefeln!
Ob die mir passen? ;-)

Davon, dass es sich mit Schmuckhandel in Cartagena durchaus gut leben lässt, können wir uns am nächsten Tag bei einem Besuch „Mr. Emerald“ zu Hause überzeugen. Vom seinem Balkon im 16. Stockwerk schweift der Blick über Bucht und Hafen, während unser Gastgeber interessante Geschichten erzählt. Ja, hier lässt es sich in der Tat gut aushalten…

Was für ein Ausblick!!!

Ansonsten ist im Club Nautico alles wie immer. Besonders am Wochenende fahren die großen Partyboote vollbesetzt raus und sorgen für ordentlich Schwell. Ein kleiner „Hühner-Popo“ (ja, dieses lokale Wetterphänomen heißt wirklich „Culo de Pollo“!) zieht durch und zieht zur allgemeinen Überraschung mal keinen Ankerlieger mit sich.

Party-Time
Die Offiziellen kennen auch nur „Volle Kraft voraus!“

Wir lassen noch die Gasflaschen auffüllen und für wenig Geld kratzt uns der Hafentaucher (natürlich auf eigene Rechnung ;-) den Rumpf sauber. Dann ist es endlich soweit. Unser Agent José besorgt das notwendige Zarpe, wir fahren noch einmal zur Tankstelle und dann heißt es „Adiós Cartagena“.

A Mi Ciudad Nativa

Noble rincón de mis abuelos: nada
como evocar, cruzando callejuelas,
los tiempos de la cruz y de la espada,
del ahumado candil y las pajuelas…

Pues ya pasó, ciudad amurallada,
Tu edad de folletín… Las carabelas
se fueron para siempre de tu rada…
¡ya no viene el aceite en botijuelas!

Fuiste heróica en los tiempos coloniales,
cuando tus hijos, águilas caudales,
no eran una caterva de vencejos.

Más hoy, plena de rancio desaliño,
bien pueden inspirar ese cariño
que uno le tiene a sus zapatos viejos.

Luis Carlos López

3 Kommentare zu „Letzte Tage in Cartagena“

    1. Wir sind auch ganz froh, den kleinen Abstecher noch gemacht zu haben. Das Lob für das Bild gebe ich an La Skipper weiter… der Schnappschuss ist von ihr!
      Und ja, wir sind inzwischen (und immer noch) auf Aruba… auch auf dem Blog werden wir bald hier ankommen!
      Liebe Grüße,
      Micha

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