So noch nicht gesehen: Tetra-Rum

Kolumbien, September 2021

Getränkekartons, seien sie nun vom Schweizer Marktführer Tetra Pak oder auch nicht, haben einen durchaus zwiespältigen Ruf. Die Getränkeindustrie preist sie als ausgesprochen umweltfreundlich. Eine vor zwei Jahren im Auftrag des Fachverbandes „Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel“ (sic!) erstellte Studie wird je nach Blickwinkel unterschiedlich interpretiert. Mancher lässt sich zu der Schlagzeile „Frischmilch im Karton besser als in Pfandflaschen“ hinreißen, stellt den Inhalt damit aber wie so oft verkürzt dar. Ein Problem von Getränkekartons ist bei allen (leider mäßig erfolgreichen) Recyclingbemühungen sicher ihr Materialmix im mehrlagigen Verbund mit zunehmenden Plastikanteil.

Für einen Segler auf Langfahrt ist das Tetra Pak jedoch durchaus reizvoll: „unkaputtbar“ (kein Skipper mag Glasscherben in der Bilge), relativ leicht und gut stapel- bzw. staubar. Wir geben zu, an Bord gerne dieser Verpackung zu wählen. Für Milch ist es de-facto-Standard. Gerade in Argentinien und Chile gibt es ausgesprochen günstig-guten Wein im Getränkekarton. In Südamerika werden Gemüse, selbst Fertigsuppen und eingemachtes Obst oft nicht in Konservendosen oder gar Gläsern, sondern im Tetra Pak verkauft. Eine Nutzungsvariante sehen wir jedoch erstmals in Kolumbien.

Da stehen sie nun im Regal arglos nebeneinander. Je ein Liter Rum wahlweise in der Glasflasche und im Tetra Pak. Beide ziert das gleiche Logo. Gleicher Inhalt… kein Unterschied? Oh doch: der Preis. Im Getränkekarton kostet das Getränk gut 15% weniger als in der Glasflasche. Mangels Glasgläsern landet der Tropfen an Bord ohnehin in Polycarbonat bevor er des Skippers Kehle hinunter rinnt. Dazu kommen die anderen, oben angesprochenen „Segler-Argumente“. Da fällt die Wahl ehrlich gesagt nicht allzu schwer.

Ja, natürlich ist es nicht die edelste Sorte Rum, die da in dieser Verpackung angeboten wird. Trotzdem verproviantieren wir uns und haben damit mal wieder etwas an Bord, das wir vorher so nicht nicht gesehen haben: Tetra-Rum…

4 Kommentare zu „So noch nicht gesehen: Tetra-Rum“

  1. Beim Rum ist uns das tatsächlich erst ein einziges Mal untergekommen. Bei der Milch haben wir die Variante „Milchpulver“ für uns entdeckt. Nimmt noch weniger Platz ein und schmeckt uns auch besser als der größte Teil der in der Karibik erhältlichen H-Milch.

    1. Moin Ralf,
      was die Milch angeht, so haben wir in den bisher von uns besuchten „Randgebieten“ der Karibik (Panama, Kolumbien, Aruba) keinen Grund zur Klage. Mal sehen, ob das so bleibt… ich kann mir gut ausmalen, was insbesondere unsere „kulinarisch anspruchsvolle“ Tochter zu Kakao mit Milchpulver sagt…
      Liebe Grüße,
      Micha

      1. Tja, ich hatte da auch meine Vorbehalte. Aber Du machst ja erst wieder Milch aus dem Milchpulver und – wie gesagt – uns schmeckt die besser als H-Milch. 😊

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