Villa de Leyva und das Convento de Santo Ecce-Homo

30./31. August 2021

Früher war ein Großteil von Kolumbien ein riesiges Meer. Also sehr viel früher. Wahrscheinlich wäre es keine gute Idee, im Urmeer herumzuschwimmen. In den Ozeanen des Erdmittelalters gab es furchteinflößende und räuberische Meeresreptilien. Sie waren riesig und hatten scharfe Zähne. Es sind keine Fische und auch keine Dinosaurier, sondern Reptilien. Zum Glück(?!) sind sie aber mit den Dinos ausgestorben, so dass man heutzutage hier wunderbare Tiere ausgraben kann. Einfach überall in der Gegend um Ville de Leyva findet man Fossilien, vor allem aus der Kreidezeit und dem Mesozoikum. Zur großen Begeisterung der Kinder sogar auf Straßenschildern und selbst in den Steinen der Wege und Häuser. Als Baumaterial wird das benutzt, wovon man umgeben ist. Das Dörfchen ist auch deswegen so malerisch, weil es 1954 zum Nationaldenkmal erklärt wurde und damit in seinem ursprünglichen Zustand mit seinen pittoresken Kopfsteinpflasterstraßen und den weißen Häusern erhalten geblieben ist.

Villa de Leyva

Villa de Leyva ist unabhängig von den vielen Fossilien zu Recht als eine der schönsten, wenn auch zunehmend gut besuchten Kolonialstädte Kolumbiens beschrieben. Touristisch geht es vor allem am Wochenende zu, wenn viele Tagesbesucher aus Bogota ins Dörfchen stürmen. Wir sind daher geplant am Montag angekommen. So haben wir in einem wunderhübschen Boutique Hotel mit Pool Ruhe.

Dank der Pandemie ist das Baden zwar etwas umständlich (Termin buchen, Badekappen), Spaß gemacht hat es trotzdem.

Wir verbringen aber nicht so viel Zeit im Hotel, denn das Dorf will erkundet werden und vor allem warten die Fossilien. Gleich drei Museen wollen besucht werden. Die Kinder sind gespannt. Doch zuerst einmal ein kleiner Spaziergang…

Die meisten Dörfer in Kolumbien haben einen Hauptplatz in bester Lage. Der Plaza Mayor in Villa de Leyva ist mit seinen 120x120m wohl einer der größten Stadtplätze von Amerika. Gesäumt von hübschen einstöckigen Kolonialbauten und einer einfachen Pfarrkirche befindet sich auf dem Platz nur ein kleiner Muedejar Brunnen, der seit 4 Jahrhunderten die Bewohner mit Wasser versorgt. Das jahrhundertealte Kopfsteinpflaster trägt sehr zum Charme bei. Hier wurden sogar schon Filme gedreht. Eigentlich hätte der Platz, wie fast überall in Kolumbien, nach Simón Bolívar benannt sein können, aber hier heißt er angenehmerweise mal einfach nur Plaza Mayor – der Hauptplatz.

Plaza Mayor
Kleine Kirche…

Dafür ist ein kleinerer Platz nach Bolívars Hauptmann Antonio Ricaurte benannt, der sich 1814 im Freiheitskampf mit seinen Feinden in die Luft gesprengt hat.

Schon hier sind überall Fossilien zu entdecken!

Auf unserem Weg sehen wir hier zum ersten Mal einen Baum, der derart mit Moosen und Flechten bewachsen ist, dass die Leute ihn den „Bart des alten Mannes“ nennen (… aber er könnt auch „Gandalf“ oder Baumart heißen :-) Wir werden ihm noch sehr oft begegnen.

Museo Paleoentológico

Es ist zwar nur ein kleiner Raum und leider ausschließlich auf Spanisch beschriftet, trotzdem sehr liebevoll arrangiert. Wir sind als Berliner durch das wirklich tolle Naturkundemuseum verwöhnt, finden aber auch hier Erstaunliches. Sehr viele Arten unterschiedlichster Ammoniten, viele weitere Versteinerungen von Pflanzen, Muscheln und anderen Kleintieren sowie Gesteine (Gneis, Basalt, Quarz, Granit, Diorit). Das wäre was für die Sammlung unseres Gesteine und Mineralien liebenden Samuel. Leider gibt es nichts zum mitnehmen. Das Highlight ist natürlich die hintere Partie eines versteinerten Plesiosaurus und der Kopf eines Ichtiosaurier.

Das Museum ist in einer alten Mühle untergebracht…
Klein, aber fein :-)

Hinter dem Museum liegt ein schöner Garten mit vielen einheimischen Blumen und Sträuchern und auch den bärtigen Männern. Selbst hier finden wir Fossilien im Kopfsteinpflaster.

Convento del Santo Ecce Homo

Am Nachmittag machen wir einen interessanten Ausflug zu dem 1620 gegründeten Dominikanerkloster Ecce Homo. Es ist ein wirklich ein großer Stein – und Lehmziegelbau mit einem riesigen, nahezu majestätischen Hof. Auch hier finden sich am Boden viele Pflastersteine aus der Region, in denen Ammoniten und Fossilien eingeschlossen sind. Zusätzlich auch überdeutlich viele Versteinerungen von Blumen und Mais.

Der spanische Kapitän Juan de Mayorga kam 1531 in das damalige Königreich Granada und brachte ein „Saint Ecco Homo“-Gemälde mit. Es zeigt Jesus mit Dornenkrone vor der Kreuzigung, wörtlich „Seht, der Mensch!“. Er ließ sich in der Region Santander. Seine Schwester hatte 1600 eine Offenbarung durch den Apostel St. Bartholomé, der sie bat ein Kloster zu gründen, in dem dieses Gemälde ausgestellt werden soll. Den Dominikanerbrüdern wurde das Gebiet geschenkt und sie gründeten 1620 in den bestehenden Gebäuden ihr Kloster. Wenig später wurde ein Neubau beschlossen, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ganze 45 Jahre lang dauert. Im Laufe der Zeit war das Kloster u.a. eine religiöse Schule, Soldatenstall und Soldatenunterkunft. Das namensgebende Gemälde wurden sogar von Kugeln durchschossen, so dass 1942 eine umfassende Renovierung nötig war.

Es ist nicht nur das Kloster zu besichtigen, sondern auch die Bibliothek mit vielen alten Büchern und eine große Menge an liturgischen Gewändern. Heute leben nur wenige Mönche in dem Kloster, so dass viele Räumlichkeiten anzuschauen sind und einen guten Eindruck vom alten Klosterleben geben.

Eine Besonderheit ist der Friedhof. Die meisten Gräber sind aus Stein und mit aufwendigen Steinschnitzereien von den Menschen aus dem Dorf hergestellt.

La Skipper

2 Kommentare zu „Villa de Leyva und das Convento de Santo Ecce-Homo“

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