Wahlen in Ecuador

07. Februar 2021

Heute mal wieder etwas „schwerere Kost“… ;-) Schon wieder sind wir bei gar nicht mal so unwichtigen Wahlen in einem südamerikanischen Land vor Ort. Nach dem Verfassungsreferendum in Chile nun also Präsidentschaftswahlen in Ecuador.

Dabei geht es um mehr, als nur die erste Runde der Präsidentschaftswahlen. Insgesamt steht dreierlei auf dem Stimmzettel:

  1. Zunächst geht es in der Tat um den Verfassungspräsidenten und Verfassungsvizepräsidenten von Ecuador. Dabei zeigt sich eine Pluralität, von der andere Länder nur (alb-)träumen können. Insgesamt stehen sage und schreibe 16 Kandidaten zur Wahl. Derer 13 brauchen sich aber keine große Hoffnungen zu machen, sie liegen in den Umfragen unter 3%. Insofern ist dann doch wieder alles recht normal. Auf Platz 3 steht bei etwa 12% der populärste indigene Bewerber Pérez (¡Claro que se Puede! – Natürlich kann es!). Das dürfte jedoch nicht für die wahrscheinlich notwendige Stichwahl reichen. Hier erwartet man eine Richtungsentscheidung zwischen dem mit knapp 30% aktuell führenden linksgerichteten Arauz (¡A Recuperar el Futuro! – Die Zukunft zurückgewinnen!) sowie dem bei gut 20% liegenden konservativen Lasso (Capacidad para Cambiar – Fähigkeit zur Veränderung). Die Entscheidung wird erst beim zweiten Wahlgang am 11. April erwartet.
  2. Des Weiteren werden die 137 Abgeordneten des ecuadorianischen Parlaments gewählt. Sozusagen „business as usual“.
  3. Interessant ist, dass zusätzlich noch die ecuadorianischen Abgeordneten des sogenannten „Andenparlaments“ gewählt werden. Von dem hatte ich bisher noch nie gehört. In diesem 1979 begründeten „beratendem politischen Organ“ haben sich aktuell die Andenstaaten Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien und Peru mit jeweils 5 Vertretern zusammengeschlossen. Wie so oft scheint es jedoch ein gute Idee mit Verfallsdatum zu sein. Seit einigen Jahren schwanken die Diskussionen zwischen Abschaffung und Reform… die Rückbesinnung auf nationale Werte scheint ein weltweites Phänomen zu sein.

Doch wir nehmen diese Wahlen auch ganz konkret in unserem Umfeld wahr. Schon in Salinas haben wir laut hupende, mit Fahnen versehene Autokorsos gesehen, die für ihren jeweiligen Kandidaten Stimmung machen. Das ist hier in Bahía de Caráquez nicht groß anders. Natürlich säumen auch Plakate den Straßenrand. Die für das Wahlwochenende verhängte nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr kümmert uns weniger, da sind wir ohnehin an Bord (und meist auch schon im Bett ;-).

Etwas verwundert die Augen gerieben habe ich mir aber schon vorgestern (also Freitag) an der Supermarktkasse. Die nette Dame zeigte auf die zwei Weinflaschen und das Bier: ¡No! – ¡No! – ¡No!

In der Tat gibt es bis Montagmittag ein Verkaufsverbot von Alkohol. Also zumindest im Supermarkt, Restaurants scheinen weiter ausschenken zu dürfen. Trotzdem stelle man sich so eine Maßnahme mal im Umfeld von Bundestagswahlen vor. Der Volksaufstand wäre wohl vorprogrammiert.

Wir bleiben entspannt und planen bzw. organisieren die nächsten Tage und Wochen. Ja, wir wollen noch eine Weile in Ecuador verweilen und es sieht eigentlich richtig gut aus. Doch davon ein anderes Mal mehr…

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