Die alphabetischen Melchior Islands

Antarktis, Ende Februar / Anfang März 2020

Auf dem kurzen 12sm-Weg von False Island zu den Melchior Islands zeigte sich die Antarktis wenn schon nicht sonnig, so doch wieder einmal imposant. Hier ungefähr war der Skipper vor 12 Jahren mit zwei Buckelwalen schnorcheln, und auch dieses Mal waren viele davon zu sehen.

Fluken und…
… Finnen vor einem Monstereisberg im Hintergrund, ….
… der von der anderen Seite so aussah!

Ja, auch was Eisberge der etwas größeren und/oder kreativeren Art angeht war das hier recht beeindruckend.

Wie schon geschrieben, sind die Melchior Islands ein beliebter Absprung für die Drake Passage Richtung Norden. Da war es nur Nahe liegend, dass auch wir hier auf unser Wetterfenster warten würden. Früher hieß es, dass man bei Wetterverschlechterung hier losfahren solle. Heute besorgt man sich seine Grib-Files (also Dateien, mit denen man sich in speziellen Programmen die für einen wählbaren Bereich vorhergesagten Winde, Böen, Wellen etc. anschauen kann… so etwas wie „Windy“ ohne ständige Internetverbindung). Doch alt und neu passten zusammen. Die Vorhersagen ließen nicht an eine Abfahrt denken und wir genossen zwei Tage herrlichen Sonnenschein.

Kleiner Besucher am Ankerplatz.

Dabei lagen wir in einer echt schönen Bucht im Norden von Omega Island. Ja, die Melchior Islands sind nach dem griechischen Alphabet benannt. Alpha und Beta sind noch recht klein, auf dem größeren Gamma liegt eine (aktuell nicht besetzte) Argentinische Station und abgesehen von den ganzen anderen vergebenen Buchstaben liegt zwischen dem großen Eta und dem noch größeren Omega ein schmaler Kanal. Der Anker fiel in der Mitte auf gut 20m Tiefe und rückwärts fuhren wir in die ausgesprochen gut geschützte Bucht, in der uns vier Landleinen sicher mittig hielten. Gleich gegenüber war zwar eine ca. 60m hohe Abbruchkante mit bedrohlich geneigtem Eis, aber das würde schon halten. An einem kleinen Steinstrand und etwas den schneebedeckten Hügel rauf lagen Pelzrobben in der Sonne und aus der Bucht nebenan holten wir frisches Gletschereis. Alles sehr idyllisch.

Blick voraus… ja, das Eis hat gehalten!
Östliche Zufahrt an Steuerbord.
Geschützte Bucht achteraus.
Westliche Zufahrt an Backbord.

Aber wir hatten hier auch einiges zu tun. Zunächst einmal wurden die Dieselkanister rausgeholt und der Tank aufgefüllt. Dann auch noch ein paar Dinghy-Fahrten zum Felsen hinter uns, wo bei Niedrigwasser gut erreichbar das Schmelzwasser des Gletschers plätscherte, um mit Kanistern den Wassertank zu füllen. Und der Außenborder musste auch noch am Heck verstaut werden.

Frisches Gletscherwasser für den Tank.

Am dritten und unserem letzten Tag bei der Antarktischen Halbinsel wurde es dann nochmal richtig winterlich. Den ganzen Tag fiel Schnee und sorgte nicht nur für ein rutschiges Deck…

… sondern auch die richtige Stimmung für die liebsten Wintersportarten der Kinder: Schneeballschlacht, Schneemann bauen und immer wieder auf dem Hosenboden einen Hang runterrutschen. Es war aber auch zugegebener Maßen der beste Rutsch-Hang, den wir in der Antarktis finden konnten.

Auf den Rutschberg mit Pelzrobbe.
Auf Wiedersehen…

So verging nun also auch der letzte Tag vor unserer Rückfahrt aus der Antarktis. Es war eine eindrucksvolle Zeit mit tollen Erlebnissen und Erinnerungen, die wir nicht missen möchten. Jetzt gab es eigentlich nur noch eine Kleinigkeit zu erledigen: Wir mussten noch einmal über die Drake Passage…

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