Alltagsprobleme in der Antarktis: Seekarten

Wir Segler von heute sind ja ziemlich verwöhnt. Alles ist vermessen, für die Ostseekarten gibt es monatlichen Berichtigungsservice und wer nutzt in Zeiten elektronischer Plotter noch Papierseekarten? Im Grunde ist es bei halbwegs seemännischen Verhalten kaum möglich, irgendwo in eine Gegend mit unbekannten Informationen aus der Seekarte zu geraten.

Und dann gibt es die Seekarten der Antarktis. Wir haben insgesamt 16 Karten der British Admiralty an Bord. Natürlich auf Papier. Nur einer amerikanischen Zufallsbekanntschaft in Ushuaia ist es zu verdanken, dass wir die meisten dieser Karten auch für OpenCPN auf unserem Bordcomputer haben.

Diese Karten sind dann auch wirklich interessant. Normalerweise muss man den allgemeinen Anmerkungen höchstens kurz überfliegen. Hier ist das anders. Sind die Tiefen und Höhen nun in Metern oder in Fathoms (Faden) and Feet (Fuß)? Passen die Karten zu dem verbreiteten WGS84-Kartendatum?

Ebenso prickelnd sind die vielen weißen Flächen, in denen wahlweise „Unsurveyed (see notes)“ oder „Depths (see notes)“ steht. In diesen Notes finden sich dann Hinweise wie „Uncharted dangers may exist“ oder „Owing to the age and quality of the source information, some detail on this chart may not be positioned accurately“ und natürlich „Mariners are advised to navigate with caution“.

Typische Kartenlegende…

Dann gibt es auch schon mal inmitten von 400m-Tiefenangaben ein blau umrandetes Gebiet mit dem Hinweis „Shoal water probable“ (Flachwasser wahrscheinlich). Mein absoluter Favorit sind aber aber die „zweifelhaften“ Inseln.

Und dann gibt es noch Detailkarten, bei denen lediglich ein paar Tiefenangaben möglichen Zufahrtswege zum avisieren Ankerplatz markieren. Rundherum ist es einfach nur weiß. Das Beste hier sind allerdings die erläuternden Angaben (z.B. False Island):

Doch wie immer ist auch das „Jammern auf höchstem Niveau“. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie die Pioniere hier unterwegs waren. Karten? Höchstens für eine Runde Skat! Und bei aller Ungewissheit ist es doch nicht schlecht, mal wieder etwas „geerdet“ zu werden, die Komfortzone zu verlassen. Aber gerade letzteres ist hier in der Gegend zumindest für Segler wahrlich kein Problem!

Zufahrt zum Ankerplatzbei den Lippmann Islands

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