Inzwischen in Chile

Caleta Poza de Oro, 31. Juli 2020
Inzwischen sind seit unserer Abfahrt aus Ushuaia über zwei Monate vergangen. In 64 Nächten haben wir an 40 verschiedenen, in aller Regel wunderschönen Orten die Nacht verbracht… plus eine Nacht auf See. Dabei haben wir laut Logbuch 999sm zurückgelegt. Inzwischen liegen wir Luftlinie nur noch gut 250sm südlich von Valdivia, auf dem Wasser werden das gut 350sm sein. So gesehen ist ein Ende in Sicht.
Und dann ist da schon wieder einmal die Sache mit dem Wetter. Bisher hatten wir im Großen und Ganzen eigentlich Glück. Wir konnten zwar wenig segeln, aber das ist hier in der Gegend eigentlich normal. Wir mussten jedenfalls nie länger als 3 Nächte auf eine gute Vorhersage für die Weiterfahrt warten.
Genauso lange liegen wir jetzt in dieser schönen Caleta Poza de Oro vor Anker, doch dieses Mal ist an die Weiterfahrt noch nicht zu denken. Zwischen uns und der Isla de Chiloé liegt die zwar nicht sehr breite, trotzdem mit einen ausgesprochen schlechten Ruf versehene Boca del Guafo zum Golfo de Corcovado. Hier brauchen wir ruhige Bedingungen und eine günstige Tide. Doch für die nächsten Tage, wahrscheinlich sogar bis Mitte nächster Woche, sind nun einmal nördliche (also Gegen-)Winde mit teils heftigen Böen (weit über 30kn) angesagt. Somit zeichnet sich ab, dass das hier unser längster Stopp zwischen Ushuaia und Valdivia werden wird.
In unserer täglichen Positionsmeldung geben wir als geplante Ankunft noch den 16. August an… doch da gehören inzwischen wohl doch ein paar Fragezeichen angehängt. Aber das ist kein Grund zur Sorge. Die Crew müffelt gesund und munter vor sich hin hin. Auch bei den Vorräten sieht es gut aus:
Inzwischen sind das frische Obst und Gemüse zwar abgesehen von einem Apfel, einer Orange, ein paar Zitronen, einem Dutzend Gemüsezwiebeln und reichlich Knoblauch aufgebraucht, und auch unser letztes frisches Fleisch war vorgestern auf dem Grill. Damit wird der Essensplan nun wohl etwas eintöniger, aber nicht weniger nahrhaft. Denn wir haben noch reichlich Nudeln, Reis, Kartoffelbrei, diverse Konserven, Tomatenpüree und mehr in den Schapps. Mehl und Hefe reichen für viele Brote, nur beim Zucker waren wir etwas zu sparsam. Zum Frühstück gibt es noch Salami, Käse sowie eine große Auswahl an süßen Leckereien (Marmeladen, Nutella, Honig, Dulce de lece mit und ohne Schoki…). Wir werden also kaum verhungern. Sogar Bier, Wein sowie eine Flasche Shackleton-Whisky lassen sich noch finden!
Inzwischen sind unsere 25(!) Dieselkanister zwar in den Tank umgefüllt, dort finden sich aktuell aber auch noch etwa 300l. Damit könnten wir notfalls bis Valdivia duchmotoren.
Auch beim Gas sieht es gut aus. Erst eine unserer zwei großen (5kg) Flaschen ist leer und wenn die zweite aufgebraucht ist, haben wir immer noch eine kleine (2,5kg) Flasche in Reserve. Damit werden wir uns wohl sogar noch einmal Pizza gönnen…
Langeweile dürfte (zumindest theoretisch) auch nicht aufkommen. Die Kinder kämpfen mit den ungeliebten Überbleibseln des letzten Schuljahres, wir haben eine große Auswahl an Karten- und Brettspielen, (Hör-)Büchern und -spielen dabei, und Maila tanzt immer noch gerne musikalisch begleitet durch den Salon.
So warten wir hier aktuell eingeregnet also auf Wetterbesserung und genießen weiterhin die Abgeschiedenheit. Unsere Neugier hält sich zugegebener Maßen in Grenzen. Nur am Rande bekommen wir mit, was in der verrückten Welt inzwischen so vor sich geht. Ein Segen mit Verfallsdatum. Die Schwarmintelligenz der Menschheit scheint ja gerade mal wieder in Bestform zu sein. Doch das werden wir noch früh genug mit aller Wucht erfahren. Mal sehen wie es in Valdivia weiter geht, bzw. gehen kann…
In diesem Sinne passt alle gut auf Euch auf und bleibt gesund, munter sowie optimistisch!
P.S. Dieser Eintrag wurde per Kurzwelle eingestellt und beinhaltet daher keine Bilder. Auch Kommentare können wir erst wieder lesen, beantworten bzw. auch nur die zur Veröffentlichung notwendige Genehmigung erteilen, wenn mal wieder Internetzugang besteht ( das soll jedoch bitte niemanden vom Schreiben abhalten ;-).

Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (2): Verluste

Immer mal wieder gehen Sachen irreparabel kaputt, einfach nur über Bord oder werden auch partout nur nicht mehr gefunden.
– Taschenlampe: Sie ist weg. Einfach nur weg. Keine Ahnung wohin. Schade! Wenigstens haben wir noch eine starke Tauchtaschenlampe als Ersatz dabei.
– Dinghy-Paddel: Beim Anladen in der schönen Sunny Cove machte es plötzlich laut Knack und schon war eines der Paddel gebrochen. In Plymouth konnte Ersatz beschafft werden.
– Toaster: Ja, er war alt und hatte sich seine Rente eigentlich schon längst verdient. In Südamerika wollte er dann gar nicht mehr so recht. In Buenos Aires wurde ein neuer Toaster gekauft und der argentinische Stromanschluss durch einen europäischen Schuko-Stecker ersetzt. Und der Brötchenaufsatz ist, nachdem La Skipper den Hebel abgebrochen hatte, nun mit Bordmitteln oben festgesetzt.
– Harken-Umlenkrolle: Mit der Rolle wurde eine Schot des Parasailor umgelenkt. Beim Abbauen war der Skipper kurz unkonzentriert und es machte Platsch. Ersatz wurde in Buenos Aires erworben.
– Kugelschrauben Bimini/Kuchenbude: An diesen (ich nenne sie mangels Wissen um den korrekten Namen mal) Kugelschrauben werden die Seitenteile der Kuchenbude zusätzlich am Bimini-Gestänge befestigt. Bei einer Durchsicht fiel auf, dass derer drei fehlten. Einfach so weg. Die restlichen Schrauben wurden mit Locktite behandelt und Ersatz ist auf dem Weg.
– Kugelfender: Einer unserer zwei großen Kugelfender hatte es bei starkem auflandigen Wind am AFASyN-Steg in Ushuaia erwischt. Das große Loch ließ sich auch nicht mehr flicken.
– Fendersocken: Wenn schon die Fender leiden, was sollen da erst die Fendersocken groß von sich geben als ein leises Adieu?!
– Dinghy-Stöpsel: Am Heck eines Dinghy ist ein Wasserablauf, der sich mit einem Stöpsel verschließen lässt. Natürlich ist dieser Stöpsel befestigt. Die Knoten muss man nicht einmal selbst machen, das kommt fertig aus der Tüte. Und eben so ein Knoten hatte sich spontan gelöst. Zum Glück hatten wir noch einen zweiten Stöpsel an Bord. Eigentlich nur aus Versehen… mir war mal ein kleines Plastikteil kaputt gegangen und da kam dann gleich ein komplettes Ersatzset an Bord…
– Opferanoden am Propeller: Im Zuge meines Badespaßes in chilenischen Buchten stellte ich verwundert fest, dass das da am Propeller schon etwas komisch aussah. Kein Wunder, schließlich glänzten die Opferanoden komplett durch Abwesenheit. Nun gut, ein Jahr ist vorüber und für diese Zeit stand ohnehin deren Erneuerung auf der Liste… wird in Valdivia erledigt. .. to be continued :-)

Ausrüstungsprobleme auf Langfahrt (1): Neuigkeiten

Ein Boot ist eigentlich kaum wirklich fertigzustellen. Immer fehlt noch eine Kleinigkeit hier oder dort. Wesentliche Inspirationsquelle ist neben den wertvollen Hinweisen anderer Segler natürlich die eigene Erfahrung zurückgelegter Seemeilen und an Bord verbrachter Stunden. Auch bei unserer Samai gibt es immer mal wieder einige Neuigkeiten.
– Schranknetze: Jeder Segler kennt das… man öffnet bei Seegang irgendein Schapp und der Schrankinhalt fliegt einem entgegen. Daher haben wir hinter den Türen der am stärksten betroffenen Schränke im Bad und in der Pantry nun Netz angebracht. Zum Glück hatte ich damals beim Kauf der Obstnetze im Salon gleich mehrere Größen bestellt… so waren (und sind) genügend an Bord.
– Verdunklung Salon: Deckenluken mit Standard-Rollos versehen. Für die Seitenfenster wurden verdunkelnder Stoff von einer Schneiderin nach Muster geschnitten und mit Flauschband versehen… Klettband um die Fenster.
– Mückenschutz Niedergang: Netz wurde von einer Schneidering geschnitten und mit Flauschband sowie Bleiband versehen… Klettband am Niedergang.
– Antenne Satellitentelefon: Damit man zum Telefonieren nicht immer draußen an Deck stehen muss, biete sich eine solche externe Antenne an. Leider ging der Coax-Stecker nicht durch die Öffnungen im Heckträger. Doch ich hatte ja schon bei der Kurzwelleninstallation geübt, wie man so einen Stecker wieder anlötet.
– WLAN-Verstärker: Noch eine Antenne am Heckträger. Damit kann man auch weiter entfernte WiFi-Netze empfangen und bordintern einspeisen.
– Schalter an Vorschiffslampe: Die berührungsgesteuerte Lampe ist nicht wirklich schön, aber bei der geringen Einbautiefe dort gibt es wenige Alternativen. Allerdings ließ sie sich irgendwann nicht mehr ausmachen und daher auf den Kap Verden mit einem echten Kippschalter versehen. – Landleine: 200m, schwimmend… die Allzweckwaffe in engen Buchten.
– Fender: In der Ostsee belächelt, in hohen Breiten Pflicht… zwei richtig schön große A5-Kugelfender!
– AIS-Silentmode: Das Automatic Identification System ist toll. Man sieht andere Schiffe auf dem Plotter und man wird gesehen. Aber vielleicht möchte man ja auch mal nicht gesehen werden?! Dafür gibt es den Silent-Mode, für dem man einfach nur zwei vorhandene Kabel an einen Kippschalter anschließen muss. Wurde bei der Erstinstallation leider vergessen und in Chile nachgeholt. .. to be continued :-)

Wie die Zeit vergeht…

Chile, 22. Juli 2020
Inzwischen sind tatsächlich schon 56 Tage vergangen, seitdem wir in unserem letzten Hafen die Leinen los geworfen haben. Acht Wochen tingeln wir nun schon durch Chile! In 35 verschiedenen Buchten haben wir seitdem festgemacht, die grandiose Natur genossen und den Winter ertragen… inklusive zugefrorener Buchten und Schneeballschlacht. Immerhin wird es allmählich etwas milder.
Noch liegen einige Seemeilen vor uns, denen wir entspannt entgegensehen. Wir haben noch genug Diesel, Gas und Verpflegung an Bord. Vorgestern wurde wieder einmal gegrillt und selbst das Bier ist noch nicht ausgegangen! Kein Grund also zu hetzen. Wobei das in den Kanälen ohnehin äußerst schwierig wäre. Wenn sich der Wind in den Kanälen entsprechend bündelt und dann womöglich noch der Gezeitenstrom entgegen geht, dann muss man halt warten. Passt schon!
In diesem Zusammenhang wäre es natürlich auch schön, wenn die Windvorhersage zu den dann erlebten Begebenheiten passen würde. Das war gerade gestern nicht wirklich der Fall. Einer Vorhersage von ganz früh morgen3 3Bft, im Laufe des Tages abnehmend auf 1 Bft. standen gemessene Spitzenwerte über 30kn (hohe 7Bft.) gegenüber. Damit lagen die Wettergurus in Knoten gemessen mal locker um den Faktor 10 daneben. Und natürlich kam dieser Wind von vorne, natürlich blies er gegen den für uns eigentlich günstigen Strom und natürlich gab es gerade auf dieser Strecke keine brauchbaren Ausweichmöglichkeiten. Ein Tag zum Vergessen.
Auf diesem Blog haben wir mittlerweile die Antarktis verlassen und sind wieder in Ushuaia angekommen. Damit wurden nun auch alle von uns vorab eingeplanten Berichte veröffentlicht. Natürlich sind die Chile-Einträge bereits in Arbeit, doch wollen wir diese in gewohnter Form, also insbesondere auch reich bebildert veröffentlichen. Das geht aktuell mangels richtiger Internetverbindung jedoch nicht.
Daher überbrücken wir die Zeit jetzt erst einmal mit einem etwas anderen Thema. Die nächsten Einträge beschäftigen sich mit Ausrüstungsproblemen auf Langfahrt. Darin geben wir eine kleine Übersicht von Sachen, die uns im letzten Jahr beschäftigt haben, sei es auf einer Anschaffungs-, Verlust- oder vor allem Reparaturliste. Das ist für einige von euch sicher interessanter als für andere (die wir damit hoffentlich nicht vergraulen), gehört letztlich aber auch zu dem, was wir hier so machen. Spätestens bei Ankunft in Valdivia geht es dann mit den Reiseberichten weiter.
P.S. Dieser Eintrag wurde per Satellit eingestellt und beinhaltet daher keine Bilder. Auch Kommentare können wir erst wieder lesen, beantworten bzw. auch nur die zur Veröffentlichung notwendige Genehmigung erteilen, wenn wieder richtiger Internetzugang besteht ( das soll jedoch bitte niemanden vom Schreiben abhalten ;-).

Mailas erste Opti-Fahrt

Ushuaia, Anfang März 2020

Wir haben einen netten Mann getroffen der Diego hieß. Er hatte ein lieben Hund. Er hat uns angeboten, dass Samuel und ich kostenlos eine Runde Opti fahren. Wir wollten natürlich.

Als wir am Trefftpunkt waren hat es ewig gedauert, bis die Optis aufgebaut wurden. Wir mussten uns dann in Neoprenanzüge quetschen. Dann hat mich die Frau, die aufgepasst hat, woandershin geleitet und mir ein kleines Vorsegel gegeben. Sie hat das Hauptsegel getragen.

Die machen jetzt sogar Werbung mit mir!

Dann sind wir auf den Steg gelaufen und auf einen an dem Steg befestigen Steg gegangen. Dort war eine Jolle (ein sehr sehr kleines Segelboot). In der Jolle war Wasser. Ich habe einen Eimer aus Plastik genommen, mit Griff, und das Wasser raus geschaufelt. Das war anstrengend.

Dabei waren die Frau und ein älterer Junge der uns begleiten soll dabei die beiden Segel, die wir getragen haben, an die Jolle zu befestigen. Dann ist ein Mädchen gekommen was auch dabei sein sollte und ein älterer Junge. Wir haben wieder gewartet und das Mädchen hat mir mit einem kleinem Band Knoten gezeigt. Dann sind wir losgefahren.

Einer der größeren Jungen saß am Steuer und einer war Backup. Wir haben das Vorsegel gemacht. Immer bei einer Drehung musste entweder einer von uns ziehen oder locker lassen.Wir sind zwischen zwei Bojen entlang gefahren. Samuel und zwei andere Jungs haben in noch kleineren Segelbooten gesessen und da gesteuert.

Diego und die argentinische Frau

Diego und Papa und andere haben in einem Dinghy Fotos und Videos gemacht. Wir sind mit den anderen in den anderen Booten immer Runden gemacht. Der Junge, der als Backup da war, hatte sein Handy dabei und spanische Musik angemacht. Das fand ich toll. Dann durfte ich mal steuern, aber der Wind ist ein bisschen eingeschlafen. Wir haben die Kurve kaum geschafft.

Am Steuer der Jolle

Dann wollte ich auch mal in das kleine Boot. Also bin ich mit einem der Jungen gewechselt. Als ich nicht so gut mit der Steuerung klar kam, da kam die Frau in mein Boot nach vorne. Es beugte sich nach vorne ins Wasser, aber niemand ist nass geworden von uns Beiden. Sie hat versucht, mir ein bisschen Spanisch beizubringen. Jetzt kann ich nur noch „Algen“ sagen. Das heißt „algas“. Das ist fast so wie im Deutschen.

Opti(mist) und Jolle
Klappt immer besser…

Wir konnten überall herumfahren, bis der Wind eingeschlafen ist. Dann haben wir die am Bord gelagerten Handpaddel genommen und sind gerudert. Das war ziemlich anstrengend. Es kommt noch dazu, das meine Hand das eiskalte Wasser auch mal berührt hat. Das war eiskalt.

Dann waren wir wieder an Land und dann haben die anderen die Optis abgebaut. Dann sind wir in die Duschen gegangen und haben uns aus den Neoprenanzüge gequetscht. Dann haben wir Tschüss zu den anderen gesagt.

Das war schön!

Maila