Ankunft in Brasilien

Wow! Wir sind tatsächlich in Brasilien. Nicht, dass ich je daran gezweifelt hätte (mein Mann schaut erstaunt), aber es war trotzdem sehr unwirklich, tatsächlich anzukommen. Einige Stunden vor der Ankunft verließ uns der Wind und wir mussten leider die Maschine starten (und das bei nur noch 40 Litern im Tank, da half nur noch Verdrängung). Einerseits wollte ich kein Diesel verschwenden, aber ich wollte auch unbedingt noch bei Licht ankommen, denn die Flusseinfahrt zwischen den Mangroven erschien mir unbetonnt im Dunkeln auch nicht sehr attraktiv. Also Motor an und nicht(!) auf die Dieselanzeige schauen. Micha hat es wohl doch heimlich getan.

Kurz vor der Einfahrt begrüßte uns ein großer Delfin mit Baby. Sehr zur Freude der Kinder. Tatsächlich haben wir es mit den letzten Sonnenstrahlen  kurz nach 17 Uhr geschafft, an einem der beiden Besucherplätze in der Jacaré Yacht Village südlich von Cabedelo anzulegen. Kurz danach war es auch bereits stockdunkel (17:40 Uhr). Die Leute von der Marina zeigten uns kurz die Duschen und Toiletten und wir bekamen etwas „Real“ geliehen, um in dem kleinen Supermarkt etwas Erfrischendes zu kaufen. Am nächsten Tag verholten wir uns in eine „Box“. Das ging auch nur mit Hilfe, da wir zwar rückwärts an den Steg anlegten, aber am Bug wurde unsere 20m Leinen direkt mit einem Mooringring unter Wasser verbunden. Und das Flusswasser erscheint hier eher undurchsichtig.

Unser Liegeplatz am Steg.

Was mir aber echt zusetzt ist „DIE HITZE“. Ja, natürlich ist es dicht am Äquator, werdet ihr sagen und natürlich sind 30 Grad nicht überraschend, aber es ist wirklich heiß. Eigentlich auf der ganzen Überfahrt. Was soll man bei der Überquerung des Äquators auch anderes erwarten. Aber während des alltäglichen Abwasches lief mir der Schweiß, der aus allen Poren ausbrach, über mein Gesicht. Also schön finde ich das nicht. Außerdem möchte ich mal behaupten, es ist hier doch Frühling!! Na gut, ich bin halt nicht mehr in Europa. Immerhin kann man hier täglich oder stündlich Duschen und es gibt unbegrenzt Wasser, nicht wie in Mindelo (Cabo Verde). Die Marina hat Wasser, Strom und auch Internet (letzteres aber nur im Bereich des Hauptgebäudes der Marina). Aber was soll´s. Wir sind hier gewollt aus der Komfortzone raus und da sinken die Ansprüche.

Hauptstraße im Dorf um die Ecke.

Nach zwei Wochen auf dem Atlantik heißt es Boot putzen, Kleinigkeiten reparieren, Wäsche waschen lassen (30kg für doch stolze 50€, aber das alles mit der White Magic zu waschen würde ewig dauern), Schule machen und natürlich die Immigration. Das ist ja immer ein leidiges Thema. Es galt drei Stellen (Immigration, Zoll, Hafenkapitän) zu besuchen. Leider verteilten sich diese Orte einmal auf Cabedelo Stadt und João Pessoa, die nächste Großstadt (ca. 700 000 Einwohner). Da wir ja nun ohne Auto unterwegs sind, ist es etwas beschwerlich. Hinzu kommt, dass unser Portugiesisch außergewöhnlich schlecht ist und Englisch hier kaum einer spricht.  Da wir in einem Hafen liegen, der einem Franzosen gehört, gilt es für Micha sein Schulfranzösisch wieder heraus zu kramen. Das hat er auch ganz großartig gemeistert. Auch kommt man insgesamt mit Französisch gefühlt weiter, als mit Englisch… letzteres geht eigentlich gar nicht. Das war bereits auf den Kap Verden so.

Alternativer Bahnhofseingang.

Auf jeden Fall nahmen wir das Angebot der Marina gerne an, uns von Nicolai zu den Behörden fahren zu lassen und mit seiner Hilfe schnell und problemlos mit den administrativen Dingen fertig zu sein. Das war zwar kein Schnäppchenangebot, aber es hat insgesamt nur zwei Stunden gedauert. Das ist ziemlich unschlagbar im Vergleich zu dem, was man von anderen Immigrationen so erzählt bekommt. Laut Michas Recherche sind hier in Cabedelo wohl auch die meisten Yacht-Immigrationen Brasiliens, so dass man von einer gewissen Routine ausgehen kann. Eine lustige Szene hatten wir beim Zoll. Dort wurden wir von einem anderen Sachbearbeiter, der sich nicht um unsere Belange kümmerte, angesprochen, aus welchem Land wir kommen. Als er Deutschland hörte, stöhnte er nur „7:1“ und schüttelte mit dem Kopf. Damit waren wir wohl nicht mehr so sympathisch?! J So eine Niederlage im Fußball geht dem stolzen Brasilianer offensichtlich sehr tief.

Ansonsten habe ich mich natürlich etwas um die Sicherheit gesorgt. In Brasilien gibt es doch deutlich mehr Kriminalität, auch mehr als in Berlin. Hier in der Marina macht alles einen sehr sicheren Eindruck. Am Tag begegnen uns auf den langen Wegen zum Supermarkt nur freundliche Gesichter.  Aber wir halten uns an die Regel, keine Wertsachen offen zu tragen und sobald es dunkel ist (also ab 17 Uhr) sind wir zurück auf dem Boot oder nehmen ein Taxi oder Uber. Jacaré ist aber insgesamt ein recht sicherer Ort, an dem viele Boote liegen und die Touristen gerne sind.

Und habe ich erwähnt: es ist sehr HEISS. Also morgens eine Schicht Sonnencreme und dann eine Schicht Anti-Mücken-Spray drauf. Auf das der sich ständig bildende Schweiß (ja auch beim Nichtstun… das habe ich umfangreich ausprobiert) nicht alles wieder wegwischt. Meine Familie meint, dass ich in Patagonien und erst recht in der Antarktis bestimmt auch wieder rumjammere. Nur dann ist mir wohl kaum zu warm, sondern eher zu kalt. Aber so ist es dann halt. Könnte ich nur etwas Wärme in Dosen verpacken und mitnehmen…

La Skipper

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