Meeresfossilien auf 2000m Höhe

31. August 2021

Wie La Skipper in ihrem letzten Beitrag schon erwähnte, war das ganze Gebiet hier einmal der Grund eines etwa 200m flachen Meeres. Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass wir uns aktuell auf mehr als 2000m Höhe über dem heutigen Meeresspiegel befinden. Man muss der Erde nur genug Zeit geben und absolut alles kann sich ändern. Diesem Umstand ist auch geschuldet, dass es sich bei der Umgebung von Villa de Leyva um ein wohl weltweit einmaliges Fundgebiet für Meeresfossilien handelt. Zwei kleine Museen mit beeindruckenden Exponaten sind absoluter Pflichtbesuch.

Ja, die gab es hier früher wohl auch mal…

Centro de Investigaciones Paleontológicas

Der Name ist etwas schwergängig, bezeugt aber, dass es sich nicht nur um ein ausstellendes Museum handelt. Es ist zugleich eine Forschungseinrichtung. Nur durch einige Glasscheiben getrennt, beobachten wir Menschen in weißen Kitteln beim Säubern und Untersuchen von Fossilien. Es erinnert ein bisschen an einen Zoo, aber die Forscher scheint es nicht zu stören.

Abstand bitte… zum Glück sind wir alleine hier!

Ein anderer in Kolumbien, gerade in kleineren Einrichtungen, eher selten zu anzutreffender Umstand ist die durchgängig zweisprachige Beschriftung. So können wir ganz ohne Google Translate verstehen, was uns zu den tollen Exponaten erklärt wird. Im Zentrum präsentieren zwei Bereiche urzeitlich-maritime Höhepunkte. Einerseits werden Fossilien von urzeitlichen Meeresschildkröten und Fischen, viele Ammoniten jeder Größe sowie Schädel von Ichthyosaurier gezeigt.

Direkt gegenüber geht es um Plesiosaurier. Die ersten Fossilien dieser Seedrachen wurden 1821 von einer der ersten professionellen Fossiliensammlerinnen und Paläontologinnen überhaupt gefunden, der Britin Mary Anning. Die von ihr entdeckten, ob Ihrer Fortbewegungsart auch Unterwasserflieger genannten Reptilien werden heute in zwei Gruppen unterteilt:

  • Pliosaurier (eher massig mit kurzem Hals und großem Kopf)
  • Plesiosauerier im engeren Sinne (eher schlank mit langem Hals und kleinem Kopf).

Natürlich gibt hier von beiden ein jeweils recht gut erhaltenes Exemplar, stimmungsvoll drapiert und eingerahmt von Ammoniten sowie weiteren Schädelresten.

Pliosaurier (hinten rechts der u.a. Säbelzahntiger)
Selfi mit Plio…
Plesiosaurier

Die restlichen gezeigten Ausstellungsstücke runden das Bild ab. Seien es nun ein fleischfressender Dinosaurier (als Nachbildung… tatsächlich wurden in der Umgebung bisher nur deren Fußabdrücke gefunden), Pflanzenabdrücke, Bernstein oder die Nachbildung eines Säbelzahntigers rund um dessen einzigen je in Kolumbien gefundenen Zahns und andere Überreste früher Säugetiere. Ein wirklich lohnender Besuch.

Jetzt aber schnell weiter…

Museo El Fósil

Nur einen Steinwurf weiter steht ein anderes kleines Museum. Natürlich geht es auch hier um Fossilien. Mehr als 500 Exponate des paläontologischen Erbes der Umgebung werden gezeigt. Doch ehrlich gesagt kommen die meisten Besucher nur, um den unumstrittenen Star der Ausstellung zu sehen: El Fósil.

Im Juni 1977 traut der Bauer Samuel Vargas, nebenbei ein erfahrener lokaler „Fossilienjäger“, wahrscheinlich kaum seinen Augen. Da schaut etwas aus der Erde. Sieht aus wie ein Fossil. Ein großes Fossil. Die von ihm benachrichtigte Familie Zubieta beginnt mit den Ausgrabungen. Zum Vorschein kommen die etwa acht Meter langen Überreste eines mindestens 110 Mio. Jahre alten Kronosaurus boyacensis. Und dieser große Vertreter der schon angesprochenen Pliosaurier war mutmaßlich noch nicht einmal vollständig ausgewachsen.

Es folgt ein erwartbares Hin und Her. Natürlich soll der Fund in ein „richtiges Museum“ gebracht werden. Die lokale Bevölkerung hat etwas dagegen und wehrt sich. Man besinnt sich auf sein urzeitliches Erbe, eine private Stiftung wird gründet und ein Plan reift. Rund um das an Ort und Stelle belassene Fossil wird ein Museum gebaut. Und so können auch wir diesen beeindruckenden Kronosaurus noch genau an der Stelle bewundern, wo er sein Leben endete.

Nach dem Besuch laufen wir noch ein bisschen in der weitgehend verwaisten Anlage umher. All das ist offensichtlich für mehr Besucher ausgelegt, die in normalen Zeiten sicher auch kommen. Heute sind wir mal wieder fast alleine. Die Kinder stöbern noch etwas in den kleinen Souvenirläden und werden (natürlich) fündig. Samuel erweitert seine Mineraliensammlung und Maila fügt ihrer wachsenden Kollektion von Schlüsselanhängern einen Kronosaurus hinzu. Ein kleines Andenken an den beeindruckenden Besuch eines großen Fossils.

2 Kommentare zu „Meeresfossilien auf 2000m Höhe“

    1. Wohl wahr… und das sind nur Fotos! Allerdings haben sie gerade die Präsentation von El Fosil auch ein bisschen zelebriert… gedämpftes Licht aus beleuchteten Nischen, Silencio-Hinweisschilder… fast schon ein wenig sakrale Stimmung.

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