Lebensmittelampeln

Südamerika, Februar 2021

Jahrelang wird in Deutschland schon über die Einführung einer sogenannten Lebensmittelampel diskutiert. Viele sind dafür und trotzdem wurde sie von gesetzgebender Seite (selbstredend ohne jeden Einfluss von Lobbygruppen?! ;-) immer wieder abgelehnt und verschoben. Doch seit unserer Abfahrt Mitte 2019 hat sich anscheinend tatsächlich etwas getan: Nutri Score ist da!

Das 2017 in Frankreich gestartete Modell zur Benotung von Lebensmitteln wurde in sieben europäischen Ländern eingeführt. In Deutschland natürlich auf freiwilliger Basis, schon klar. Aber gerade lese ich, dass nach einigen Herstellern nun auch Rewe auf den Zug aufspringt. Sollte sich da wirklich etwas zum (meiner Meinung nach) Positiven verändern? Nun ja, der Lebensmittelverband Deutschland macht weiterhin Ärger, wir lassen die Sektkorken also lieber mal noch nicht knallen.

Wir nehmen dieses Thema erstmals in Chile praktisch wahr. Selbst zwar keinen einzigen Supermarkt betreten, bekommen wir unsere Einkäufe an den Steg geliefert. Dabei sehen wir nicht immer, aber doch regelmäßig so komische, große, schwarze Achtecke aufgedruckt.

Chile hat seit 2016 das weltweit strengste Kennzeichnungsgesetz. Anlass war die Feststellung, dass 60% der Bevölkerung übergewichtig sind. Es ist zwar keine farbige Ampel geworden, dafür aber viel mehr als nur freiwillige Bildchen:

  • Alle Produkte mit zu viel Zucker, Kalorien, Salz oder gesättigten Fetten müssen einen großen Warnhinweis vom „Ministerio de Salud“ tragen.
  • Diese Artikel dürfen nicht mehr an Schulen verkauft werden… mit entsprechenden Auswirkungen auf die Schulkantinen.
  • Des Weiteren gibt es ein (Fernseh-)Werbeverbot von 6-22 Uhr sowie das Verbot gezielter Werbung für unter 14jährige. Süßigkeiten mit dem Konterfei von Superhelden gibt es in Chile nicht.
  • Über eine Sondersteuer wird noch nachgedacht.

Ecuador hat sogar schon 2014 seine Lebensmittelampel eingeführt. Auch hier war eine verbreitete Übergewichtigkeit ein wichtiger Auslöser. Auf 15% der Verpackungsfläche werden Zucker, Fett und Salz mit bunten Farben gekennzeichnet.

Im Jahr 2021 gibt es so etwas in der Art also auch in Deutschland. Wie gesagt auf freiwilliger Basis. Wir haben ja auch noch Zeit. Nicht 60% sondern nur etwas mehr als die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig (Stand 2019)… und ja, auch der Skipper kann nur einen das Optimum mehr oder weniger knapp verfehlenden Body-Mass-Index aufweisen. Wir sind also noch nicht so schlimm verfettet wie andere Länder. Kein Grund zur Eile. Nun ja, die Sache mit dem gesunden Menschenverstand hat aktuell ja ohnehin weitgehend Sendepause… aber das ist eigentlich ein anderes Thema.

2 Kommentare zu „Lebensmittelampeln“

  1. Die schwarzen Achtecke (nicht Sechsecke!) auf Lebensmittelpackungen in Chile sind ganz einfach zu interpretieren:Je mehr davon auf einer Packung aufgedruckt sind, desto besser schmeckt der Inhalt! 🙂

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