Über den Golfo de Penas zur knatternden Caleta Suárez

14. – 17. Juli 2020

Golfo de Penas

Nach wochenlanger Fahrt durch die Chilenischen Kanäle stand uns nun die erste offene Ozeanpassage bevor. Das klingt ob der vergleichsweise eher geringen Entfernung vielleicht etwas hochtrabend. Doch der die untere Hälfte bildende, im Durchmesser gerade mal 50-60 Meilen große Golfo de Penas hat es wohl in sich. Die blaue Bibel merkt an: „This expanse of water, wisely respected by sailors of all times, must not be underestimated, but faced with the outmost care.“ La Skipper war verständlicher Weise absolut begeistert!

Die Charakteristika sind von Stürmen im Südozean hervorgerufener, großer Schwell aus Südwest mit je nach Windrichtung dagegen gehende Welle. Das wir dadurch verstärkt, dass der gesamte Golf auf dem Kontinentalschelf liegt und entsprechend, oft nur 100m flach ist. Dazu kommt noch Strom und ein in der Regel kräftiger Versatz nach Osten… also in Richtung Küste.

Was soll ich schreiben… wir erwarteten leichten Ostwind! Von dieser Wetterlage steht natürlich nichts in den einschlägigen Führern. Nun gut, der Pazifik-Schwell sollte sich in Grenzen halten und ohne Gegenstrom würden wir so oder so nicht wegkommen. Also los…

Es kam im Wesentlichen so, wie erwartet. Wir konnten die erste Hälfte der Nacht endlich mal wieder gut segeln. Erst nach der eigentlichen Überquerung des Golfo Penas hatten wir nur noch knapp 10kn Wind von hinten und über 1kn Gegenstrom… Motor an.

Bei Cabo Ráper sahen wir auch mal wieder einige Schiffe auf dem AIS und die Leuchtturmbesatzung funkte sie auch fleißig an. Nur die Stella Maris 2 antwortete nicht, was dann auch gleich für eine längere, natürlich auf spanisch gehaltene Ansprache bezüglich der Pflicht zur Funkwache nach sich zog… also soweit wir das verstehen konnten. Uns dagegen ließ man in Ruhe passieren. Unser AIS war ja immer noch im „Silent Mode“ und unsere Positionslichter waren wohl keiner weiteren Aufmerksamkeit würdig.

Man sollte meinen, dass gerade solche exponierte Küstenabschnitte gut kartiert sind. Aber warum lag dann die über die Karte gelegte Radar-Küstenlinie gut 1,5sm näher? Dieses Phänomen würden wir leider noch mehrmals beobachten dürfen.

Das Schiffs-AIS links passt, aber die Küste… :-(

4.22 Caleta Suárez (Estéro Cono)

Aufgrund der kurzen Wintertage hatten wir bei der Peninsula Taitao einen Zwischenstopp eingeplant. War die Fahrt bis dahin auch was den Wellengang angeht vergleichsweise ruhig, bekamen wir bei der Einfahrt in die große, dereinst auch von der HMS Beagle besuchte Bahía San Andrés plötzlich 3m Schwell… und selbstredend kräftigen Gegenwind. So arbeiteten wir uns im ersten Tageslicht mit Radar voran, vorbei an der am Eingang des Estéro Cono ankernden Stella Maris 2 sowie den leider sehr verschmutzten Stränden bis zu der am Ende liegenden Caleta Suárez.

Hier war es deutlich ruhiger und gut geschützt, doch das sah ein anderes Boot leider genau so. Wir bogen um die Landzunge und wurden knatternd empfangen. Man winkte uns zu und bot sogar an, längsseits zu kommen, aber das kam für uns nicht in Frage. Wir legten uns lieber vor Anker mit drei Landleinen an den Rand.

Schilder früherer Segler.

Eine Eigenart der nicht nur in dieser Bucht mit uns zusammen übernachtenden Boote ist deren Hang zu einem gewissen Lärmpegel. Oft läuft der Motor/Generator bis spät in die Nacht und lässt das Verlangen zu einem abendlichen Plausch im Cockpit noch mehr schwinden, als es die winterlichen Temperaturen ohnehin schon tun. Hier kam noch Regen hinzu, doch wenigstens wurde es langsam etwas milder. Allmählich dachte der Skipper sogar darüber nach nicht mehr in voller Montur (lange Jogginghose & Fleece-Jacke) ins Bett zu steigen, sondern sich wieder mit einem (kurzärmligen!) Schlafanzug zu begnügen. Davon waren die dick in ihren Schlafsäcken einge­packten Mädels jedoch noch deutlich entfernt. Wann hatten wir eigentlich das letzte Mal Sommer?

4.22 Caleta Suárez
Schon Charles Darwin hat den Monte Cono bestiegen.

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