Durch den Canal Moraleda – Caleta Brooks & Isla Filomena

26. – 27. Juli 2020

So langsam begann nicht nur die Wettervorhersage ihre Vertrauenswürdigkeit einzubüßen, auch der Tidenkalender, bzw. die prophezeiten Wasserstände ließen uns verdutzt die Augen reiben. Eigentlich sollte es vormittags ungefähr so sein, wie bei unserer Ankunft am Vortag. Tatsächlich zeigten Tiefenmesser wie auch Küstenlinie locker einen halben Meter weniger Wasser in der Bucht. Wohlgemerkt bei gleichbleibend schwachem Wind, so dass auch dieser kaum dafür verantwortlich sein konnte. Das eigentliche Problem waren jedoch die damit verbundenen Gezeitenströme. Die Ebbe floss gegenan, so dass wir erst etwas später, kurz vor dem angesagtem Niedrigwasser losfahren wollten… doch wann war das denn nun eigentlich? Letztlich entschied dann wie so oft eine Mischung aus Argumenten den Zeitpunkt der Abfahrt. Schließlich waren die Tage immer noch recht kurz und wir wollten definitiv bei (gegebenenfalls letztem) Licht am Ziel ankommen.

Im Fischerdorf Puerto Aguirre wurde gerade ein neuer Trans Ocean Stützpunkt angelegt, mit dessen Leiter Jaime wir auch schon Kontakt hatten. Dieser war jedoch nicht so ermutigend. Alle Yachten müssten in der nächsten Bucht ankern, eine Quarantäne sei zu erwarten und Landgang nicht möglich. Dazu kam der Umstand, dass wir weiterhin ohne Stempel oder Zarpe in Chile unterwegs waren. Die Konsequenz war nahe liegend: Puerto Aguirre blieb an Steuerbord liegen, wir würden somit nicht das erste TO-Schiff sein, dass den neuen Stützpunkt besucht.. sehr schade!

Puerto Aguirre bleibt steuerbord liegen

Die weitere Fahrt war unspektakulär… ohne Wind, also mal wieder unter Motor und mit erstaunlich wenig Gegenstrom machten wir Strecke. Ein paar Tage sollte es noch ruhig bleiben, danach dann kräftig aus nördlicher Richtung wehen. Bis dahin wollten wir einen schönen, geschützten Ort zum Verweilen erreicht haben.

3.15 Caleta Brooks (Isla Cuptana)

Einen Zwischenstopp legten wir in der schönen, in einem kleinen Kanal gelegenen Caleta Brooks ein. Vorbei an den zwar verfallenden, trotzdem wenig pittoresken Resten einer kleinen Fischfarm, kurz beobachtet von einem Magellanpinguin, bogen wir um die Ecke und legten uns mit Anker und zwei Landleinen vor einen kleinen Wasserfall. Dessen Steine herunter lag eine langes schwarzes Rohr. Schon wieder Müll? Die Inspektion einer kleinen davor schwimmenden Boje brachte die Antwort. Als Samuel daran zog, holte er das Ende dieses Rohres vom Grund und wurde nass gespritzt. Der Wasserfall dient bei Bedarf offensichtlich auch als Frischwasserreservoir. Nun gut, wir bevorzugen da dann doch unseren Wassermacher.

Wasserfall mit Schlauchanschluss
„kleiner“ Seestern
Landleine bei Niedrigwasser
Baummuscheln?!?
3.15 Caleta Brooks (Detail)

Schon am Liegeplatz bekamen wir dann mal wieder braun gefiederten Besuch von Chimangos. Irgendwie scheint so ein Segelboot eine besondere Anziehung auf diese Raubvögel zu haben. Nicht nur vor Anker, auch weiter unterwegs setzte sich so ein blinder Passagier in voller Fahrt auf die Saling und ließ sich den Wind um den Schnabel wehen. Der unbestreitbare Nachteil war, dass die Vibrationen offensichtlich einen entspannenden und verdauungsfördernden Effekt haben. Nur gut, dass wir noch so viele Feuchttücher dabei hatten.

3.15 Caleta Brooks
… und Gast unterwegs
Nördliche Ausfahrt Caleta Brooks
Magellanpinguine

Isla Filomena

Erstmals in Chile peilten wir nun ein Ziel an, das nicht in der „blauen Bibel“ verzeichnet ist. Diese bot leider keine Alternative ohne größeren Umweg, so dass wir dem Führer der RCC Pilotage Foundation folgend bei der Isla Filomena übernachteten. Mangels Detailkarte hatten wir uns vielleicht für die falsche Zufahrt entschieden. Die hinter der bei Ankunft weniger als einen Meter tiefen Engstelle zu sehende Fischerleine war von hier aus jedenfalls unerreichbar. Wir legten uns einfach vor die aktuell ohnehin versperrte Durchfahrt.

Suche nach sicherem Halt…
Diese Durchfahrt war selbst für uns zu flach!

Das war nach Norden zwar weit offen, aber bei der schwach süd-windigen Vorhersage kein Problem. Und während die Kinder mit dem Dinghy die von reichlich Seeigeln bevölkerte Bucht hinter der Engstelle erkundeten, genossen die Eltern das grandiose Panorama in der Abendstimmung.

Isla Filomena