Herbstwetter in Ushuaia

Ushuaia, Mai 2020

Bekanntermaßen liegt das Ende der Welt ja weit unten im Süden. Sagt man zumindest so. Also insbesondere das Tourismus-Marketing in Ushuaia. Dem schließen wir uns hier mal unreflektiert an. Dieser Umstand bringt es jedenfalls mit sich, dass wir hier unten nicht den in Deutschland sprichwörtlichen „Wonnemonat Mai“ erleben, sondern uns inzwischen tief in der zweiten Herbsthälfte befinden. Die Bäume am Fuß der weiß gekrönten Andenausläufer sind schon geraume Zeit nicht mehr so richtig grün, die Temperaturen selbstredend alles andere als frühlingshaft. So einen Mai hat die Crew der Samai noch nicht erlebt.

Wind

Es gibt hier tatsächlich Zeiten, in denen ist es nahezu windstill. Tagelang weht kaum ein Lüftchen, und wenn dann noch die Sonne rauskommt, ist es wirklich traumhaft. Dann gibt es aber auch noch die anderen Tage. Die Tage mit Wind. Einem recht speziellem Wind. Die Samai liegt mit dem Bug Richtung Südost (also links-unten ;-) am Steg. Die vorherrschende Windrichtung ist West bis Nord. Mit anderen Worten haben wir hier im Zweifel also das, was Segler unabhängig vom tatsächlichen Küstenverlauf „auflandigen Wind“ nennen. Es weht von der Seite und es drückt uns gegen den Steg. Und das dann in eben diesem Zweifel halt immer gleich so richtig.

Nein, so einen echten Sturm hatten wir in den letzten 2 ½ Monaten nicht. Wenn es weht, dann aber immer in der Art „mittlerer Wind“ 2 bis max. 5 Bft. (also von ganz wenig bis maximal ca. 21kn ~ 40km/h), in Böen 8 bis 10 Bft. (also rund um die 40’er Knoten… maximal hatten wir auch schon mal über 50kn ~ knapp 100 km/h). Auflandig!

Dazu kommen dann noch die Gezeiten. Zu Springzeiten beträgt der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser zwei Meter. Und nein, das hier ist kein Schwimmsteg. Für unsere Fender bedeutet das Schwerstarbeit, die auch schon Ihre Opfer einforderte. Eine Kugel hat es dahin gerafft und die Fendersocken kann man wohl auch nicht mehr nähen…

Temperatur

Man mag es kaum glauben, aber hier unten ist es aktuell ziemlich kalt. Meist haben wir Höchsttemperaturen im mittleren einstelligen Bereich und nachts geht es inzwischen regelmäßig an und unter den Gefrierpunkt. Im Grunde ganz ähnlich zu dem, was wir im antarktischen Sommer hatten. Wer allerdings meint, dass man sich daran doch sicher gewöhnen könne, sei herzlich dazu eingeladen seine These mit La Skipper zu erörtern. Es wird ein kurze Diskussion: Nein!

Und natürlich kämpfen wir bei diesen Temperaturen weiterhin mit der morgendlichen Feuchtigkeit unter Deck. Der Morgen beginnt stets damit, alle Fenster und Kanten abzutrocknen…

Niederschlag

Seitdem wir hier sind, hat es erstaunlich wenig geregnet. Hin und wieder mal ein paar Nieseltropfen, vielleicht einmal messbare Wassermengen, aber kein echter Regenguss. Insofern ist es recht trocken. Zumindest auf Meereshöhe. Die um die 1000m hohen Berggipfel sind weiß. Das liegt einerseits natürlich an den ganzjährigen Gletschern. Andererseits gibt es aber auch direkt oberhalb der Baumgrenze immer mal wieder Nachschub. Besonders dann, wenn die Gipfel einige Zeit von niedrigen Wolken verhüllt nicht zu sehen waren, präsentieren sie sich anschließend wie mit Puderzucker bestäubt.

Und ja, einmal hatten wir auch schon Schneefall hier unten…

Tageszeiten

Im Herbst werden die Tage kürzer. Aktuell geht die Sonne kurz vor halb 10 Uhr über den hinter Bergen liegenden Horizont. Am Himmel zeigt sie sich uns entsprechend später, verschwindet dafür aber auch vorzeitig wieder hinter den Gipfeln, bevor sie kurz nach halb sechs untergeht. Beim Aufstehen ist es also stockfinster, doch so etwas kennt man ja aus der „dunkeln Jahreszeit“. Echten Einfluss hat der kurze Tag erst dann, wenn wir doch mal nach Chile weiterfahren dürfen. Dort herrscht in den Kanälen Nachtfahrverbot…

Sonstiges

Nicht nur in Deutschland verbindet man mit dem Herbst ein zumindest für Segler auf dem Wasser eher unangenehmes Wetterphänomen: Nebel. Dieser ist hier gar nicht mal so häufig, doch vor ein paar Tagen war er tatsächlich mal angesagt. Und dann kam er auch mit Ansage. Vom Beagle-Kanal her war die Nebelbank gut auf Ihrem Weg zu beobachten. Immer näher kam die große Bodenwolke. Und dann war die vorher noch vom blauen Himmel strahlende Sonne mit einem Mal verschwunden…

Im Grunde also ganz normales Herbstwetter mit ein paar eher ungewohnten Ausreißern… insbesondere dem Umstand, dass wir uns im „Wonnemonat Mai“ befinden.

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