Ushuaia, 23 Mai 2020
Gestern Abend, der Skipper schickte sich gerade an seinem vorletzten Bier die große weite Welt zeigen zu wollen, da erblickte er auf dem Handy den Eingang einer neuen E-Mail. Sie kam vom deutschen Honorarkonsul in Ushuaia. Dieser hatte sich in unserer Angelegenheit an die Migracion in Ushuaia gewandt und bekam folgende Antwort:
Asunto: RE: Alemanes, GRAMSE, Michael y Flia
Conforme lo informado por la Dirección de Control Marítimo y Fluvial de esta Dirección Nacional de Migraciones, se encuentra autorizado el zarpe de dicha embarcación. Resta coordinar fecha y procedimientos para formalizar el despacho.
Zusammengefasst bedeutet das nichts anderes, als das uns die Abfahrt aus Ushuaia gestattet wird! So richtig können wir es ja noch nicht glauben, vor allem wenn man sich das uns von der Prefectura Naval erläuterte Prozedere in Erinnerung ruft. Allerdings hat diese in der aktuellen Situation wohl ohnehin nicht sonderlich viel zu sagen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das dem Selbstverständnis der uniformierten Hüter argentinischer Küstengewässer etwas zuwider läuft.
Kurz und gut: Wir haben grünes Licht von der Migracion, und das sind immerhin jene, die uns die Pässe stempeln! Jetzt müssen wir nur noch das Datum festlegen sowie natürlich vorher die üblichen Formalitäten erledigen. Aus zweierlei Gründen planen wir die Abfahrt für Mittwoch früh gleich nach Sonnenaufgang. Also irgendwann kurz vor 10 Uhr ;-).
Einerseits ist der Montag hier in Argentinien ein Feiertag. Nicht irgendein Feiertag, sondern die „Erklärung der Unabhängigkeit von Spanien“… also der Nationalfeiertag! Daher werden wir die letzten Besorgungen (insbesondere Frischwaren einkaufen und Gasflasche auffüllen) erst am Dienstag erledigen können.
Andererseits zeigt die Windvorhersage (gem. europäischem ECMWF) für die Nacht von Montag auf Dienstag Wind von 18kn (5Bft) mit Böen von bis zu 58kn (sic!) an. Das wären über 100km/h bzw. Windstärke 11. Auch wenn diese uns hier natürlich mal wieder auf den Steg drücken würden, wollen wir den Durchgang der am Dienstag dann zwar schwächeren, aber immer noch sehr böigen Front hier abwarten. Wenn es nicht so heftig wird, hätten wir natürlich auch kein Problem damit. Aber nach den gestrigen Böen haben wir hier inzwischen auch leihweise zwei richtig große orangefarbene Fender zwischen die Samai und den Steg gebracht. Diese sollten uns selbst bei der aktuellen Vorhersage sicher vom Steg fernhalten.
So gehen wir nun also optimistisch und ob der positiven Aussichten ausgesprochen motiviert die letzten Vorbereitungen an. Für den Weg nach Valdivia planen wir immerhin zwei volle Monate ein. Ohne zwischendurch einen anderen Hafen anzulaufen. Mit vier hungrigen Mäulern an Bord. Soviel Proviant muss auch erst einmal an Bord gebracht und verstaut werden. So gesehen eine perfekte Generalprobe für die nun wieder in greifbare Nähe gerückten, langen Schläge über den Pazifik.
Wir halten Euch auf dem Laufenden!