Drake Passage (1) – Los geht’s!

Über das Thema „Wetterfenster“ wurde hier ja schon mal berichtet. Und was soll ich sagen, das Thema lässt uns einfach nicht los. Mit dem kleinen Unterschied, dass es dieses Mal um eine Strecke von über 500 sm geht und es sich dabei um eine der berüchtigtsten Seewege der Welt handelt. Der Name „Drake Passage“ steht da ja nicht zufällig in der Überschrift. Aber es ist nun einmal auch der kürzeste Weg in die Antarktis!

Wir nutzten die Zeit zur Vorbereitung:

  • Dieseltank voll (400l)
  • 24 volle Dieselkanister unter Deck verstaut (490l)
  • alle Gasflaschen voll (2x5kg plus 2,5kg)
  • Wassertank (330l) und auch die meisten großen Wasserflaschen (insg. 90l) voll
  • Kühlschrank (inkl. reichlich vakuumiertem Fleisch), Nudel-/Reisschapp sowie sonstige Vorräte (inkl. Ketchup ;-) sollten uns für deutlich länger als einen Monat ernähren können
  • Ausreichend Anlegerbierchen und Wein (inkl. drei Flaschen Glühwein) an Bord
  • Süßigkeiten, Chips, Kekse etc. (aka Nervennahrung) reichlich vorhanden
  • Wäsche gewaschen, besser: waschen lassen :-)
  • Defekter Shunt ist getauscht (Hurra…wir haben wieder Batterieinfos!)
  • Bullenstander (soll bei einer Patenthalse das Umschlagen des Großsegels verhindern) beidseitig angebracht
  • Fliegenden Backstage (wird bei Nutzung der kleineren Kutterfock zur Stabilisierung des Mastes benötigt) beidseitig vorbereitet

Die letzten zwei Punkte sorgen zwar für einiges an zusätzlichen Leinen an Deck, die hin und wieder auch mal durchaus im Weg sein können. Das ist mir aber lieber, als bei einem Kurswechsel vor Wind vorne die Sicherungsleinen umbauen oder vor Umstieg auf / Wende mit Kutterfock erst die Stage vorbereiten zu müssen.

Schließlich war es soweit. Nach starkem Westwind am Vortag schlichen wir uns bei spontaner Windstille am 31. Januar rückwärts aus unserem dritten Platz im 4er-Päckchen und machten uns wieder einmal auf den Weg in den Beagle-Kanal. Immer mal wieder mit ein paar Dusky-Delfinen als Begleiter und natürlich auch nochmal vorbei an der großen Kolonie Magellan-Pinguine kam irgendwann frischer Nordwind auf. Die Segel gingen hoch, keine Welle, schönes Segeln im Kanal.

Nach erneutem Einholen zweifachen Wetterberichts fiel der spontane Entschluss, doch noch eine Nacht vor Anker zu gehen. Sowohl Seadocs (amerikanisches GFS-Modell) als auch Wetterwelt waren sich darin einig, dass wir ansonsten gleich am Anfang mit Böen über 40kn kräftig auf die Mütze bekommen. Und das muss ja nun wirklich nicht sein.

In der Bahía Sloggett fand sich auf Argentinischer Seite ein Ankerplatz mit minimalem Umweg. Wir mussten nur kurz um Punta False herum… und diese machte Ihrem Namen alle Ehre. Die prüfenden Blicke zwischen Seekarte mit GPS-Position und doch erstaunlich nahe wirkenden Bergen zur Linken gab Veranlassung genug, mal das Radar einzuschalten. Und was soll ich sagen, das Auge trügte trotz Dämmerlich nicht… die Karte wich eine ganze Seemeile von der Realität ab. Mit rot eingeblendetem Radar sieht das auf der Seekarte so aus:

Erwähnte ich schon, dass wir im Dunkeln ankamen? Entsprechend vorsichtig tasteten wir uns an die Küste, die in der Karte eingezeichneten Kelp-Felder vermeidend, Radar und Sonar (also die Tiefe) ständig im Blick und mit gespitzten Ohren, die da schon so etwas wie Brandungsrauschen vernahmen. Der Anker fiel auf gut 7m. Wirklichen Windschutz gab es erwartungsgemäß zwar nicht, dafür aber keine Welle. Letzteres ist uns beim Ankern definitiv das wichtigere Argument.

So sah das nächtliche Rauschen dann am Tag aus.

Ein letztes Mal konnte der Skipper durchschlafen. Die morgens nochmal aktualisierten Wetterberichte brachten die Bestätigung. Nicht ideal, aber auch keine üblen Stürme. Im Grunde genau wie schon einmal erwähnt hielt sich der angesagte mittlere Wind im Bereich der 20’er Knoten (also hohe 5 bis niedrige 7 Bft.) und die angesagten Böen in den unteren 30’ern. Und die Tage danach würde es alles andere als besser. Also jetzt oder realistisch erst wieder in einer knappen Woche. Los geht’s!

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