Boaring Forties, Isla de los Estados und Estrecho de Le Maire

Für die Gewässer der südlichen Hemisphäre haben sich in Abhängigkeit des Breitengrades, also dem Umstand, wie weit südlich man sich befindet, folgende Bezeichnungen etabliert:

  • Roaring Forties (brüllende Vierziger)
  • Furious Fifties (rasende Fünfziger)
  • Screaming Sixties (heulende Sechziger)

Das hängt insbesondere damit zusammen, dass es hier unten im Vergleich zur Nordhalbkugel recht wenig Land gibt. Wenn man mal „von unten“ auf die Erde schaut, gibt es rund um die Antarktis gar überhaupt kein Hindernis, das der vorherrschenden Westwinddrift im Wege steht, so dass diese sich zu atemberaubenden Geschwindigkeiten aufbauen kann. Das was Kühlungsborn (54°N) im Norden liegt, haben Usuhaia (ca. 55°S) bzw. auch Kap Horn (56°S) im Süden. Für Ostseesegler (also mitten in der nördlichen Westwinddrift!) unvorstellbar werden hier aber durchaus auch mal Böen von 100kn vorhergesagt. Wohlgemerkt ohne Hurrikan oder wie das in den unterschiedlichen Regionen der Welt auch immer heißen mag. Solche Winde kann hier ein zwar starkes, aber letztlich doch „normales“ Tiefdruckgebiet mit sich bringen. Zur Erinnerung: 12Bft. hat man bei über 65kn.

In diese Region machten wir uns also von Puerto Deseado (immerhin selbst schon auf knapp 48°S) aus auf. Die Passage über die Bahía Grande gilt als eine der großen seglerischen Herausforderungen von Argentinien… und dann das!

Morgens

Von den insgesamt ca. 560sm bis Ushuaia sind wir ganze 120sm gesegelt… 20%. Und das lag wahrlich nicht an fehlendem Willen. Wir haben wirklich alles versucht, aber bei um die 3 Windstärken von hinten (da sind wir gleich wieder beim Thema „Scheinbarer Wind“!) kommen unsere gut 12t einfach nicht so richtig in Schwung. Es war schon frustrieren… da hat man schon Segel dabei, die wunderschöne Weise, mit den Kräften der Natur und insbesondere ganz ohne brummenden Diesel zu reisen und man spielt stundenlang Motorboot. Das war aber immer noch deutlich besser, als der für kurz danach angesagte, frische Westwind um die 40kn mit Böen über 50kn. Da schlüpften wir sicher vorher durch.

Abends

Demnach war es auch weniger der Wind, als die Strömung, welche uns einen kurzen Zwischenstopp bei der Isla de los Estados einlegen ließ. Eigentlich ein tolles Ziel, das eine ausgiebige(re) Erkundung verdient hätte, doch das gegebene Zeitfenster für die Antarktis trieb uns (leider!) voran. Vor uns lag die berüchtigte Estrecho de Le Maire. In dieser herrscht starker Gezeitenstrom und nicht nur, aber insbesondere dann, wenn noch ungünstiger Wind dagegen weht, kann es echt ungemütlich werden. Immer wieder liest man in einschlägigen Führern und Berichten von meterhohen stehenden Wellen. „Very often the water appears to be like the surface of a liquid in a boiling pot.“ Nicht ohne Grund liegen in dieser Gegend unzählige Wracks auf dem Grund.

Wir warteten also zwei Stunden in der Bahía Crossley darauf, dass der Strom zu unseren Gunsten kippte. Allerdings durften wir auch nicht zu lange warten, damit wir noch ohne den wenigstens nur moderat angesagten Gegenwind durchkommen.

Bahía Crossley

Am Anfang war auch alles wie erwartet und geplant. Ohne Gegenstrom hielten wir uns bei ruhigem Wasser und wenig Wind frei von den laut Karte in Küstennähe grundsätzlich zu erwartenden Turbulenzen. Doch das blieb leider nicht so. Nach und nach baute sich eine kurze Welle von vorne auf… und was erschien denn da hinter den Küstenbergen Steuerbord voraus und kam uns unbeirrbar entgegen? Das war so nicht vorhergesagt!

Muss das jetzt wirklich sein???

Wenigstens war es „nur“ eine kleine Front, die uns da beglückte. Die Welle war unangenehm, aber nicht gefährlich. Um 22 Uhr war war es schon wieder vergleichsweise ruhig, die Le Maire Straße endlich passiert und wir konnten mit beginnender Nacht in den Beagle Kanal abbiegen… nur noch 100sm bis Ushuaia!

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