Wetterkino in Puerto Deseado

So lagen wir nun also mit 50m Kette vor Anker und erwarteten die angesagten 9 Bft. mit 10’er Böen… also Wind bis über 50kn (knapp 100 km/h). Da wir in Windrichtung eine zwar nur flache, aber doch vorhandene Landabdeckung hatten war wenigstens wenig Welle zu erwarten. Und die unangenehmen Seitenwände des Schwimmpontons hatten wir glücklicherweise verlassen… selbst wenn der Anker slippen (also nicht sicher halten) sollte hätten wir genug Spielraum.

Die Wetterfrösche liegen ja öfters mal daneben, aber dieses Mal sollten sie Recht behalten. Die Böen gingen tatsächlich bis 52kn und wir hatten lange Freude mit der frischen Brise. Aber der Anker hielt bombensicher.

Schwojkreis

Lediglich eine Kleinigkeit hatten wir nicht bedacht, gegen diese wären wir aber ohnehin machtlos gewesen. Wir lagen ja in einem breiten Fluss. Hier am Rand war die ansonsten recht starke Strömung zwar nicht so arg wie in der Mitte. Wenn Strömung und Wind aus der gleichen Richtung kamen, war auch alles in Ordnung. Anders dagegen, wenn die Strömung (gezeitenbedingt zweimal am Tag) gegen den Wind lief. Das hatte zwei Effekte:

  • Die Welle wird kürzer und höher. Das klingt hier nach Jammern auf hohem Niveau, wenn man über eine absolute Änderung im Zentimeterbereich redet.
  • Allerdings schaffte es auch schon die recht geringe Strömung selbst bei stärkerem Wind unser Boot, bzw. einen Teil davon vor sich her zu treiben… besser gesagt drückte sie unser Heck nach vorne, bis es etwa auf Höhe des im Anker hängenden Bugs war. Damit lagen wir quer zur Welle… und da zählt jeder Zentimeter!
Vor Anker mit Wind und Welle von der Seite… vielen Dank dem Strom!

Trotzdem waren wir froh, hier zu liegen. Hin und wieder mit dem Fernglas zum Ponton hinüber geschaut sahen wir stets bewegte Segelboote… wir wollten uns nicht ausmalen, wie es uns in der Ecke ergangen wäre.

Als sich das Wetter nach einigen Tagen beruhigt hatte, kamen wir dann doch nochmal an den Ponton zurück. Nun waren wir es, die außen am Russen längsseits lagen. Da passierte es dann auch, dass beim Wechsel der Gasflasche eine der großen Schrauben der Gasbox ins Wasser fiel. Eigentlich kein Thema… normalerweise wären Bootshaken und Kescher schnell genug bei der Hand, um den Ausreißer wieder an Bord zu holen. Hier jedoch gab es einen Helfershelfer: Strömung. Schnell war die Schraube außer Reichweite und trieb weiter davon. Das ist der Moment, in dem Helden geboren werden. Todesmutig zog sich der Skipper bis auf die Unterhose aus, ging so schnell wie selten ins Wasser, schwamm mit der Strömung hinterher und gegen die Strömung dann quälend langsam zum Boot zurück. Booooooaaaaaaaahhhhh… war das kalt!!! Aber der Ausreißer war wieder eingefangen.

Ist es noch weit?

Nach dem überstandenen Wetter trafen sich die Segler dann noch zu einem gemeinsamen Asado auf einem der brasilianischen Boote. Dort lernten wir dann auch, wofür man „Farofa“ verwendet. Wir hatten eine Tüte dieses gerösteten Maniokmehls in einer der brasilianischen Weihnachtsboxen gefunden, wären aber nicht auf die Idee gekommen, es einfach zusammen mit Grillfleisch zu essen. Selbst unsere Jüngste liebt diese Kombination.

Die zwei brasilianischen Boote sollten wir dann zwei Monate später in Ushuaia wieder treffen… unter anderem natürlich zu einem gemeinsamen Asado!

Der Ort selbst ist wenig ansehnlich, aber wir konnten die Gasflaschen füllen lassen und neben dem großen Supermarkt standen Taxis bereit, die einen SEHR günstig zum Boot zurück fahren.

Das für den nächsten langen Schlag über die Bahía Grande benötigte Wetterfenster tat sich dankenswerter Weise zeitnah auf, so dass es endlich weiter nach Süden gehen konnte…

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