Atlantiküberquerung (1): Und auch heute haben wir wieder Wetter-Wetter-Wetter

Wir waren ja schon ein paar Tage in den Subtropen unterwegs, und so langsam sollte man sich eigentlich an die Temperaturen gewöhnt haben. Hatten wir aber nicht wirklich… es war einfach nur HEISS! Anfangs hatten wir wenigstens noch etwas Wind, so 3-4 Bft. von hinten. Damit waren wir zwar selbst unter dem Parasailor nicht rasend schnell unterwegs, kamen aber immerhin ressourcenschonend voran. Also von Montagmittag bis Mittwochnachmittag. Dann war der segelbare Wind endgültig weg und wir im Folgenden als Motorboot unterwegs … bis zum späten Samstagabend knapp 450sm am Stück!

Der wilde Atlantik!

Insgesamt waren wir zu diesem Zeitpunkt immerhin ca. 150sm gesegelt, jedoch auch schon 530sm gemotort, hatten dementsprechend einen nahezu leergefahrenen 400l-Dieseltank und dabei immer noch knapp 1.000sm vor uns. La Skipper war kurz vor einer Panikattacke, der Skipper versuchte mit Hinweis auf die noch 110l Diesel in Kanistern zu beruhigen, aber allen war klar, dass das so nicht weiter gehen konnte.

Doch der Wettergott hatte ein Einsehen. Damit meine ich jetzt zugegebener Maßen nicht den (Vorsicht: Ironie!) „allwissenden deutschen Wettergott Meno“. Dieser lag ehrlich gesagt regelmäßig kräftig daneben (bis zu 3 Windstärken aus 180 anderen Grad!). Die von Saildocs besorgten (kostenlosen) Informationen waren zwar auch nicht so ganz stimmig, in der Regel aber besser als der (kostenpflichtige) Service aus Kiel.

Sonnenaufgang

Beim der Kommunikation mit der Außenwelt, sei es Empfang der Wetterdaten, Senden von Positionsmeldungen oder auch privaten Emails, nutzten wir nun intensiv unsere SSB-Anlage. Es ist schon faszinieren, sich im östlichen Atlantik über Kurzwelle mit Kanada zu verbinden, um von dort seine Emails abzurufen. Üblicherweise klappte es abends am besten und in den seltenen Fällen, wo der Funk sich einer guten Verbindung völlig versagte, sprang dann das Satellitentelefon ein. So ganz waren wir also doch nicht so ganz offline… Zeichen moderner Zeiten!

Wir hatten insgesamt also eine recht breite Schwachwindzone (Doldrums) erwischt. Und es war immer noch trocken an Bord der Samai. Allerdings bauten sich rundherum immer größere und imposantere Wolkenberge (… ach was, Wolkengebirge!) auf. Immer häufiger sahen wir Regenzellen, die Ihre Last sintflutartig ins Meer ergossen. Nur wir waren unsere Sandschicht immer noch nicht losgeworden.

Wölkchen…

Erst nach gut einer Woche, so ungefähr zur Halbzeit, hatte es uns dann auch erwischt. Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als wir unseren anfangs eher südlichen Kurs (um den Äquator nicht zu weit westlich zu queren) mit einer Wende an den Wind direkt auf Brasilien geändert und auch der Südamerikanische Kontinent erstmals dichter als der Afrikanische war, begann es zu wie aus Eimern zu schütten.

Der ganze Dienstag stand im Zeichen solch tropischer Regengüsse, in denen die Sicht nicht mehr als solche zu bezeichnen war. Auch der Wind zeigte sich den Regenzellen angepasst wechselhaft. Hatten wir unter der Wolke gerne 5-6 Bft. konnten es wenige Minuten später schon wieder 5-6 kn (also 2 Bft.) aus einer völlig anderen Richtung sein. Und selbstredend war es nachts deutlich wechselhafter als tagsüber… ein gerefftes Groß war da selbstverständlich.

Aber wir konnten Segeln! Der vorliche Wind kam im Laufe der Tage immer mehr von der Seite, die Nächte wurden ruhiger und nach einer einsamen ersten Woche sahen wir in der zweiten Woche sogar vereinzelt andere Schiffe am Horizont. Der Äquator wurde am Donnerstag, dem 17. Oktober um 03:04 Uhr Bordzeit UTC-1 (… also drei Stunden vor Deutscher Sommerzeit) bei 28° 10,7’ W gequert.

Mit ganz wenigen Ausnahmen segelten wir bis Brasilien schon in Sicht war. Die letzten paar Stunden warfen wir dann doch wieder den Motor an. Einerseits wollten wir den Wassertank nochmal richtig voll machen und andererseits nicht im Dunkeln ankommen. Davor wurde auch im Revierführer eindringlich gewarnt. So schafften wir es also kurz nach Sonnenuntergang (mit immerhin noch gut 20l Diesel im Tank!) die Leinen im Jacaré Yacht Village zu belegen. Nach zwei Wochen und acht Stunden war es geschafft. Nun dürfen auch wir uns offiziell „Atlantiküberquerer“ nennen.

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