Alea iacta est

Valdivia, 25. November 2020

Nein, wir haben keine Truppen über den Rubicon geschickt. Doch in gewisser Hinsicht sind die Würfel nun tatsächlich gefallen. Anders gesagt haben wir uns endlich aufgerafft, eine Entscheidung zu treffen.

Die Frage war simpel: „Was nun?“

Die Antwort?!… zur Auswahl standen fünf Alternativen.

1. Von vorneherein als „Streichergebnis“ angesehen war die Option, das Boot (erst einmal) hier zu lassen und zurück nach Deutschland zu fliegen. Wir haben an dieser Stelle schon erörtert, warum das für uns im Grunde nicht zur Debatte steht. In unserer aktuellen Situation käme dazu noch die Herausforderung mehr als 800km nördlich bei Santiago gelegenen Flughafen zu kommen, wo wir hier ja noch nicht einmal selbst in die Stadt zum Einkaufen gehen dürfen.

2. Wir könnten bis auf weiteres hier in Valdivia bleiben. Es weiter aussitzen. An die ohnehin schon hier verbrachten drei Monate noch einige Wochen dranhängen… mindestens bis zum Jahresende. Ja, das ist eine Option. Es wäre die bequemste Wahl. Aber ganz ehrlich… Nein! Dafür sind wir nicht unterwegs. Es tut uns einfach nicht gut. Wir müssen definitiv noch in diesem Jahr die Leinen hier loswerfen und die Segel setzen. Die Frage war damit „nur“ noch, in welche Richtung es gehen soll.

3. Wir könnten auch wie ursprünglich mal geplant nach Westen, halt nur ein paar Monate später. La Skipper will unbedingt in die Südsee. Lieber heute als morgen. Andererseits ist und bleibt die Osterinsel trotz der begonnenen Grenzöffnung Chiles bis auf weiteres für Touristen geschlossen. Es würde also daran vorbei direkt nach Französisch Polynesien gehen. Dort treiben sich dann sowohl die ganzen dort nicht weggekommenen Segler der Vorsaison als auch die Neuankömmlinge rum. Und westlich von Tahiti ist aktuell auch noch alles geschlossen. Maximal Versorgungsstopps sind möglich, Australien und Neuseeland sogar für Boote geschlossen, die sich vor Hurrikans in Sicherheit bringen wollen. Ja, auch der Skipper will in die Südsee… aber gerade jetzt?

4. Nochmal nach Süden. Außen an den Kanälen vorbei zurück nach Ushuaia. Dort dann trotz aktuell weiterhin geschlossener argentinischer Grenze irgendwie das Boot vorbereiten und einen zweiten Familienausflug in die Antarktis unternehmen. Diese Möglichkeit hatte es sich in den letzten Wochen immer wieder im Hinterkopf des Skippers gemütlich gemacht. Sogar den neuen Antrag an das Umweltbundesamt hatte ich schon begonnen. Und doch fühlte es sich irgendwie nicht richtig an. Mal ganz abgesehen davon, dass La Skipper ausgesprochen wenig Motivation verspürt, wieder in die Kälte zu segeln.

5. „Last but not least“ der verbleibende Kompromiss, welcher im Grunde dann aber doch so viel mehr ist. Wir wollen nun also an der südamerikanischen Küste weiter nach Norden segeln. Unterstützt von normaler Weise passenden Winden und dem schiebenden Humboldtstrom.

Je mehr man das sacken lässt, umso mehr Charme entwickelt dieser Weg. Sicher, der chilenische Abschnitt wird interessant. Werden wir hier in irgendeinem Hafen an Land gehen dürfen? Spätestens im ganz im Norden Chiles gelegenen Arica gibt es einen Trans Ocean-Stützpunkt. Dort bekommen wir in jedem Fall Unterstützung. Doch bis dahin sind es auch schon mal gut 1.300sm. Das ist mehr, als die gesamte Küstenlinie des nördlichen Nachbarn Perus lang ist.

Um Peru machen viele Freizeitboote einen großen Bogen. Es sei für ausländische Segler viel zu teuer und unfreundlich. Doch wenn man aktuelle Erfahrungsberichte liest, scheint sich zumindest in Callao (Hafen der Hauptstadt Lima) etwas geändert zu haben. Hier hat sich der Yacht Club Peruano auch für Gäste einen hilfsbereiten, freundlichen Ruf erarbeitet. Ein Zwischenstopp ist fest eingeplant.

Danach kommt dann Ecuador. Ein für sudamerikanische Verhältnisse eher kleines Land mit weniger als 400sm Küste, das wir eigentlich so gar nicht auf dem Schirm hatten. Hierher verirren sich nur selten Segler, meistens kamen sie zuvor durch den Panama-Kanal. Eine aktuelle Ausnahme sind der unglaubliche Craig (seine Geschichte unter anderem hier und auf Facebook) mit seiner schwangeren Freundin Renate. An einem ihrer letzten Tage in Valdivia verbrachten wir einen sehr netten Tag bei uns im Cockpit. Inzwischen sind sie in La Libertad (Puerto Lucia) angekommen. In Ecuador soll dann auch ihr Kind geboren werden. Vielleicht treffen wir die drei(!) ja dort wieder?

So richtig ins Leuchten kommen die Augen von La Skipper aber beim Gedanken daran, dass ja auch die Galapagos-Inseln zu Ecuador gehören. Nein, auf eigenem Rumpf wollen wir da definitiv nicht hin… gegen die dortigen Auflagen und Gebühren war sogar die Antarktis noch harmlos. Aber vielleicht ergibt sich ja eine andere Möglichkeit… wir werden sehen.

Das Wichtigste ist für uns, endlich mal wieder ein Ziel vor Augen zu haben. Wir wissen, wie es zumindest die nächsten Wochen und Monate weiter gehen soll. Alles weitere wird sich ergeben. Und vielleicht, also gaaaaanz vielleicht beruhigt sich die Welt ja auch mal wieder ein bisschen. Unsere von langer Geduld gestählte Hoffnung stirbt zuletzt.

7 Kommentare zu „Alea iacta est“

  1. Euer Plan hört sich gut an! 🙂 Wir wollten uns unbedingt Ecuador anschauen, falls wir durch den Kanal gegangen wären. Atanga war da auch mehrere Monate, falls ihr noch Anregungen braucht.
    Liebe Grüße
    Christina

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      1. Das Mittelmeer (vorallem Griechenland und Kroatien, ich freue mich auch auf die italienischen Inseln…) ist ein wunderbares Segelreviere mit schöner Kultur und gutem Essen. Von daher werden wir auch hier eine schöne Zeit haben. Unsere Priorität lag noch nie in den „Orten“, sondern in einer möglichst entspannten Familienzeit (soweit das mit Vierjährigen geht). Hauptsache wir reisen, entdecken und sind unterwegs. Egal ob Pazifik, Atlantik oder im Mittelmeer. 🙂

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